Nun …

Das Holz vor der Hütte ist nun in der Hütte und es ist erstaunlich, wie viele Muskeln einem, in Folge etwas körperlicher Betätigung, weh tun können.
Entsprechend regenerativ gehe ich das Wochenende an 🙂

Das Holz war gleichzeitig, in mehreren Bereichen, Symbolbild:
– da ist noch einiges wegzuarbeiten
– manche Arbeit ist zu erledigen, lange bevor sie gebraucht wird
– manchmal ist körperliche Arbeit wichtiger, als geistige
usw.

Unverkennbar sind meine WP-Aktivitäten in einem verlängerten Winterschlaf und der wird, ziemlich nahtlos, in einen Sommerschlaf (gibt es so was?) übergehen.
Aber im Hintergrund bin ich nicht untätig. 🙂

Motivation zum Veröffentlichen gibt es aktuell wenig; mich um mein Leben kümmern, scheint der relevantere Auftrag und das ist ja auch etwas.

Jetzt gönne ich, den müden Knochen, noch etwas Ruhe, habt ein schönes Wochenende

PGF

Gärung

Zur Zeit schreibe ich ja nicht.
Also hier nicht und auch nicht im Reallife, also kaum.
Im Reallife arbeite ich weiterhin im Maximalbereich und kümmere mich eher, ums Alltägliche, wie dem Einbau einer neuen Duschkabine oder einem Upgrade der Küche.
Spirituell könnte man von Wurzelarbeit sprechen.
Es schadet nicht, folgt aber auch einem zähen Enthaltungswillen, was das Schreiben angeht.
Dabei stelle ich fest, dass ganz tief innen drin, in den kortikalen Windungen, in deren wundersame Prozesse, das bewusste Denken nicht hinabzusteigen vermag, Entwicklungen im Gang sind, die sich schwer benennen lassen.
Wenn ich früher sehr stark an dem Bild der Keimung, als Analogie zur frühen Phase einer Idee/Geschichte hing, so scheint mir nun der Prozess der Gärung viel zutreffender. Jenem Prozess aus dem sich, aus verschiedenen Grundstoffen, etwas neues, ganz eigenes entwickelt.
Etwas verwandelt sich eher, als es sich entfaltet, würde ich behaupten.
Was das ist, wer will es ganz beschreiben, ohne es analytisch zu beflecken?
Man kann das Rezept beschreiben: Kohl, Salz, Wasser, Pfeffer, Wacholderbeeren und ein bisschen Gärhilfe, aber damit weiß man nicht, ob am Ende schmeckt was herauskommt und, wie diese Stoffe wechselwirkend, zu etwas Neuem führen, obwohl man denken sollte, das es verkommt statt zu werden: Ja, statt von Fäulnis befallen zu werden, erhöht es seinen Wert für die Gesundheit, während es reift.
Ein sonderbares Phänomen, welches schnell kippt, wenn es nicht die richtige Pflege erhält, denn dann wird es Fäulnis. Geduldig sein, aber nicht untätig, ist ein Teil des Geheimnisses.
Und so blubbert nur ab und zu, was im Dunkeln gärt, ist ansonsten aber still und im Dunkeln verborgen …
Für den Blog sehe ich schwarz, wenn ich ehrlich bin und auch fürs Veröffentlichen, da kommt der Gärprozess gewissermaßen zum Erliegen.
Was den Blog betrifft, für diesen. Aber beim Veröffentlichen ganz allgemein.
Der Blog findet vielleicht einen Nachfolger, diesmal vielleicht sogar mit zutreffendem Namen. Denn Nomen ist nicht immer Omen. Mit literaturfrey hatte ich nicht vor die Heimkehr-Reihe zu begleiten und mit dem Zeilenportal etwas ganz anderes im Sinn, als die Joe-Geschichten zu präsentieren. Alles hat sich eher parallel, eher ungewollt ereignet und hat sich, zu seiner Zeit gut angefühlt.
Aber das weiß ich noch nicht. Es ist auch schade, mit jedem Umzug, geschätzte Wegbegleiter/innen zu verlieren. Das ist der kritische Punkt.
Und das Veröffentlichen? Puh, ist das mühsam. Ich bin nicht laut genug und nicht manisch genug, um zu betreiben, was ich betreiben müsste, damit ich so viel Aufmerksamkeit gewinne, durch die „kaufende Leser“ entstehen könnten. Ihr habt mir ja, durch eure Rückmeldung, immer wieder das schöne Gefühl gegeben, dass lesenswert sein kann, was ich erzähle. Nur bemerkt es sonst niemand.
Ich habe, im Übermut, bei Twitter für 5 Tage eine Werbekampagne gestartet (zum niedersten Tarif) sind das schlappe 50,- € Werbekosten. Gebracht hat mir das, bis zum 3. Tag über 2200 Impressionen, 146 Interaktionen, 13 Dateierweiterungen, 4 Profilbesuche und 5 Link-Klicks. Das ist viel, aber substanzlos. Denn, wenn man prüft, wer denn da interagiert, finden sich Jenni08122004, Ahmad#Allahistgroß und Bitcoin-Univers24Check. Vermutlich die Literaturagenten von Suhrkamp, Hanser und Fischer in sehr, sehr geheimer Mission – da hilft nur Humor …
Da ist das, hier und euch, Geschichten erzählen viel schöner, viel weniger aufwändig und viel konkreter im Austausch.
Haken: Die Joe-Geschichten hätte ich gerne alle veröffentlicht und ich kann zäh sein, was Vorsätze angeht.
Mal sehen, wie mein Schwiegervater gerne zu sagen pflegte.
So, jetzt mache ich den Deckel wieder auf den Gärtopf. Manchmal muss man ja, den Deckel öffnen und prüfen, ob die Beschwerungssteine noch richtig liegen, ob sich Schimmel bildet oder ob noch alles passt.

Schönen Abend 🙂
PGF

Leseexemplare

Ja, ich weiß, wird ja auch langsam Zeit 😉

Also wer möchte: Ab sofort können Rezensionsexemplare angefordert werden. Liegt noch nix auf Lager, aber nach Kenntnis wer möchte, geht die Bestellung raus.

Die Veröffentlichung von „Gestra“ hat sich so unmerklich vollzogen, dass ich sie fast verpasst hätte. Das ist der Nachteil, wenn man zu gut in der Zeit liegt und nicht bis zum letzten Moment Fehlerbeseitigung betreiben muss.
Ein Schaden ist es nicht, in meinem Sinn, die Welt ist voller Nachrichten mit Brisanz.

Für alle Neugierigen folgt das Kontaktformular:

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende

PGF

Der Krieg und die Intellektuellen

Es ist in Deutschland meist schief gegangen, wenn „die“ Intellektuellen „das“ Volk zum Nachdenken bringen wollten.
Der Deutsche mag den „Geist“ nicht, zumindest nicht zu viel davon, Nietzsche hat dazu einiges Erhellendes geschrieben.
Es ist die Schwäche der Intellektuellen zu glauben, dass doch, darüber reden und diskutieren, genügen müsste. Das ist der Elfenbeinturm, in dem sie leben.
Sie werden ihn nie verlassen, deshalb nennt man sie ja „Intellektuelle“.

Man muss die Lage und die Diskussion soziologisch sehen: als System, in dem jeder seine Rolle hat. Die Rolle der Gelehrten ist, an die Vernunft zu mahnen.
Das ist so und ist wichtig, im Kontext einer Konsensbildung.
Ich habe den Artikel nicht gelesen, den die gute Frau Zeh – sie weiß immer auf sich aufmerksam zu machen – und andere geschrieben haben. Ich denke nicht, dass ich das muss, die Position ist pauschal: Wir müssen reden, es sind doch alle ein wenig Schuld.
Das ist gut gemeint, ohne Zweifel, aber historisch widerlegt. Es war auch mit Hitler nicht, per Mediator, zu einer Lösung zu kommen. Man kann das im Harvard-Konzept der Kommunikation nachlesen. Mit einem harten Verhandler gibt es kein Win-Win.

Trotzdem bleibt mir Hesse ein Vorbild, der durch alle Kriege hindurch, gegen den Krieg war und alle möglichen Anfeindungen erlitten hat. Es war ihm egal. Er war, wie ein Licht, das nicht ausgehen darf, wenn nicht alles, im Dunkel versinken soll. Davon sind die Neuzeit-Intellektuellen weit entfernt, die sich überwiegend in Talkshows ihre Sporen verdient haben. Sie sind sozusagen, die Mini-Ausgabe, die billig LED.
Das man sie nun derart angefeindet werden, halte ich für äußerst bedenklich. Es gibt zum Thema verschiedene Stimmen und kein sollte niedergebrüllt werden oder im Shit-Storm absaufen. Eben das sollte uns, von Meinungsdiktaturen unterscheiden. Es ist legitim die Position von Russland einzunehmen. Es ist sogar noch komplexer: Man kann die Kausalität des Konflikts gar nicht bei Russland sehen und den Angriffskrieg trotzdem aufs Schärfste verurteilen. Dazu muss man denken und sich informieren.

Ich bin schon immer ein Vertreter von „Kenne die Gegenseite“. Deshalb habe ich mir das fragwürdige Vergnügen zugemutet, ein Machwerk von Alexander Dugin durchzulesen, von dem man sagt, er sei der Hofphilosoph Putins. Ich komme dabei zu dem Punkt: die gefährlichen Intellektuellen sind nicht die, die zum Dialog mahnen, sondern die, die, wie Dugin, die Konfrontation heraufbeschwören. In Dugins Welt wird der Großteil der Menschheit zurück in die Bauernkultur katapultiert, zu mehr ist die Masse nicht zu gebrauchen. Darüber sortieren sich Krieger und Helden und ganz oben, die Elite. Er nimmt sich das indische Kastensystem zum Vorbild. Leitkultur ist eine erzkonservative, orthodox geprägte patriarchalische Kultur, wie vor 100 Jahren. Wenn unsere Intellektuellen so etwas schreiben würden, sollten wir entsetzt sein. Aber nicht, wenn sie unbeholfen und naiv, Wege suchen, das Blutvergießen zu beenden.

Wenn ich die Diskussion verfolge weiß ich, weshalb ich aktuell, wenig Lust habe, meine Gedanken und Stimmungslagen dem Social-Media-Monster auszuliefern. Hysterie, Denkfaulheit, die Unfähigkeit differenziert und über lange Strecken zu betrachten, prägen den Diskurs. Um die Wahrheit geht es lange nicht mehr. Deutschland hat seine Geschichte und historische Verantwortung, wie es scheint, vergessen. Wir werden alle getrieben von den Schreihälsen und sollen Folgen von Entscheidungen mitverantworten, die wir nicht treffen und die, wie sie getroffen werden, nicht unserem Einfluss unterliegen. Europa wird, wieder einmal, zwischen russischen und amerikanischen Interessen aufgerieben. Es wäre aber falsch, den beiden Großmächten daran die Schuld zu geben. Europa hat es versäumt, eine Einheit zu bilden, die in diesem Konflikt eine eigene Position vertreten kann.

Hoffen wir, Putin ist zur Vernunft zu bringen, ehe das Leid und das Blutvergießen noch dramatischer werden. Er fällt sicher in die Kategorie von Akteuren und Verhandlern, die erst dann kompromissbereit werden, wenn der eingetretene Schaden größer ist, als der mögliche Gewinn, beim Erreichen der Maximalforderung. „Lass uns doch mal mit ihm reden“, „Ach! dann gebt ihm doch ein bisschen nach“ sind Konfliktlösungsansätze für den Spielplatz. Was aber das andere heißt, dass muss man sich bewusst machen, in aller Konsequenz, die das hat. Der Krieg ist ein Verbrechen, für den es keine intellektuelle Lösung gibt. Der Krieg ist, wie eine Naturkatastrophe, nur dass sie nicht von einem Element verursacht wird, sondern von Menschen, die ignorieren, wie viel Leid, der Krieg, in die Welt bringt und wie lange es dauern wird, diese Wunden zu heilen.

04/22 PGF

Gelegentliche Zeiten der Besinnung

Manchmal gibt es sie, während ich durch den Sumpf der Pandemie wate und die dunklen Wolken des Krieges, in der Welt, über mich hinwegziehen.
Während ich, manchmal mutlos, manchmal trotzig, das Tagewerk verrichte, welches mein Leben sichert und anderen die Genesung oder den Weg dorthin ermöglicht.
Während ich still warte, ob die Lust „davon“ zu erzählen zurückkommt oder ob es nicht schöner ist „alles“ zu verschweigen.

Eine Geschichte wird bald ihren Weg in die Welt suchen, eine andere wird vielleicht nie diesen beschwerlichen Weg wählen.

Der Himmel ist blau und der Frühling drängt, wo immer er kann, in die Welt, während die Milane hoch oben in der Luft schweben und ich innehalte, um sie zu beobachten …
einen kostbaren Augenblick der Besinnung, von denen es so wenige gibt –
dass man klug sein muss, worauf man sie verwendet: in beschwerlichen, unsicheren Zeiten, da die Rufe nach „deutlichen“ Konsequenzen überall lauter werden, als jene nach klugen Konsequenzen.

So viel gäbe es zu besprechen, so viel zu klagen, so viel, als Hoffnung in Aussicht zu stellen, so viel zu erzählen, um eine plaudrige Stunde Unterhaltung zu genießen, aber dafür ist der Weg durchs Dickicht noch zu lang.
Dafür müssen erst die Abende zurückkommen, die sich an lebendige, helle Tage schließen oder dunkle, aber erkenntnisreiche Stunden.

Bis dahin bleiben nur, gelegentliche Zeiten der Besinnung.

04/22 PGF