Wale die durchs Meer treiben (3)

Jetzt tat die Sonne mir gut, unerbittlich oder nicht. Mein Körper benötigte Ruhe, meine Hände, meine Beine, mein Herz und mein Geist benötigten Ruhe und Trost und etwas Stille vor sich selbst. Ein paar Sonnenstrahlen im Gesicht, die mich von mir ablenken. Das Glitzern an der Oberfläche, unter der ich dahintreibe.

Ich hatte Wale gesehen. Einmal bei einer Wal-Tour vor Reykjavik. Ein beeindruckender Moment, den ich kaum genießen konnte, weil zu viele Touristen auf dem Boot, für zu viel Gedränge sorgten und die wilde Fahrt meinem Magen nicht bekam. Der Eindruck von Größe blieb trotzdem. Von Größe und Geheimnis. Das Geheimnisvolle von Geschöpfen, die in unermesslichen Tiefen warten, vielleicht abwarten, bis wir wieder verschwunden sind, von der Erde. Wir haarlosen Affen, die alles verwüsten. Sie tauchen durchs Meer, in endlosen, weiten Bahnen, flüstern sich Schallwellen zu und erzählen sich Geschichten über Äonen.

Dorthin musste ich wiederkommen – wenn dieser Schmerz nachließ, wenn dieser bittere Kelch getrunken war: Zu dieser Sicherheit, in meinem Element zu sein, auf meiner Bahn zu sein, ohne, dass wichtig war, wer kam und ging. Wichtig war nur, die Einsamkeit in dieser Weite zu begreifen, wenn sich das Gemeinsame nicht fand …

10/19 PGF

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