Wale die durchs Meer treiben (12)

Dann kam der Regen und spülte den Schnee weg und tauchte die Welt in ein diffuses Grau, welches nur vom wechselnden Licht, zwischen den Tageszeiten variiert wurde. Den meisten Menschen schlägt diese Witterung aufs Gemüt, ich hingegen fühle mich wohl und habe zu meist meine kreativsten und ruhigsten Phasen.
So war es auch in diesem Jahr. Dich traf ich nicht wieder. Du meldest dich nicht und ich hatte nicht die Kraft, mich um jemand zu mühen, der nicht mit mir in Dialog treten wollte. Aber das war okay. Ich nahm es dir nicht übel. Es war vielleicht auch gut, um nichts zu überstürzen und um die eine Wunde heilen zu lassen, ehe ich den Weg einschlug, mir die nächste einzufangen …

Die Tage hatten wieder Rhythmus: Aufstehen, Feuer machen, Frühstück, Arbeiten, Essen, Arbeiten, Kaffee, Schreiben, Abendbrot, ein wenig Fernseher und Schlafen. So ging es Tag für Tag und all diese Dinge waren mit unzähligen Feinheiten verbunden. Manchmal stand ich leicht, aus einem guten Traum, auf. Manchmal war ich kaum in der Lage, die Bettdecke von mir zu heben. Mal genoss ich den Moment am Kamin, manchmal war ich zu müde wieder und wieder das Gleiche zu tun. An einem Tag war das Frühstück liebgewonnenes Ritual, am nächsten ekelte mich der gleiche Tee, zum gleichen Brot. Die Arbeit war angefüllt, mit stillen Erfolgen und lauten Niederlagen und das Schreiben ging an manchem Abend leicht von der Hand, am nächsten stotterte ich jedes Wort. Zwischen diesen Extremen lagen so viele Stufen, wie es graue Stufen draußen gab, in einer verregneten und durchnässten Welt.

Wir wissen manchmal nicht warum. Der eine braucht einen Glauben, um trotzdem weiter zu machen. Der andere zerbricht an dieser unlösbaren Frage. Ich hielt es aus. Vielleicht, weil mir der Glauben an weitere Leben fehlt und der an ein Paradies (oder eine Hölle). Es gab vielleicht nur diese eine, einzige Chance, leben zu dürfen. Das war etwas Besonderes. Etwas Schönes und Ahnungsvolles, egal wie viel Regen draußen fiel.

11/19 PGF

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