Wale die durchs Meer treiben (13)

Februar

Ab diesem Tag, trafen wir uns häufiger. Wir redeten nicht viel und gingen auch nicht erneut zusammen aus, aber die kurzen, ruhigen Begegnungen waren schön und ich wurde von Mal zu Mal sicherer was ich fühlte. Es war, wie ein Wolkenspalt durch den Sonnenlicht dringt.
Ob es dir genauso ging, konnte ich nicht einschätzen. Ich wusste nicht, ob du unsicher warst, weil du, wie ich fühltest oder einfach distanziert, weil du gar nichts in meine Richtung dachtest.
Ich entschied, dass ich darüber nicht entscheiden musste. Mir war klar was ich fühlte und ich war bereit diesem Gefühl zu folgen, egal wohin es mich bringen würde.

Es war ein schöner Monat. Ziemlich mild, mit Temperaturen von fast 10 °C. Der Himmel war an vielen Tagen blau und die Luft frisch und, wie vom Winter gereinigt. Mein altes Leben, welches so plötzlich und schmerzhaft zerbrochen war, erschien mir, wie ein fremdes Leben und ich hatte alle Mühe, diesem ungesunden Prozess der Verdrängung eine bewusste Verarbeitung entgegen zu stellen, um für die Zukunft zu lernen.
Irgendwann hatte ich verstanden, dass die meisten Menschen ihr Leben lang im gleichen Hamsterrad rennen, weil sie keine Erfahrung, lange zu betrachten, fähig sind. Sie erlebten etwas, nehmen es als gegeben hin und wundern sich Jahre später, dass ihr kleines Glück immer kleines Glück bleibt und sich ihr Elend immerfort wiederholt.
Das änderte sich, prinzipiell nicht, wenn man bewusst zu leben versucht. Auch dann gibt es Höhen und Tiefen. Was sich verändert ist, dass das Glück sich in einer großen Leidenschaft, einem Werk oder einer Wirkung vollenden kann und das Leid in ein Lernen übergeht, welches Leid von anderen abhält – weil man verstanden hat.

Während ich die kurzen Stunden am Wochenende, die frei von Pflicht waren, für Spaziergänge entlang des kleinen Flusses nutzte, der ganz in der Nähe floss, räumte ich in diesem Sinn, in meinem Herz und in meinen Gedanken auf. Das ging ganz nebenher, während ich nach dem Stand der Haselsträucher und der Brombeeren sah, die noch kein Erwachen aus dem Winterschlaf zeigten und meine Blicke über die Apfel- und Birnenbäume strichen, die ihre kahlen Äste der Sonne entgegenstreckten, damit die ihnen Blüten aus den Knospen lockte.
Ich war mit der Welt im Einklang. Es gab nichts aufzurechnen. Sie konnte nichts für meine Schmerzen und sie hinderte mich nicht an meiner Zufriedenheit.
Sehnsucht weckte nur die Frage, wie es wäre, diese Wege, mit dir an meiner Seite zu gehen.

11/19 PGF

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.