Die Hand (1)

4.52

Er nahm die Hand in seine Hand. Sie fühlte sich kalt an und weich, wie ein Ballon, aus dem die meiste Luft gewichen ist. Er betrachtete die Finger und die Nägel und fand nichts, was auf Spuren eines Kampfes hindeutete.
Es war eine kleine Hand. Sehr gut möglich, dass sie gar nicht die Kraft besaß, sich einem Kampf zu stellen. Das Handgelenk besaß noch keine Kontur, wie ein Puppenhandgelenk. Vermutlich waren die Handwurzeln, noch weit von ihrer Verknöcherung entfernt.
Der Handrücken zeigte keinen Ansatz der Fingergrundgelenke. Er nahm an, dass, wäre die Hand nicht so geschwollen, sich die typischen Grübchen einer Kinderhand zeigen würden. Aber er war kein Anatom, um dessen sicher zu sein.
Eine Röntgenaufnahme zur Altersbestimmung war unumgänglich, auch um alles andere zu erklären.
Es sah in jedem Fall nach einem Ritual aus. Er würde neben einem fähigen Anatomen, auch einen Ethnologen und Anthropologen benötigen.
Er drehte die Hand und sah sich die Handlinien an, als würde er sich im Handlesen versuchen und überprüfen, ob eine kurze Lebenslinie wirklich fatale Folgen für die Lebensdauer hatte. Es war, im Verhältnis. eine lange Linie. Also war, vom Schicksal, ein langes Leben vorgesehen, welches irgendjemand vorzeitig beendet hatte.
War das noch jemand oder war das schon etwas? Er fragte sich das immer wieder. Immer, wenn er mit solchen Taten konfrontiert war, fragte er sich, welche verborgene Hölle war in Menschen, die sie zu solchem fähig machte. Es musste eine schreckliche Hölle sein, in der solche Taten, in einem qualvollen Prozess erdacht, geplant und durchgeführt wurden.
Er nahm die Hand aus seiner und legte sie zurück.
Er hielt die Luft an. Er wartete. Keine 30 Sekunden und er verspürte das Bedürfnis weiter zu atmen. Nach weiteren 30 stieß er die angehaltene Luft, mit einem Stoß aus und sog frische ein. Es war also kein Klartraum. Reality Check? Positiv. Diese Hand in seiner war echt und es wäre vermutlich alles etwas leichter zu bestimmen gewesen, wenn sie auch den Rest des Körpers gefunden hätten.

PGF 11/19

3 Kommentare

  1. Tief gehender Text mit kleinen Schwächen.

    Beispiel: „Sie fühlte sich kalt an und weich, wie ein Ballon, aus dem die meiste Luft gewichen ist.“
    Da muss ich innehalten und nachdenken: Wie fühlt sich ein Ballon an, aus dem die meiste Lust gewichen ist? Kalt und weich… Okay, ich weiß dann was du meinst. Und wie sich diese Hand anfühlte.
    Aber der Ausdruck ist ein wenig zu konstruiert, um flüssig drüber zu lesen und intuitiv sofort zu spüren was gemeint ist.
    Nicht, dass ich es besser könnte! Eher als konstruktive Kritik gedacht. Wobei ich noch nicht mal weiß, ob es anderen an dieser Stelle genauso geht oder sie sofort wissen wie sich das anfühlt und tatsächlich flüssig drüber lesen.

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    1. Ich glaube, ich habe meine nächste Probeleserin gefunden 😉

      Zuerst mal: Vielen Dank für deine Tipps und Hinweise zu allen drei Kapiteln. Ich weiß das sehr zu schätzen und notiere mir deine Kommentare in das doc.

      Ich weiß nicht, ob du meine Beiträge „Metaebene“ zu den beiden letzten Kurzgeschichten gelesen hast.
      Die Kapitel sind jeweils auf einem sehr niedrigen Überarbeitungsgrad veröffentlicht, weil mir nach einem anspruchsvollen 8-Stunden-Arbeitstag, zu mehr die Kraft fehlt, da ist konstruktive Kritik, wie deine sehr hilfreich, für zukünftige Überarbeitungen.

      Ich wünsche dir einen schönen Abend 🙂

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      1. 😉 Ich hab schon mal eine Zeit lang ein Online-Magazin lektoriert. Einfach weil ich die herausgebende Person privat kannte, sie mir das zutraute und ich grundsätzlich gut fand was sie veröffentlichte (investigative Recherchen).

        Ok, das hat sich einfach so ergeben. Wenn du froh drum bist, umso besser.

        Nein, hab ich nicht gelesen. Oder ich weiß nicht, was du genau mit der Metaebene meinst.

        Schon klar, dass nach einem „normalen“ Arbeitstag die Energiereserven verbraucht sind. Alles zu seiner Zeit. Es soll Freude dabei sein und nicht nur aus selbst gemachtem Druck erwachsen.

        Dir auch einen schönen Abend 🙂

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