Die Hand (2)

5.19

„Na? Was entdeckt?“
Er drehte den Kopf und sah über sich Ryan, der ihn mit seinen grasgrünen Augen aufmerksam beobachtete.
Dass die Augen des Ermittlers grün waren, konnte er nicht sehen, dafür war es zu dunkel. Er wusste, dass sie grün waren, weil er noch nie zuvor einen Menschen, mit solchen Augen, gesehen hatte. Man vergaß diese Augen nicht wieder.
Jetzt war Ryans Gesicht, im Licht der Scheinwerfer, die den Tatort erhellten, nur in Umrissen zu sehen.
Hinter seinem Kopf zogen dichte Wolken, vor einem hellstrahlenden Vollmond vorüber.
Ein Dezembervollmond. Es war sehr kalt und es war viel zu früh, für den Dienstbeginn.
„Nein, ich habe nichts entdeckt, was für den Moment etwas beantwortet. Eine Kinderhand, würde ich sagen und einen Ritualmord vermuten.“
„Könnte es auch ein Tier gewesen sein?“
„Ein Tier war es, in irgendeinem Sinn.“
„Ich meinte“.
„Ich weiß schon was sie meinen.“
Er stand auf, um nicht länger den Kopf, in dieser unangenehmen Drehung zu halten. Er fühlte sich wohler, mit Ryan auf Augenhöhe sein.
Der schüttelte den Kopf.
„Ich meinte nicht“, erklärte der beharrlich, „dass Tiere zu so etwas in der Lage sind. Ich meinte eher, dass der Leichnam verschleppt wurde. Oder ist das nicht möglich, Tate?“
„Sehen Sie Schleifspuren?“
Ryans Blick glitt suchend über den Boden. Die Halme der Wiese zeigten nur die Fußabdrücke der Ermittler vor Ort.
„Nicht wirklich. Glauben Sie, wir kriegen ihn?“
„Ihn oder sie.“
„Oder so. Wenn es ein Ritual war … Hauptsache wir stoppen sie.“
„Und, wenn schon? Hört es dann auf?“
„Mann Tate! Sie sind heute aber drauf.“
„Ist wahrscheinlich der Vollmond.“
Er sah an Ryan vorbei hinauf zum Mond. Der blickte herab, kühl, fragend, ein Rätsel aus reflektiertem Licht.
„Ist er nicht unwirklich?“
„Was meinen Sie, Tate?“
„Der Mond, wenn ich ihn ansehe, denke ich immer, ich müsste nur klüger sein, um zu verstehen was er bedeutet.“
Jetzt blickten Sie beide zum Mond.
„Ja, Sie haben recht, wenn ich ihn länger betrachte, wird mir auch immer unheimlich zu Mute.“
„Als würde er einen verwandeln.“
„In einen Werwolf?“
Tate lachte knapp.
„Nein, in ein Geschöpf, dass begreift, das es in dieser gottverfluchten Einsamkeit völlig verloren ist.“

11/19 PGF

Ein Kommentar

  1. Auch hier der Versuch konstruktiver Kritik, wobei ich die Geschichte grundsätzlich mag, sie macht mich neugierig und lässt mich fragen: Was passiert weiter…? Was von der Basis her gut ist.

    Zitat: „Er drehte den Kopf und sah über sich Ryan“
    Idee: “ Er HOB den Kopf und sah über sich Ryan“?
    Beim Drehen stelle ich mir eine Drehung zur Seite vor.

    Und eine Kleinigkeit im letzten Satz, das Verwechseln von das / dass:
    „Nein, in ein Geschöpf, DAS begreift, DASS es in dieser gottverfluchten Einsamkeit völlig verloren ist.““

    Davon abgesehen recht gut.
    Für mich beherbergt der Vollmond zwar kein Rätsel, eher im Gegenteil, er beleuchtet Tiefen, wenn man es zulässt, aus meiner Wahrnehmung. Aber das ist Geschmackssache. Ich verstehe hier beim Lesen durchaus was gemeint ist und wie sich diese beiden Personen dabei fühlen. Das ist die Hauptsache.

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