Die Hand (11)

21.23

Nach der Mediation beschloss er, ehe er seiner Eingebung nachging, erst etwas zu essen. Der letzte Snack lag drei Stunden zurück. Er achtete darauf, vor der Meditation zumindest zwei Stunden nichts zu essen.
Er dünstete etwas Heilbutt in Weißwein und gab eine Fingerspitze Dill hinzu. Als Beilage entschied er sich für Basmatireis, dem er der Farbe wegen, etwas Safran beifügte.
Tate aß die Portion, die knapp einen Teller füllte, bei einem Mix aus klassischen Klavierstücken und dachte über die Idee nach, die ihm während der Meditation gekommen war. Begriffen hatte er sie, erst im Aufstehen, aber entstanden, davon war er überzeugt, war sie, während sein Gehirn zwischen wechselnden Frequenzen seine Schwingung suchte.
War es schlimm, wenn es so war, wie es ihm, mit dieser Idee, für möglich schien? Eigentlich nicht. Aber er war noch nicht müde genug es zu erfahren. Für Jung hatte es keine Unterschiede gegeben, für Jung war das eine so real, wie das andere, war nichts wirklicher, nichts trennbar. So, wie die Welt ja auch nicht anderes war, nur weil sie sich manchmal im Sonnenlicht und manchmal außerhalb davon befand.
Vielleicht war es die gleiche Illusion, die lange dazu geführt hatte, dass man die Sonne im Umlauf um die Erde dachte, statt die Sonne unverrückbar zu wissen und die Erde, im kosmischen Flug zu verstehen. Warum hatten sich dagegen, die Menschen früher gewehrt? Weil es erschreckend war, zu begreifen, dass man durch die Weiten des Kosmos stürzte und hoffen musste, dass die Fliehkräfte einem in der Bahn hielten. Weil es schrecklich war zu glauben, man stünde auf festem Grund, aber der feste Grund raste durch die Dunkelheit, ohne dass man umher gewirbelt wurde. Aber was hielt einem fest?
Jetzt war er wirklich neugierig geworden.
Er aß schnell zu Ende und ging zu seinem Laptop.
Er klappte den Bildschirm hoch, weckte das Gerät aus dem Standby und loggte sich ein. Er startete die Suchmaschine und gab den Namen Krieger ein. Tate fand einen Robby Krieger, Gitarrist der „Doors“, aber einen Eduard Krieger, Anthropologen fand er nicht.
Frazer fand er. Der war auch Ethnologe, aber seit fast 70 Jahren tot. Er hatte ein Buch veröffentlicht: „Der goldene Zweig“. Stellen daraus, hatten die „Doors“ beeinflusst.
War das real gewesen? Hatte er, heute Morgen im Auto, wirklich „Riders on the storm“ gehört? War er Susan begegnet? Hatten sie sich auf halber Treppe gegenübergestanden? Was war zwischen diesem Moment und dem Augenblick geschehen, als ihm der Campher in die Nase zog?
Er lehnte sich in den Stuhl zurück und während er sich die Augen rieb, dachte er an das Gesicht, in seinem Traum am Mittag. Das blasse Gesicht mir den verschmierten Wangen und den Erdklumpen in den Augen. Er hörte auf seine Augen zu reiben und sah auf seine Fingerknöchel, aber da war nichts. Sauber, vielleicht etwas feucht von Tränenflüssigkeit.
Es war Zeit sich schlafen zu legen. Wahrscheinlich war er einfach nur müde.
Tate ging in sein Schlafzimmer, schlug die Decken zurück, richtete sein Kopfkissen und befahl Alexa: „Spiele Silent Lucidity“.
Alexa bestätigte.
Und der Sänger von Queensryche intonierte mit warmer Stimme:
„Hush now, don’t you cry
Wipe away the teardrop from your eye
You’re lying safe in bed
It was all a bad dream
Spinning in your head
Your mind tricked you to feel the pain.“
Tate löschte das Licht und legte sich schlafen.

11/19 PGF

Quelle Liedtext: Musixmatch

2 Kommentare

    1. Das ist aber mal ganz extrem lieb 🙂 das Zeitproblem teile ich gerade man kommt nicht immer zu dem was einem eigentlich wichtig ist oder nicht im richtigen Umfang.
      Nun, ein Kapitel fehlt noch und dann ist sie im Ganzen zu lesen. Ich habe auch schon erste Rückmeldungen, dass mancher die Geschichte lieber abgeschlossen vor sich hat.
      Ich wünsch dir ein schönes Wochenende
      Peter

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