Druck und Druck

Als ich die beiden letzten Geschichten, mehr oder weniger live, veröffentlicht habe, war es ein wenig Spiel und ein wenig Abenteuer und der Druck, jeden Abend die Handlung aufzunehmen, um eine Fortsetzung zu finden, war positiv und nur zum Ende hin – dann wenn man Gefahr läuft den Kreis nicht zu schließen, den Sinn eines Textes, an eine Absurdität zu verlieren, die man als Kunst verkaufen kann, die sich aber ewig hohl anfühlt – geriet ich etwas unter Druck, wenn die Müdigkeit des Tages, auf die Ideenlosigkeit des Abends traf.
Aber, weil ich diese Empfindung nicht ernstnahm, weil ich mir bewusst machte, wie bedeutungslos es ist, ob ich diese Geschichte nun beende oder nicht, wurde ich wieder leicht und fand die Wendung die mir passend schien.

Es gibt aber auch andere Zeiten, in denen wird man das Gefühl nicht los, dass es „um etwas geht“ und, auch, wenn man sich in einem Zug nihilistischer Erkenntnis klar wird, dass es nie um etwas geht, kann man trotzdem dieses Gefühl nicht loswerden und sieht im Scheitern, ein persönliches Desaster.
Dann darf man, keine Zeile öffentlich machen. Egal, ob man schreibt oder nicht.
Der Druck, der einem, im ersten Zustand, hebt, drückt nun zu Boden. Es entsteht eine Art literarischer Klaustrophobie, die einem im wahrsten Sinn, die Sprache verschlägt.

Vermutlich gibt es Autoren, die leben immer nur auf, wenn die Benchmark erfüllt und das Setzdatum eingehalten werden muss, die nicht genug Öffentlichkeit absorbieren können, um aufgeheizt, sich an den nächsten Text zu setzen. Wie es auch die gibt, die ein kritischer Blick, ein kritisches Wort, für immer zum Verstummen bringt und die deshalb, lieber in völliger Abgeschiedenheit, ihre Texte vollendet hätte, bis sie unangreifbar sind.

Die anderen changieren, was man ihnen nicht immer verzeiht, weil sie nicht „auf Knopfdruck liefern“ oder sich „Makel“ zugestehen. Aber zuletzt bleiben sie Mensch und menschenfreundlich, weil der Druck sie nicht, wie Blätter durch die Welt treibt, sondern ihnen durch die Äste rauscht, ohne, dass der Stamm sich deshalb neigen würde.
Es ist kein Werk wert, dass man aufhört, sich zu bewahren.

PGF

8 Kommentare

  1. Großartige Zeilen 👍🏼 Sie gefallen mir sehr. Vor allem aber der letzte Satz, der es hervorragend auf den Punkt bringt.

    Ich würde ihn sogar gerne in einen größeren Kontext setzen, weil er für mich so wahr, ehrlich, wichtig und richtig ist: Es ist kein Werk wert, dass man aufhört, sich zu bewahren.

    Sei es ein literarisches Werk, ein musikalisches oder sonstwie geartetes künstlerisches, ein handwerkliches oder ein rein geistiges. Es ist kein Werk wert, dass man dafür aufhören würde sich zu bewahren!

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    1. Danke für deine Rückmeldung.
      Bei Künstlern gehört schon lange zum guten Ton, was man an der Leistungsgesellschaft zu recht kritisiert.
      J. Cash beschreibt das, viel tiefgehender in „Hurt“.

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