Leben im Land der Geister (8)

8.

Ich fühle mich wohl, am Rand der Welt und ganz vergessen, von dieser zu lauten Menschenart.
Ich würde nur gerne etwas hinterlassen, was die tröstet die scheitern, an dieser Welt und denken, sie würden etwas falsch machen. In dieser falschen Welt kann man nichts richtig machen!
Manchmal denke ich, das ist das Grenzland, zwischen dem Land der Lebenden und dem der Geister und, wenn ich nur wagen würde in die Dörfer zu gehen und den See zu überqueren und die Berge zu besteigen, dann würde ich auf der anderen Seite der Berge, im Land der Lebenden ankommen, das bunt und duftend und voller Licht und Wohlklang ist.
Es wäre nicht, wie die Dörfer sind: eng in den Hütten und Köpfen. Es wäre aber auch nicht, wie es hier zwischen Wald und Nebel ist: still und schwebend. Es wäre warm, wie ein Feuer im Kamin, klug, wie ein Berg, nährend, wie ein Fluss und rein, wie Morgenluft. Die Menschen dort lachen und reden und, wenn sie reden entsteht jedes Mal etwas Neues und Gutes, das allen hilft und ihr Leben besser macht. Miteinander würden sie leben diese Menschen, weil sie wissen, dass sie nacheinander auch wieder abtreten müssen von dieser Welt, deren Glück davon abhängt, ob sie sich Liebe schenken. Aber ich werde es nie erfahren, ob es diese Welt dort gibt, weil ich hier, im Land der Geister sicher bin, fern den Städten, fern dem Lärm.
Wenn ich Glück habe, dann ist es, mit dem Mensch, wie mit dem Schmetterling und, wie dort der schöne Falter sich aus der hässlichen Larve entwickelt, entwickelt sich im Menschen der Geist. Er ist nicht in ihm, wenn er geboren wird, sondern wächst dort heran und der Leib ist nur die Hülle, für dieses Werden und Umwandeln und, wenn der Mensch stirbt, wird er erst geboren und streift die Leiblichkeit ab und wandelt, verstehender, wissender durch die Welt und redet mit den Elementen und Steinen und Pflanzen und Tieren in ihrer Sprache, befreit von diesem Körper der Krieg führt, aus Sehnsucht nach Sattheit und Sicherheit.
Von diesem Leben im Richtigen, träume ich manchmal, wenn auf den Nebel der Schnee folgt und so viel davon fällt, dass ich aus meiner Hütte kaum mehr einen Weg bahnen kann und mein Dach so voll liegt, dass mir der schmelzende Schnee in die Hütte tropft, wenn das Riedgras unter dem Druck nachzugeben droht. Dann bin ich froh, um das Holz das mich warm hält, meine Essensvorräte in der Kammer, die Minze die ich mir mit Wasser aufkoche und den Kater, der nicht von meiner Seite weicht, ehe es taut und wir die Hütte wieder verlassen, wie ein Kind den Mutterleib: unberührt, wie eine Schneelandschaft in die noch kein Fuß gesetzt wurde, rein, wie die Luft, die man am Morgen atmet, voller Neugierde auf diese Welt, die man ab diesem Moment, neu zu entdecken beginnt.

Ende

18 Kommentare

  1. … eigentlich ging mein kommentar noch weiter, aber der ist irgendwo verschluckt worden… 🤨
    eine wundervolle erzählung ist dir hier gelungen, die kraft und ruhe ausstrahlt.
    ich würde echt gern noch mehr davon lesen!
    liebe grüße von begeisterter d.

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    1. Vielen lieben Dank und ich gebe gerne zu, dass es schön war, sie zu erzählen.

      Ich bin, mit dem Ort, an dem ich leben darf, durchaus beschenkt, denn er macht es möglich, solche Stimmungen und Eindrücke einzufangen.

      Wenn ich nochmals Zugang habe, zu dieser Stimmung und die Geschichte aus der Schublade nehme und sie forterzähle, werde ich gerne dich zu erst informieren 🙂

      Danke liebe D und hab einen schönen Abend
      Pe

      Gefällt 2 Personen

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  2. Ein nicht minder verzaubernder Text wie der vorhergehende. Er ist wunderbar zu lesen. Er fühlt sich an wie kein Wort zu viel und keines zu wenig. Jedes Wort steht da wo es soll, um etwas Rundes zu erzählen. Der Leser kann gar nicht anders, als mit getragen und tief bewegt zu werden. Davon lohnt es unbedingt mehr zu schreiben und gelesen zu werden 👍🏼

    Gefällt 4 Personen

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    1. Liebe Marion, ich danke dir sehr für deine sehr geschätzte Rückmeldung.
      Profitiert hat der Text sicher davon, nicht am Abend, geschrieben worden zu sein, sondern entspannt über einige Tage.
      Mal sehen, im Moment habe ich das Gefühl, die Geschichte ist nur stimmig, schlicht wie sie ist.
      Schönen Abend 🙂

      Gefällt 2 Personen

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      1. Also lass dir Zeit, die Geschichte(n), die erzählt werden wollen, in aller Ruhe aufs Papier (in den Computer) zu bringen. „Gut Ding will Weile haben“ ist noch immer gültig. Je entspannter du beim Schreiben bist, umso klarer kommt der Inhalt daher, könnte ich mir vorstellen. Ich freu mich auf das, was entsteht, wann immer es für dich passt.

        Gefällt 1 Person

  3. Ich schließe mich den Vorgängerinnen gern an. Wunderbar und berührend erzählt, ganz nach meinem Geschmack. Solche Stimmungen wahrzunehmen und dann noch so gelungen auszudrücken, ruft tatsächlich nach mehr…🙂
    Liebe Abendgrüße Ariana

    Gefällt 2 Personen

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    1. Vielen, lieben Dank lieber Lu.
      Freut mich sehr, auch, weil ich so eine Ahnung hatte, dass dir die Geschichte liegt.
      Schön, dass wir uns in den Weiten des Netzes lesend und schreibend gefunden haben 🙂
      Einen schönen Abend
      wünscht dir vom See
      Pe

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