Paddel (13)

13. Der Deal im Darknet

Nach Stunden schafften wir es ins Darknet. Und dort, nach nicht ganz so langer Zeit, auf die Seiten, in die Foren und zu den Kontakten, die wir für den Absatz unseres weißen Goldes benötigten.
Wenn ich im Laden von Orlowski bereits das Gefühl hatte an die Grenzen menschlicher Lüste und Abgründe zu geraten, hatte ich mit den Seiten auf denen wir jetzt surften, das Tor zur Hölle aufgestoßen. Wir trafen auf Seiten mit Bildern bei denen sogar Karla kurz die Spucke wegblieb und bei denen der Satz: „Ist das wirklich das, wofür ich es halte, was da in ihm steckt“, noch der harmloseste war.
Es wurden Handlungen, Waren und Fetische angeboten, bei denen Karla sich irgendwann angewidert abwandte.
„Ich dachte“, sagte sie nach einer Weile, „die Polizei hätte auf den Straßen weitgehend die Kontrolle verloren, wenn jemand wie Oleg tun und lassen kann was er will. Aber das, das ist ja noch viel schlimmer, warum kann man das nicht verbieten?“
„Weil wir ein freies Land sind.“
„Aber das hat doch nichts mit Freiheit zu tun“, empörte sie sich, wenn man Bilder von Kindern – ach das ist widerlich. Dafür müsste man die Todesstrafe einführen.“
Ich nickte kommentarlos und fand tatsächlich, dass unsere 5 Kilo Kokain ein albernes Kavaliersdelikt waren, verglichen mit dem, was hier jedem zugänglich war. Es war schwer zu ertragen.
Zu unserer Erleichterung fand ich schließlich eine Seite, die entfernt an Ebay erinnerte. Dort konnten wir unsere Ware unter „Kampfer mit erweiterter Wirkung“ platzieren und ein erstes Angebot setzen.
„50000.“ Schlug ich vor und machte mir bewusst, dass ich soviel Geld noch nie im Leben gesehen hatte.
„100000.“ Legte Karla fest und ich sah ihr an, sie würde nicht verhandeln.
Ich gab die Zahlen ein und alle zusätzlichen Angaben und bestätigte das Angebot.
Vermutlich würden wir einige Tage warten müssen. Aber die Unterkunft die Karla entdeckt hatte, war wunderschön und wir konnten beim Frühstück jeden Morgen aufs Meer sehen. Es war nicht weit –
„Bling!“
Ein erstes Angebot war eingegangen. Zeitgleich öffnete sich ein kleines Chat-Fenster, über dem stand: „Der Kunde hätte noch eine Frage.“
Ich rief Karla, die sich einen Tee hatte zubereiten wollen.
„Wie hoch“, wollte sie wissen, während sie näher kam.
„100000.“
„Keinen Euro mehr?“
„Nein.“
„Öffne den Chat.“
„Bist du sicher?“
Ihr warnender Blick sagte ja.
Ich öffnete den Chat und schrieb:
„Sie haben eine Frage?“
„Wir rein ist das Zeug?“
„Schreib 80%.“
Ich gab die Zahlen ein.
„Schreib: wir wollten eigentlich 250000.“
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“
Ihr Blick wiederum sagte ja.
Die Antwort dauerte einen Moment.
„Am Preis ist nix zu machen. Wir haben in Hamburg gerade ne Schwemme. 10 Tonnen die gefunden wurden. Da kannst du dir denken, wie viel real im Umlauf ist. Die Preise sind im Keller. Wenn ich was verdienen will, ist das mein Preis.“
Ich sah Karla an. Unsere Chat-Punkte blinkten.
Ich wurde ungeduldig.
„Schreib: Wie soll das ablaufen?“
Ich schrieb.
Unser Kontakt antwortete: „Ich überweise euch das Geld auf ein Paypal-Konto. Ihr schickt mir die Ware per Kurier. Es gibt ein Fahrernetz, dass für so etwas geeignet ist. Der Fahrer sendet mir eine Bestätigung, wenn er das Paket hat und ihr lasst ihn losfahren, wenn auf eurem Konto der Geldeingang bestätigt ist.“
Top organisiert, dachte ich.
„Was soll ich schreiben?“
Karla kaute sich nervös auf der Unterlippe herum, was sie sexy aussehen ließ. Ich nahm an, für ein Kompliment war es der falsche Moment.
„Haben wir ein Paypal-Konto?“
„Kann ich einrichten.“
Sie presste die Arme gegen den Körper und brummte: „Dann mach!“
„Okay, das klingt gut“, schrieb ich, „richte kurz noch ein Paypal ein und melde mich dann.“
„Ja, lass mich nicht warten.“
Das tat ich nicht. Kurz darauf kam die Nachricht:
„Der Kurier ist jetzt unterwegs. Ihr trefft ihn im Gasthaus „Hülsenkrug“, am Fährhafen von Sassnitz.“
Karla starrte auf mein Display und nickte angespannt.
Dann ging sie zu der Tasche mit dem Kokain, nahm das Geld aus den Seitentaschen und öffnete die Haupttasche.
Die Beutel ließ sie drin, dafür hatte sie plötzlich eine Pistole in der Hand.
„Ich hoffe, der macht keinen Fehler.“

01/20 PGF

6 Kommentare

  1. Puh, auch wenn ich die Wendung vom Laden auf die Straße nicht mitmachen wollte, muss ich gestehen, dass mich die Spannung packt, die sich weiter entwickelt hat und jetzt relativ hoch steht 👍😀

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