Paddel (16)

16. Aber Schweigen … sehr mysteriös

Karla schlief auf der Rückbank.
„Also bist du verliebt in sie?“ Fragte Heinrich, viel zu laut für meinen Geschmack. Ich hoffte Miles Davis, der uns aus den Boxen antrötete war laut genug. Trotzdem warf ich einen kurzen Blick nach hinten. Karla reagierte nicht.
„Ja ein wenig.“ Flüsterte ich. „Aber ich weiß nicht.“
Heinrich prüfte mich abschätzig mit seinem Blick.
„Was heißt: aber ich weiß nicht.“
Ich wusste nicht was er wollte.
„Na! Was ich sage: Ich bin nicht sicher, ob sie die richtige Frau für mich wäre.“
„Ist!“
„Wäre.“
„So wird das nichts. Du musst wollen. Stimmt denn dein Bauchgefühl.“
„Ja.“
„Du magst ihren Duft.“
Ich sah wieder zurück. Sie schlief.
„Sehr.“
„Du findest sie aufregend und ihr geht es in deiner Nähe deutlich besser.“
Ich schwankte kurz wollte „schon irgendwie“, sagen, aber entschied mich für: „Ja!“
„Und ihr habt gleiche Interessen? Ich meine außer denen im Sexshop.“
Ich stockte kurz. Eigentlich hatten wir noch gar keine Zeit gehabt unsere Interessen abzugleichen. Wir hatten aber sicher den gleichen Ärger.
„Dafür kennen wir uns noch nicht lange genug.“
„Aber ihr reist schon gemeinsam.“
„Joa.“ Sagte ich und verschluckte: „Wir fliehen zusammen.“
„Da ist was Schönes, zwischen euch. Ich weiß nicht, ob es euch gut tun wird. Bei meinen Paaren, wenn ich das Gefühl habe, sie sollten sich nicht trennen, sage ich manchmal: Ihre Beziehung ist wie ein gutes Möbelstück: man nimmt es manchmal gar nicht wahr und manchmal findet man es hässlich, aber, wenn man es braucht, steht es am richtigen Platz. Das Gefühl habe ich bei euch beiden.“
Das schien mir jetzt doch etwas weit gefasst.
Ich schielte nochmals nach hinten.
„Davon merke ich aber nicht immer etwas.“
Heinrich presste den Kopf, an die Kopfstütze.
„Das wirst du auch nicht, solange du ihr keine Sicherheit gibst.“
„Aber sie will doch“.
„Sie testet dich.“
„Aber ich bin kein Experiment.“
„Das ist Biologie, nimm doch nicht alles so ernst.“
„Das sagt Karla -hmm, ich meine Klara auch.“
„Dann hat sie recht. Es ist ein Spiel. Am Anfang ist es ein Spiel und, wenn es später schön werden soll, muss es am Anfang getestet werden. Wie alte Holzbrücken, auf die man nicht einfach drauf marschiert. Man prüft sie.“
Ich dachte darüber nach. Ich fühlte das Heinrich recht hatte, wehrte mich aber, gegen die Rollenklischees die das beinhaltete.
„Aber man kann sich auch einfach gernhaben.“
„Wer?“ Kam es von der Rückbank.
Ich blickte, soweit es der Winkel des Rückspiegels zu ließ nach hinten und sah, Klara aufrecht auf der Rückbank sitzen. Im roten Rücklicht des Fahrzeugs vor uns wirkte sie kurz, wie ein Psychopath aus einem Stephen-King-Roman.
„Ihr beiden.“ Sagte Heinrich und lachte vergnügt.
Karla schwieg und ich hätte ihr gerne dabei in die Augen gesehen. Schweigen war in diesem Moment, am geheimnisvollsten. Spott oder Zustimmung oder ein kurzes, sachliches Statement hätten das Tor zur Spekulation geöffnet. Aber Schweigen … sehr mysteriös.
Bis zum Ziel sprachen wir nichts mehr. Miles Davis putzte uns die Ohren und jeder hing seinen Gedanken nach.
Im Morgengrauen erreichten wir Bremerhaven. Heinrich setzt uns, am Fährhafen ab und wünschte uns viel Erfolg.
Ich bedankte mich, die H&M-Tüte von Karla in der Hand und ein Herz voller Fragen.
„Viel weiter sind wir jetzt auch nicht.“ Meinte Karla und sah sich um.

01/20 PGF

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