Paddel (18)

18. Liebe ist vielleicht nicht mehr

„Wo willst du denn hin?“ Karla hatte sich keine zehn Meter von mir ziehen lassen.
„Ich glaube“, begann ich und stoppte mich. Ich blickte ihr fest in die Augen und dachte, so jetzt heißt es alles oder nichts!
Ich sammelte mich und fing neu an.
„Ich will mit dir Polarlichter sehen. Ich habe da kürzlich ne Doku gesehen. Danach habe ich mir gewünscht, dass einmal im Leben zu sehen und ich möchte die Lichter zusammen mit dir sehen.“
„Was sind das für Lichter?“ Sie kniff die Augen zusammen, weil es sie ärgerte, dass sie nicht wusste, was sie sich vorstellen musste.
Ich holte mein Handy raus und startete Youtube. Ich wählte ein x-beliebiges Video.
Sie betrachtete es erst ohne großes Interesse, aber je faszinierender die Landschaften wurden und je kräftiger die Farben über die Himmel wehten, desto näher zog sie meine Hand zu sich, um das Video besser sehen zu können.
„Das ist aber schön.“ Sagte sie schlicht.
„Ich habe mich damals informiert. Von Berlin wäre ein Direktflug möglich gewesen. Aber wir könnten auch von hier nach Amsterdam. Von dort mit der Fähre nach Schottland und dann hoch, nach Norwegen oder Island.“
Ich wurde unsicher.
„Mit dem Geld. Mit deinem Geld, könnten wir uns was aufbauen.“
Sie rückte ein Stück näher zu mir.
„Das klingt schön. Aber was sollen wir denn aufbauen?“ Sie sah verzweifelt aus. „Ich kann doch nix, außer verführen und die Beine breit machen. Und du?“
„Rede nichts so.“ Ich sah sie wütend an.
„Wir können beide was, wir haben es nur noch nicht herausgefunden. Wir müssen ja erstmal nichts als überleben und das haben wir die letzten Tage ganz gut hinbekommen.“
„Und die Grenzen?“
„Offene Grenzen und kein Kokain.“ Ich packte das Handy weg. „Aber wir können auch aufgeben. Ich habe die Tage nur von dir gelernt, dass man das nicht tun soll!“
Ich sah ihr wieder in die Augen.
„Weißt du, Liebe ist vielleicht nicht mehr, als ein Traum den man teilt.“
Sie küsste mich, es war ein kurzer, zarter Kuss, aber wunderschön. Ich wusste, dass ich jetzt vermutlich verloren war.
„Alles okay?“ Sie sah mir prüfend in die Augen.
„Ja, ja“, stammelte ich. „Das war schön, nur viel zu kurz, um es zu genießen.
Karlas Augen strahlten mich an.
„Das kann man ja bei Gelegenheit wiederholen.“
„Wäre schön.“
Ich lächelte sie an und dachte an den ersten Moment, als sie im „Lovestory“ aufgetaucht war. Mit dem was dann kam, hatte ich nicht gerechnet.
Sie warf mir einen flüchtigen Blick zu.
„Aber, jetzt brauchen wir erstmal Tickets nach Amsterdam und für dich auch mal ein paar passende Klamotten.“
Ich genoss, wie sie wieder Mut fasste. Sie besaß eine wilde, wunderschöne Lebendigkeit.
„Sollen wir los?“
„Ja“, sage ich knapp.
Sie beugte sich zu mir und küsste mich noch einmal kurz. „Zum Überbrücken bis später. Komm!“
Ich hielt Schritt. Mein Kopf war voller Musik. Etwas wie Rock, so ‚en Sound, wie bei U2 oder Aerosmith, einer der zum Abspann eines Road-Movies passte. Ich wippte mit dem Kopf und spürte die zunehmende Aufregung die sich in meinem Bauch ausbreitete. Alles war ungewiss. Aber eh! Alles würde gut werden!

Ende

01/20 PGF

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