Der Ausbruch (12)

12.

Das Innere der Hütte war verraucht und durchsetzt mit den Gerüchen von Essen und Holzfeuer. Die Decke war niedrig, was Gunnar buckelig machte. Von draußen kam kaum Licht nach drinnen, weil die Fenster zu klein waren, es herein zu lassen.
Das Licht im Raum, spendeten drei Öllampen die unruhig flackerten, als wir hereinkamen und dann wieder, wie ein müdes Lied vor sich hin brannten.
Neben der Feuerstelle, auf der die Suppe, von der Gunnar gesprochen hatte, köchelte, stand ein Tisch mit einem Stuhl. Das Geschirr, dass es gab, stand auf dem Tisch. Gunnar hatte für drei gedeckt.
Gegenüber der Feuerstelle war, auf dem Boden ein freier Platz. Ich nahm an, dass dies die Schlafstelle war. Für einen ausreichend, für uns drei würde es eng werden.
Mit Gunnar allein, wäre mir das Herz schwer geworden. Aber Aslaugs Gegenwart machte den Raum gemütlich, beinah wohnlich und ihre Stimme heiterte die Atmosphäre auf.
„Soll ich dir noch was helfen?“ Wollte sie wissen.
Der massige Fährmann schüttelte den großen Kopf.
„Nein. Lass.“
Als wir saßen trug Gunnar den Topf zum Tisch und stellte ihn zwischen unsere Schüsseln auf ein Holzbrett. Im Topf schwammen halbe Fische, mit Zwiebelringen und Kartoffelstücken. Die Fischköpfe sahen mich vorwurfsvoll an, aber mein Hunger war zu groß, um mir das zu Herzen zu nehmen. Das Knurren meines Magens, vertrieb den Ekel aus meinem Kopf.
Unser Gastgeber nahm eine Schöpfe und goss jedem von uns, zwei Kellen in die Schüssel.
„Danke“: sagte ich und warf Gunnar ein Lächeln zu.
Er nickte, brummte und begann zu essen. Er aß sehr schnell. Ich war noch nicht mal bei der Hälfte und fragte mich, welche Teile der gekochten Fische ich würde essen können, als er seine Schüssel beiseiteschob.
„Hat er die Münze?“ Gunnar fragte Aslaug, mich sah er nur flüchtig an.
„Ich gab ihm eine, während er schlief, sei unbesorgt.“
Ich legte meinen Löffel ab.
„Was?“
Aslaug legte ihre Hand auf meinen Unterarm.
„Warte! Das erkläre ich dir später.“
„Aber er sollte den Obolus selbst erbringen.“ Gunnar sah Aslaug mahnend an.
Sie hielt seinem Blick stand, weich, wie eine Birke, die dem Wind nicht trotzt.
„Er hat den Obolus erbracht. Ich habe ihn entgegengenommen und ihm dafür die Münze geschenkt.“
„Und was war der? Was hat er getan, was ihm bezahlt werden kann, damit er mich bezahlen kann“
„Er hat mir vertraut.“
„Aber!“
„Nein, Gunnar, du kennst die Regel, wer der Bestimmung folgt, wählt nie das Leichtere, nie das Bequemere, sondern immer nur die Wahrheit. An diesem Tag, in dieser Stunde, wäre es leicht für ihn gewesen mich zu täuschen und mich loszuwerden. Aber er entschied sich dafür, mir zu vertrauen, weil er wusste, dass es das Richtige war.“
Ich nickte stumm. Denn tatsächlich hatte sich alles in mir dagegen gewehrt, mit Aslaug weiterzuziehen. Meiner Erfahrung hatte: „Misstraue!“ gefordert, aber mein Herz das Gegenteil bestimmt.
„Dann wird er ihn Morgen entrichten?“
„Wenn wir an das Gestade treten, wird er zahlen und du wirst die Überfahrt durchführen.“
Gunnar nickte, wie ein alter Bär, der vom Honig ablassen muss.
Entgegen ihrer Ankündigung, erklärte mir Aslaug später nicht, was es mit der Münze auf sich hatte und wann sie sie, mir zugesteckt hatte.
Wir aßen auf und legte uns schlafen.
Ich hörte das Meer draußen gegen die Küste schlagen und um die Hütte pfiff ein grimmiger Sturm. Ich fragte mich, was es mit der Münze auf sich hatte, aber ich kam nicht weit. Mein Bewusstsein löste sich von meiner Kontrolle und glitt hinaus ins Unbewusste und mein Körper verlor sein Sein.

02/20 PGF

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