Supernova (6)

Wie stand es um die Liebe? Ja, wie stand es um sie, die ewig Missverstandene … Sie gewann eine verlorene Nuance zurück: das Wissen um ihre Flüchtigkeit, das Bewusstsein für die Zeit, für das Wehen und vergänglich Sein. Lange hatte die Menschen in Konzepten der Liebe gelebt: der Monogamie, der Polygamie, der Genderneutralität, der Patchworkfamilie, der Polyamorie. Sie hatten sich in diese Konzepte hineingedacht, lebten monogam, weil sie dazu erzogen waren oder polygam, weil sie gegen ihre Erziehung revoltierten. Das war aber nur möglich, weil sie verschwenderisch mit der Zeit umgingen, weil sie glaubten, die Objekte, mit denen sie ihre Ideen, lebten seien keine Menschen fragil oder verletzlich, sondern immer da. Frühere Zeiten hatten das nicht gekannt. Kriege drohten, Krankheit drohte, schlechten Ernten drohten. Man verliebte sich und dann hielt man zusammen, weil man wusste, wie gefährlich die Welt sein konnte. Aber dann war eine Zeit gekommen, in der man die anderen nicht brauchte, weil es für alles eine Versicherung gab, weil alles abgesegnet war. Also übertrugen Menschen ihre Lebensträume auf andere und, wenn sie glaubten sie wurden erfüllt, dann verliebten sie sich. Wenn sie dieses Verliebtsein frustrierte dann trennten sie sich. Wenn sie Kinder für etwas wundervolles hielten kamen sie zusammen und, wenn sie merkten, dass Kinder ihr Leben in eine Pflicht verwandelten, dann gingen sie wieder auseinander.
Supernova veränderte dies. Bindung, Familie gewann wieder Gewicht, nicht im romantischen Sinn, es ging nicht um Schmetterlinge im Bauch, es ging um Vertrauen und Verlässlichkeit.
Aber gab es keine Schmetterlinge mehr? Natürlich gab es sie, nur sie waren viel lebendiger. Wenn zwei sich fühlten, wenn sie sich anzogen, verloren sie keine Zeit zu rätseln und zu verstecken was sie fühlten, weil der Virus so schnell, den einen wie den anderen dahinraffen konnte. Auch jetzt gab es noch die, die jede Gelegenheit nutzen, sich durch andere zu befriedigen. Es gab die apokalyptische Orgie, der niemals Satten, aber die gab es in allen Zeiten. Nur die Zarteren, die veränderten sich, die trauten sich zu leben was sie fühlten, wenn sie sich begegneten, weil sie wussten, wie bedroht der Zauber einer Begegnung war.
Es war keine Zeit, ein Konzept zu leben, es war nur Zeit Schicksal zu fühlen, sich ihm zu überlassen, es zu erfüllen, mit allem Wohl und Weh, das damit verbunden war.
Auch ich tat das.

03/20 PGF

10 Kommentare

  1. Die Zartheit der Liebe, ihre Flüchtigkeit passt in kein korsettiges Konzept, Wir aber wollen sie fassen, begreifen und haltbar machen. Besonders in überflüssigen Zeiten, da alles käuflich erscheint ~~~~~~~~~~~

    Wertester, eine neue spannende Zustandsbeschreibung tüfteln Sie da aus. Und ich merke nun, auch mich begleitete ein leichtes Missen in der notwendigen Blogpause.

    Ihnen meine herzlichsten Grüße an den wundervollen See und alles Gute,
    die Ihre, auch zeilenportalig zugetan.

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    1. Werteste, beglückt und geehrt, nehme ich Ihren Besuch, in der neuen Stube wahr. Tatsächlich waren die alten Schuhe abgetragen und hier hat sich eine famose Runde gefunden, kleiner aber feiner als zuvor, die mich an den eigenen Schätzen teilhaben lässt und mir die Freude bereitet meinem Fabulieren und Stottern zu folgen.
      Wenns ihre Zeit mal zulässt, wage ich Ihnen, „Leben im Land der Geister“ ans Herz zu legen, welches sie linksspaltig finden.
      Der Ihre vom See,
      grau im Haupthaar, bunt im Herzen

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      1. Wertester, Sie fabulieren sehr weise. Zumindest für meine Lesensart. Ihre Landlebengeister erscheinen vertraut. Danke für diesen fabulösen Pupillentip. Wir lesen uns ohnehin. Mit Famosrundenwünschen ohne Felchenverdruss.

        Buntfetzige Grüße aus Zwostromlandien, die Ihre, silbersilbenschimmernd bislang.

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      2. Werteste, es dünkt mich ein wenig, wie erste Frühlingswärme, Sie so ganz vertraut, zurück zu begrüßen und mich, Geschmack einschätzend, nicht ganz falsch liegend zu sehen.

        Der Ihre, Abend müde, aber mit dem Tagewerk versöhnt.

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      3. Damit die Wärme erhalten bleibt, habe ich mir die Betätigung des Folgen-Knopfes erlaubt, Wertester.
        Manches Vertrauen bleibt bestehen, auch wenn man sich scheinbar entfernt~~~~~~

        Ich sende Ihnen Herzgrüße und halten Sie durch. Das Leben bleibt schön.
        Ihre Kopfhochfrauknobloch.

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      4. Werteste, das dachte ich auch: unverändert vertraut.

        Dann haben Sie vermutlich „Paddel“ gelesen. Da hatte ich den Schalk im Nacken und war eigentlich auf Kurs: Lass flitschen.
        Manchmal gut, dass man solche Zeiten eingefangen hat.

        Der Ihre vom See, abendvergnügt.

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      5. Werteste,

        ich harre geduldig des Gelesenwerdens und freue mich über jede gefällige Zeile.

        Der Ihre, die Rüstung anlegend, für das was die kommende Woche bringt, unverändert hoch erfreut, Sie wieder lesen zu dürfen.

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