Ein paar Tage Sonne

Ein paar Tage Sonne und langsam geht es wieder … die Sonne hilft, den eigenen Wert zu relativieren. Träge, wie sie macht, spielt das, was in anderen Zeiten wichtig scheint, keine Rolle. Wie es im Sommer unwichtig erscheint, ob man Holz hat oder etwas zu essen: es ist warm, die Bäume hängen voll, schon seit Urzeiten lullt uns der Sommer, in den Gedanken, dass für alles gesorgt ist.
Ganz dem Tao-Satz entsprechend: „Und, wenn nichts getan wird, gibt es nichts das ungetan bliebe.“ Ein paradiesischer Gedanke und tatsächlich ist ja keiner so wichtig, dass die Welt seine Hilfe bräuchte. Ein paar Tage Sonne und es ist okay, wenn die Welt macht, was sie will.
Die Krise beschäftigt alle, die Sorge eint uns und mancher Gedanke, der jetzt öffentlich preisgegeben wird, wird zu einem späteren Zeitpunkt, historisch bedeutsam werden. „Schau mal, wie sie gedacht haben“, wird jemand analysieren und das Toilettenpapier und die Nudeln und die Lieder vom Balkon, nur am Rand damit meinen.
Aktuell gibt es ein auskunftsreiches Video eines Rettungssanitäters aus New York, der beschreibt, dass in seiner 16-Stunden-Schicht 13 Herzinfarkte vorkamen, für die kaum Zeit scheint. Wir werden in drei, vier Monaten mit vielen Spätschäden bei Schlaganfallpatienten zu tun haben, weil aktuell, Ressourcen auf Corona konzentriert werden, die in ihrer Nachsorge fehlen. Eine Nachsorge die früh beginnen muss. Aber über die „kollateral Schäden“ darf nicht gesprochen werden, wir müssen das Bewusstsein hoch halten. Ja, das müssen wir, für alle …
Deshalb ist die Sonne gut, sie hilft, das eigene Gewicht von der Waage zu nehmen.
Es geht immer um die Balance, es haben immer beide Recht, deshalb muss es diesen Wettstreit der Meinungen geben. Hat der Tag Recht oder die Nacht? Der Sommer oder der Winter? Was wäre Einatmen ohne Ausatmen? Daran zu erinnern ist keine Zeit. Der Virus ist überall, auch in den Köpfen, in den Gedanken und treibt dort sein Unwesen:
Ausgangssperren mit Drohnen überwachen? Übertragen Haustiere den Virus? Entwickelt sich doch keine Immunität? Warum gibt es gerade jetzt dieses Vogelsterben? Gehören auch neurologische Symptome zu seinem Erscheinungsbild? Welche Maske ist sicher? Überträgt ihn die Luft oder das Tröpfchen, in dem er die Distanz überwindet? Wo ist Greta? Gefrieren die Polkappen wieder zu? Schließt sich die Schere der sozialen Ungleichheit? Wer wird profitieren, wer wird verlieren?
Ich muss darauf nicht antworten. Nicht mal darüber nachdenken. Die Sonne erspart es mir, sie gibt mir frei. Sie steht über allem. Manchmal sind andere am Zug. Dann ist es gut, sich in ihrem Licht zu erholen. Zumindest einige Stunden lang.

04/20 PGF

17 Kommentare

  1. Unfallminimierung ist ein wichtiger Aspekt der freiwilligen Quarantäne. Der denkbar schlechteste Fall ist nunmal leider der Maßstab der Vorsorge. Ich habe auch noch ein paar Baulücken in meinem Nachsorgepark, stelle aber vorsichtshalber Bauzäune aus Freude darum und warte ab.

    Hier tröpfelt lange herbeigeschworener Regen herab, Dead Can Dance flutet die Stube und ich lese Blogbeiträge nach und nippe an meinem Minztee.
    Herzlichst, die Ihre, minzwohllaunig zugetan.

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    1. Werteste, mit Bauzäunen der Freude, macht man nie was falsch. Allein Sie kennen diese Vandalen, die vor Bauzäunen keinen Halt machen und da hilft mitunter nur jener allein seligmachende Zauberstab der sich Urlaub nennt.

      Da dem See der Regen noch abgeht – es bläut ungemindert – habe ich mich mal atmosphärisch mit DCD angenähert und die fein getrocknete Minze aus dem Vorjahr linst mich schon ein paar Tage an, ob ich nicht endlich mal möchte …

      Der Ihre, sich dem Südhang-Balkon nähernd, ob da irgendetwas gesätes schon das Haupt reckt.
      Erwähnte ich den Bauerntabak? Ich berichte, falls der Garten Eden keimt.

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      1. Bauzaunvandalen verbelle ich höchstpersönlich in zerberus’scher Manier. Das bin ich mir wert~~~

        Das bißchen Regen ist hier auch schon längst verdunstet, kühler geworden ist es immerhin. Der Garten prächtigt bereits maienhaft, ein Frühlingsvorsommerdurcheinander freut Auge und Herz.

        Bauerntabak kenne ich nicht, aber mir reißen Erinnerungsschubladen auf bei tabakischen Erwähnung… rattazonggggg…

        Gartenedische Grüße an Sie und mögen Sie erseelen. Ich verbleibe als die Ihre Werteste.

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      2. Werteste, ja der Bauerntabak wird auch die Herausforderung. Er will es warm und möglicherweise verbringe ich die nächste Nächte mit dem Fön auf dem Balkon.
        Das Ziel lautet: verlässliche und seltene Kräuterchen der Welt, vielleicht gedeiht ja, das Zauberkraut 😉

        Der Ihre balkonierend vom See, Sonnenlicht atmend.

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      3. Zauberkrautische Herausforderungen sind die besten, Wertester. Die meine hört diesjährig auf den Namen Guter Heinrich~~~

        Heute früh trank ich übrigens den ersten Frischmelissentee, er war mehr als köstlich.

        Gutenachtgrüße aus Zwostromlandien, die Ihre, tagwerkmüde beglückt.

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      4. Werteste, ich danke der Nachfrage.
        Ja, ich flitsche noch vom gleichen Uferfleck Steine über den See

        Der Ihre, noch etwas morgendlich zerknautscht

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