Mord in Cutlery Hall (2)

2.

Der Nebel löste sich in feine Schleier auf, während wir uns, auf den Weg, zurück nach Cutlery Hall machten, wo Meister Barral, als Prinzipal lebte und die Aufgaben des Instituts vertrat, zu denen die Aufklärung von Verbrechen genauso gehörte, wie das Ausüben der Heilkunst in der Bevölkerung.
Normalerweise waren wir Adepten, nicht so früh mit einem Meister unterwegs, aber die Zeiten waren düster und der zentrale Rat hatte entschieden, dass wir früher als sonst, das Leben aus Blut und Tränen kennenlernen sollten.
Es gab viele Krisen: eine Seuche bedrohte die Welt und stellte die Unfähigkeit von schlechten Regenten bloß. Was nur niemand half, denn die gaben ihr Versagen nicht zu, sondern brachen Kriege mit ihren Nachbarn vom Zaun, um sich in fremden Landen zu stehlen, was sie durch Misswirtschaft im eigenen Land verloren. Gefahr drohte vor allem, aus einem großen Reich im Westen, in dem ein verrückter Herrscher, lange die Auswirkungen der Seuche unterschätzt hatte. Niemand zweifelte, dass er einen Krieg beginnen würde, wenn er sein Volk nicht mehr satt und zufrieden bekam.
Aber die Seuche und der drohende Krieg waren nur eines. Seit Kurzem gab es Berichte aus den Südländern, dass dort die Vögel vom Himmel fielen. Sie fielen aber nicht, wie gebratene Tauben, sondern wie Federknollen der Fäulnis, die sich, nach kurzer Zeit in der Sonne aufzublähen begannen und dann explodierten, dabei verbreiteten sie ihr unheilvolles Inneres in die Luft. Ähnliche Berichte gab es auch aus Mittelland, deshalb hatte unser Herrscher die Akademien angewiesen, schon jetzt mit unserer praktischen Ausbildung zu beginnen. Damit jedes, noch so kleine Dorf, mit einem fähigen Prinzipal ausgestattet werden konnte.
Denn die anderen Verbrechen lebten im Schatten dieser beunruhigenden Ereignisse fort. Manche der Alten sprachen bereits davon, dass es sich um die 12 Zeichen der Vorhersehung handelte, mit denen das Ende der Welt eingeläutet würde. Ich hielt für das übertrieben, solange ich meinen Verstand einschalten konnte, aber ich schlief seit Nächten schlecht und wurde von Alpträumen heimgesucht. Die Welt stand in Flammen und ich sollte in wenigen Tagen lernen die Feuer zu löschen. Denn mehr als vier Wochen waren für diese Ausbildung nicht vorgesehen, die normalerweise vier Jahre umfasste. Dann sollten die Ermittlungen abgeschlossen sein und ich meine Wege, ohne Anleitung eines Meisters gehen.
„Träumst du Aaron?“ Schreckte mich Meister Barral aus meinen Gedanken.
„Nein Meister, verzeiht. Ich versuchte nur ein wenig Ordnung in die Ereignisse zu bringen. So viel geschieht, in so kurzer Zeit, an so vielen Orten, als würde die Welt aus den Angeln gehoben.“
Das Gesicht meines Meisters nahm einen seltsamen Ausdruck an, als wolle er mir seine Besorgnis verbergen und brächte aber nicht mehr zu Stande, als eine Miene der Gleichgültigkeit.
„Wir tun gut daran, Aaron, uns vor die Füße zu sehen. Wir sind nicht hier, um die Welt zu retten, das wäre anmaßend, wir sind hier, um in unserem Lebensraum keinen Schaden anzurichten und, wenn wir klug sind, ihn ein wenig besser zu machen. Der Tote im Feld ist mein Problem, nicht alle Toten der Welt. Man muss seine Ohnmacht begreifen. Verstehst du?“
„Ja, Meister. Aber es hängt doch alles zusammen?“
Meister Barral lächelte, ein, wie ich noch lernen sollte, seltenes Ereignis.
„Auch das Wetter der Welt hängt zusammen. Aber, wenn es über Cutlery Hall regnet, nehme ich meinen Schirm mit, auch, wenn in den Südlanden die Sonne scheint. Lass uns erstmal das Verstehen, was wir fassen können.“
„In Ordnung, Meister.“
„Eine Frage noch?“
„Ja.“
„Der Tote im Feld, denkt ihr nicht, es war ein Wiedergänger?“
Mein Meister verlangsamte seine Schritte, blieb stehen und sah mich an.
„Damit dir die Theorien nicht ausgehen: die Seuche, ein Wiedergänger oder ein Mensch mit dem Zorn eines Wiedergängers – hast du daran schon gedacht?“

04/20 PGF

4 Kommentare

      1. Ja 🙂
        Ich bin übrigens nicht abgesprungen, sondern war die Tage sehr beschäftigt mit dem Erstellen meiner Website. Werde demnächst zur Nachlese erscheinen 😉

        Gefällt 1 Person

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