Mord in Cutlery Hall (11)

11.

Ich half Lydia in der Küche, während Meister Barral sich „um die Kräuter“ kümmern wollte, wobei es wirkte, als habe er dabei eine Überraschung im Sinn.
Während Lydia, die, wie Barral mir versicherte erst täglich bei ihm war, seit meiner Ankunft, sich um das Feuer, die Gewürze und die Töpfe kümmerte, schnitt ich Zwiebeln, Knoblauch und die Gemüse.
Sie wies mir, in knappen Kommandos an, was ich zu tun hatte und verwendete konzentriert, was ihr, von mir, vorbereitet wurde.
„Seid ihr weitergekommen?“ Erkundigte sie sich, während ich einen Kohlrabi in den Händen drehte und überlegte, wie ich sie am besten schälen konnte.
„Wir haben nur Hinweise. Nichts Konkretes.“
Ich entschloss mich, zuerst den Wurzelansatz wegzuschneiden.
Wir schwiegen. Ich spürte, dass Lydia gerne mehr erfahren würde, zögerte aber, weil sie dazu keine Berechtigung besaß, außer der, dass ich mich gern mit ihr unterhielt.
Sie drängte mich nicht.
Ich legte das Messer an die grüne Knolle und fing an zu schälen.
„Mister McPherson war schwer getroffen, vom Verlust seiner Tochter.“ Bemerkte ich, als sei damit nichts Geheimes gesagt. „Schlimm ein Kind zu verlieren.“
Lydia rührte in einem der Töpfe.
„Ja. Sie war seine älteste und liebste Tochter. Ich hörte ihn mal sagen: „Sie wird entweder mein größter Stolz oder mein größtes Unglück.““
Ich hielt beim Schälen inne.
„Tatsächlich, das hat er gesagt?“
Ich fand es nun doch hilfreich, dass Lydia, mit ihren Ortskenntnissen mich unterstützen konnte.
„Ja, es war bei einem Fest im Sommer, letztes Jahr oder vorletztes. Es gab einen Tanzwettbewerb, den sie mit Leichtigkeit gewann. Sie gewann aber auch die Blicke aller jungen Männer.“
„Hat er ihr das Tanzen nicht verboten?“
„Das war schwer möglich. Sie tat was sie wollte und ließ sich keine Vorschriften machen.“
„Aber er schien nicht wütend auf sie. Also, ich meine, er sagte nichts wie: Bei der musste man mit so was rechnen.“
Lydia legte den Deckel wieder auf den Topf.
„Nun, ich glaube, er verstand: Das ihr Handeln nicht gegen ihn gerichtet war, sondern Ausdruck ihrer Lebensfreude, der sie nach ging.“
„Kennst du Dwain?“
„Den Gesellen des Schmieds?“
„Ja, ein schüchterner Typ. Eigentlich ganz hübsch, aber arg verklemmt. Nimmt die Dinge zu ernst.“
„War er auch bei dem Fest?“
Lydia machte große Augen.
„War sie von ihm schwanger?“
„Ob er beim Fest war?“
„Antwort gegen Antwort.“ Sie strahlte, aber es gefiel mir nicht. Mir war die Sache zu ernst für Neckerei.
Ich ließ den geschälten Kohlrabi in die Schüssel fallen und nahm die nächste.
„Vermutlich.“
„Also: Ja.“
„War er beim Fest?“
„Vermutlich: Nein.“
Ich warf ihr einen warnenden Lass-das-Blick zu.
„Ich habe ihn nicht gesehen. Aber, wenn sie zusammen waren, haben sie es heimlich gehalten. Am Dorfbrunnen hat man jedenfalls nichts davon gehört.“
Ich seufzte. Jetzt war ich auch nicht weiter. Die nächste Knolle flog in die Schüssel.
„Habt ihr denn mit Dwain gesprochen?“
„Nein, mit seinem Meister. Mit – mit – ?“
„Norfolk.“
„Ja, genau, aber er hat ihn seit drei Tagen nicht gesehen.“
„Tatsächlich?“
„So hat er es gesagt. Es klang überzeugend.“
„Ich sah Dwain gestern.“
Ich rutschte fast mit dem Messer von der Knolle.
„Du hast ihn gesehen?“
„Ja, gestern auf dem Weg zum Socerers Grove.“
„War er allein?“
„Ja.“
„Was könnte er dort wollen?“
Sie zuckte mit den Schultern.
„Einen der Eremiten treffen, die dort leben. Es handelt sich, um einen großen Buchenwald, in den sich die zurückziehen, die alt sind und der Gemeinschaft nicht zur Last fallen wollen und die, denen es leicht im Kopf spukt.“
„Das müssen wir unbedingt deinem Onkel erzählen.“
„Habe ich schon. Gleich als ihr gekommen seid, hat er mir erzählt was ihr erfahren habt.“
Ich sah sie entrüstet an.
„Aber dann hast du mich!“
Sie hob die Hand, streckte den Zeigefinger aus und bewegte ihn langsam von rechts nach links.
„Es war sein Wunsch. Ich sollte mal sehen, wie weit du kommst und wie viel du verrätst.“
Ihre Augen strahlten mir zu, wie Mondlicht.
„Du hast das gut gemacht. Du hast immer nur soviel gesagt, wie du musstest, um mehr von mir zu erfahren und hast am Ende herausgefunden, was es zu finden gab. Ich würde sagen, du hast die Lektion bestanden und dabei noch Kohlrabi geschnitten.“
Die Tür zur Küche ging auf und Meister Barral streckte den Kopf herein.
„Seid ihr zwei endlich so weit. Ich verhungere gleich.“
„Ist die Kräutermischung soweit?“ Entgegnete Lydia.
„Steckt schon in den Pfeifenköpfen.“
„Dann müssen wir wohl draufhalten, Aaron.“
Sie schnappte sich meine Schüssel und schob das Gemüse, in den Topf vor sich.

04/20 PGF

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