Mord in Cutlery Hall (12)

12.

Wir aßen an diesem Abend gemütlich zu Ende, rauchten unsere gestopften Pfeifen, die uns bunte Träume brachten und gingen anschließend früh schlafen, weil wir noch, wie Meister Barral mir erklärte, vor Sonnenaufgang nach Socerers Grove aufbrechen sollten.
Ich schlief rasch und leicht ein. Aber, als meine Schulter gepackt und unsanft geschüttelt wurde, hatte ich nicht das Gefühl, ausreichend Nachtschlaf genossen zu haben.
„So früh.“ Brummte ich und versuchte mich der Hand zu entziehen.
„Je früher, je besser.“ Erwiderte Meister Barral mit klarer Stimme, die mich, wie helles Licht aus dem Land der Träume, in die Welt drängte, die ich mit ihm teile.
„Wenn die Einsiedler wach sind, gehen sie ihren Tagesgeschäften nach: Kräuter sammeln, Brummgesänge vollführen, ihren Besuchern in Eingeweiden, Katzenkot oder mit Scharfgarbestengeln die Zukunft weissagen.“
Ich rappelte mich auf.
„Und, wenn Dwain gar nicht dort war.“
„Gehen wir trotzdem nicht umsonst. Wenn jemand Kontakt zu Wiedergängern unterhält, dann sind es die Eremiten in Socerers Grove.“
Ich saß jetzt und rieb mir die Augen.
„Wenn es so viele gibt, woher wissen wir dann, wer der Richtige ist?“
„Einer von ihnen wird es uns schon verraten. Sie leben zwar allein, aber letztlich bilden auch sie eine Gemeinschaft aus Neid, Freundschaft und Sicherheit. Einer dieser Gründe wird dazu führen, dass wir erfahren, mit wem Dwain gesprochen hat.“
Ich gab nach, zog mich an. Nach einer Tasse Schwarztee, die bereitstand, liefen wir los.
Die Buchenwälder lagen im Norden. Wir führten Öllampen mit uns, damit wir den Weg vor uns besser sahen.
Es war ein freundlicher, offener Wald, unterbrochen von Lichtungen und Wiesen und durchflossen von einem kleinen Bachlauf, der über die Kieselsteine plätscherte.
Wir liefen eine Weile, ehe wir auf eine erste Hütte trafen, die in einer Kreuzung zwischen dem Fluss und einer Lichtung lag.
„Ho. Hohoho.“ Rief mein Meister und wartete.
Aus der Hütte trat ein klapperdürres, älteres Männlein, dass unter weißem, langem Haar und einem dichten grauen Bart zu uns herüberlugte.
„Was wollt ihr?“ Fragte es mit krächzender Stimme.
„Dir nicht lästig sein.“ Mein Meister hob freundlich die Hand. „Ich und mein Schüler suchen nach einem Dörfler, der die letzten Tage im Socerers Grove war. Es wäre wichtig, dass wir ihn sprechen oder wissen, wer mit ihm gesprochen hat.“
Der Alte strich sich mit beiden Händen durch den Bart.
„Ein Dörfler.“ Krächzte er.
„Ja.“
„Hast du Tee?“
„Natürlich. Schwarzen. Heute Morgen für dich abgepackt.“
„Es könnte sein, dass ich ihn gesehen habe. Ist es der Geselle des Schmieds?“
„Ganz genau.“
Der Alte machte eine besorgte Miene.
„Gib mir den Tee.“
Barral ging zu ihm. Der Alte nahm den Tee und winkte Barrals Ohr zu seinem Mund. Dann flüsterte er, meinem Meister, etwas ins Ohr.
Die Antwort schien ihn zu überraschen. Ich hörte, wie er sagte: „Danke.“ Dann wandte er sich ab.
Er kam zu mir zurück und winkte mich mit sich.
„Habt ihr einen Namen?“
„Ja.“
„Und?“
„Wir müssen zu Nilrem, aber das sagt dir noch nichts.“
„Und was soll es mir sagen?“
„Das Aaron, wirst du bald wissen.“

04/20 PGF

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