Mord in Cutlery Hall (14)

14.

Nilrem führte uns ins Innere seiner Hütte, die, wie sich jetzt herausstellte, nicht nur aus dem sichtbaren oberen Teil bestand, sondern ähnlich wie bei einem Pilz das Myzel, sich in ein unterirdisches Labyrinth aus Kammern und Räumen erweiterte.
Alles war in einen dichten, feinen Rauch gehüllt. Ein seltsamer Rauch, feucht wie Nebel, süßlich, wie der Qualm von Tabak, schwer wie ein Harz, dass sich auf Kleidern und Haaren absondert. Mir wurde schwummrig in dieser Luft und ich hatte nach kurzer Zeit das Gefühl, mich schlecht konzentrieren und orientieren zu können.
Unser Gastgeber führte uns über eine Leiter, in einen dieser unterirdischen Räume, die vollgepfercht waren mit Regalen, die eine bunte Sammlung von Gläsern und Karaffen enthielten in denen Kräuter schwammen, Teile von Tieren und die Körper von kleineren Tieren. Manche der Gefäße schienen mit Öl gefüllt, andere mit Honig, aber aus den meisten roch es nach Alkohol, mit denen der Inhalt konserviert wurde.
Wir setzten uns auf graue Teppichböden, die auf der Erde lagen. Meister Barral und ich, im Schneidersitz, Nilrem zog ein Bein an seinen Oberkörper, das andere ließ er zur Seite fallen. Er sah uns beide an, als sollten wir noch mehr sagen, als wir bereits gesagt hatten.
„Nun, was kannst du uns sagen?“
„So ungeduldig?“
„Nein und mach dir keine Hoffnung, auf mich wirkt deine Räucherkammer nicht, aber ich möchte hier raus sein, ehe Aaron zu kichern beginnt.“
„Immer so ernst, Barral, obwohl auch dir, die Akademie die Tür gewiesen hat, bist du ihr noch immer ein würdiger Vertreter.“
„Darüber wollten wir nicht reden.“
„Ist ja gut, ist ja gut.“
Nilrem schloss die Augen und atmete tief und lang ein.
„Der Geselle des Schmieds war bei mir, verliebt über alle Ohren, in die Tochter des Metzgers. Er bat mich etwas zu brauen, damit sie ihm gehörig wird.“
Ich sah Meister Barral fragend an.
„Wie lang ist das her?“ Wollte ich von Nilrem wissen.
„Der Besuch ist etwa 4 Monate her. Auf ein paar Tage kommt es nicht an.“
Das ergab Sinn, denn die Tochter des Metzgers war ja schwanger, also konnte das Mittel nicht von diesem kürzlichen Besuch stammen.
„Und was war der Grund für seinen letzten Besuch, vor Kurzem?“
„Die Bezahlung, für meine wirksame Medizin.“
„Schattengold?“
„Woher sollte ein einfacher Gesellenschmied Schattengold haben?“
„Von einem Einsiedler aus dem Wald, der weiß, wie es zu beschaffen ist.“
„Aber warum sollte der es einem Gesellen geben?“
„Damit der ihm eine Waffe schmiedet oder ein Instrument oder einen der großen Schlüssel.“
„Oder alles drei?“ Nilrem lachte, als amüsiere er sich köstlich über diesen Gedanken. „Barral du hast eine glänzende Fantasie.“
„Und du wärst glücklich alles drei zu besitzen.“
Nilrem kühlte seine Heiterkeit schlagartig herab.
„Ihr solltet zu den Sizziling Grounds gehen und nach Dwain sehen und ihn fragen. Ich meine, er hätte erwähnt, dorthin zu wollen. Die Lavafelder von Sizziling Grounds sind für jeden Schmied ein heiliger Ort. Vielleicht betrauert er dort seinen Verlust.“
„Also hältst du ihn nicht für den Täter? Warum hast du vorhin so geheimnisvoll getan?“
Nilrem fixierte meinen Meister, als bereite es ihm, ein unglaubliches Vergnügen, ihn im Unklaren zu lassen.
„Dwain ist ein Narr und, wenn Narren töten, erwischt man sie direkt.“
„Und, wenn Einsiedler töten?“
Nilrems Augen funkelten.
„Dann erwischt man sie nie.“
Meister Barral trotzte den Augen Nilrems.
„Gut Aaron, ich glaube, wir haben alles gehört, was es zu hören gab. Hast du noch Fragen?“
Er sah mich an und bemerkte, dass der Rauch der Höhle mich völlig benebelt hatte. „Nein, hast du nicht.“
Er packte mich am Arm und zog mich hoch.
„Danke Nilrem, für deine Auskunft. Auch, wenn ich mich noch frage, was dich so bereitwillig gemacht hat.“
Auch unser Gastgeber erhob sich.
„Der gute Wille. Nicht mehr.“
Meister Barral brachte mich nach draußen. Weg von der Hütte, weg aus dem Rotbuchenhain und weg aus dem Rotbuchenwald. Erst als wir die Grenze überschritten und zurück im Buchenwald waren, wurde ich langsamer wieder klarer. Der Blick zum Himmel zeigte mir, dass es bereits Nachmittag sein musste.
„Glaubt ihr ihm?“ Fragte ich, als ich meinte, meine fünf Sinne wieder beisammen zu haben.
Mein Meister blickte konzentrierte auf den Weg vor uns.
„Es ist für ihn ein Spiel. Von dem er, ich weiß es noch nicht, Zuschauer ist oder Spieler. Es unterhält ihn in jedem Fall. Er ist ein gerissener Gegner, Aaron, unterschätze ihn nie.“
Das hatte ich nicht beabsichtigt.
„Gehen wir noch zu den Sizziling Grounds?“
„Nein, dass ist ein Tagesmarsch, nur eine Strecke. Wir brauchen Proviant und einen klaren Kopf. Wir gehen frühestens morgen.“

04/20 PGF

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