Mord in Cutlery Hall (16)

16.

Wir brachen früh auf, am nächsten Tag. Jeder von uns, trug einen Rucksack mit Proviant und einen Wanderstock, um auch in unwegsamem Gebiet und in Mooren einen sicheren Weg zu finden.
Ein blauer Tag spannte sich über uns und den ganzen Weg machte uns ein frischer, klarer Wind das Laufen leicht.
Wir liefen schweigend, jeder seinen Gedanken nachhängend, die westliche Route nach Sizziling Fields. Ich war gespannt auf die Lavafelder, von denen Lydia, am Abend zuvor, geschwärmt hatte.
„Man sagt“, hatte sie erzählt, „dass die Felder, in viele Ringe aufgebaut sind. In den äußeren Ringen, ist die Erde selbst noch fest, aber immer wieder unterbrochen, von Kratern aus denen sich dampfendes Wasser minutenweise entlädt. Je weiter man zum Zentrum der Fields vordringt, desto mehr zerbricht der Untergrund uns es zeigen sich klebrige Lavastreifen, als würde gerade in diesem Moment die Erde geboren werden. Im Zentrum der Fields liegen dann offene Lavafelder, die zu heiß sind, als das ein Mensch dorthin vordringen könnte. Es heißt nur Widergänger könnten dorthin, weil ihr Leib an der Hitze keinen Schaden nimmt.“
Ihre Augen hatten geleuchtet, während der Schilderung und ich war gespannt, den Ort selbst zu sehen.
Zum Mittag kehrten wir im „Spinnig Pork“ ein, einer Gaststätte die für ihre Wildschweingerichte in der ganzen Region bekannt war. Wir aßen jeder ein Stück deftiges Krustenfleisch mit Rotkohl und der Wirt schenkte uns zwei Gläser Schlehenlikör dazu.
Nach dem Essen war mir gar nicht danach wieder zu laufen, aber Meister Barral drängte mich.
„Ich will auf jeden Fall zu den Fields, wenn es noch hell ist.“
Während mir die Schweinekruste im Magen den Kopf müde machte, schritt er mit strammem Schritt voran und ließ sich von meinem Zurückfallen nicht beeindrucken. Wenn ich nicht verloren gehen wollte, musste ich Schritt halten.
Die Sonne stand noch halb hoch, als wir die Geysire erreichten, von denen Lydia mir erzählt hatte. Es war ein beeindruckender Anblick, wenn das brodelnden Wasser in unberechenbaren Intervallen in den Himmel schoss. Ich wunderte mich, dass mein Meister mir Zeit ließ, mir das alles in Ruhe anzusehen. Tatsächlich achtete er nicht auf mich, sondern hielt Ausschau nach Dwain.
„Siehst du irgendwo jemand?“
Das weckte mich aus meinen Betrachtungen.
„Nein, entschuldigt Meister. Die Geysire haben mich gefesselt. Ich habe noch gar nicht nach Menschen gesehen. Die Landschaft ist atemberaubend.“
Barral nickte kühl.
„Aber, dafür haben wir keine Zeit, Aaron. Wir müssen Dwain suchen.“
Ich sah mich hilflos um. Die Ebene von Sizziling Fields war weitläufig, karges, schroffes Land, von einzelnen dürren Bäumen und Sträuchern bestanden, die hier auf ihr Überleben pochten.
„Wie sollen wir denn hier jemand finden?“
„In dem wir in einer Spirale zum Zentrum gehen. Du gehst zwei Schritt seitlich von mir. Wir gehen nach Osten los und, wenn wir an diesem Punkt zurück sind, drehen wir den gleichen Kreis im engeren Radius.“
„Aber das kann Stunden gehen?“
Ich war erschöpft vom Weg hier her.
„Wir können noch lange laufen. In den Fields wird uns nicht kalt und je näher wir der Lava kommen, um so mehr wird ihr Feuer uns genug Licht schenken, damit wir etwas erkennen. Wenn wir so weit sind, wie möglich, machen wir Pause für heute.“
Es war gut, dass ich in diesem Moment noch hoffte, wir hätten Glück und würden bereits im äußeren Kreis auf Dwain treffen. Hätte ich geahnt, wie lange wir laufen mussten und was uns am Ende erwartete, ich hätte keinen Schritt unternommen.

04/20 PGF

16 Kommentare

  1. Es ist und bleibt – spannend! 🙂
    Ich hab da mal eine Frage:
    Du hast ja laut Vita schon einige Bücher veröffentlicht – sind da auch Bücher gleichen Genres drunter? So langsam werde ich nämlich süchtig…

    Gefällt 2 Personen

    Antworten

    1. Danke schön 🙂
      Hmm
      „Sontland“ Nein, politisch.
      „Zeitspuren“ Gedichte
      Aurumer-Reihe: Spannend, hat sich sehr gut verkauft (gut 4000 Bücher), aber eher Akte-X
      „Soanta & Paolo“ geht in Richtung Cutlery, aber poetischer.

      Damit du nicht die Katze im Sack kaufen musst, biete ich dir gern ein Lese-Exemplar an 🙂

      Ich bin leider Genre-Instabil 🙃

      Gefällt 2 Personen

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      1. *lächel*
        Du hast schon viel schönes geschrieben, lieber Pe am See, und genug Selbstkritik geübt.
        Fang am zu genießen, und stolz zu sein auf deine Werke 🙂
        Herzlich, Lu am Ne

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  2. „Spinnig Pork“ 🤗
    Ja, spannender Auftakt für eine nächste Episode, jetzt gilt es Geduld haben und abwarten, wie sich der arme Lernende durchschlagen wird 😉 und ob sie auf ihrer speziellen Mission wenigstens zu einem Teilerfolg kommen.

    Ich wünsch dir einen angenehmen Dienstag!

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      1. Oh, du bist bereits wieder im Einsatz. Das ist anfangs sicher seltsam, nach der erholsamen Zeit. Glaub man muss erst wieder in den Rhythmus reinfinden.

        Danke, ich wünsch dir auch einen schönen Abend!
        Marion

        Gefällt 1 Person

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