Marketing (2)

Ein ehernes Gesetz der modernen Öffentlichkeitsarbeit lautet: Rede niemals über deine Schwächen. Du kannst Skandale produzieren, du kannst polarisieren, aber nie, nie, niemals gib Preis, was der Mangel deines „Produktes“ sein könnte.

Dabei ist das so bereichernd 🙂

Eine (mögliche) Schwäche des aktuellen Skriptes ist, dass ich mit etwas mehr als 100000 Zeichen, einige Figuren, einige Schauplätzen und eine in sich schlüssige, einige Tage überspannende, anregende, nachdenkenswerte Geschichte erzähle, die nicht auseinanderfallen darf.

Warum nur so wenig?

Weil bei etwa 100000 Zeichen das finanzielle Ende der Veröffentlichungsfahnenstange erreicht ist.

Und, weil daneben meine Lebenssituation, auch nicht langweilig ist und ein Roman, wie bei der Aurumer-Reihe, kräftemäßig schwer zu stemmen wäre. (Ist eigentlich jemand aufgefallen, dass die Balkongesänge für die „Systemrelevanten“ verschwunden sind und von Seiten der Politik alle angekündigten Verbesserungen für „unser unentbehrliches Gesundheitspersonal“ sich pulverisieren?)

Das Triangulum Auctor, wie ich es mal nennen will: Zeit, Geld, Kraft. (Die Idee lassen wir mal beiseite.)

Jedenfalls, das bietet Gefahren zur Schwäche ohne Ende: ein hartes „ich spüre die Charaktere gar nicht“, „blasse Ortsbeschreibungen“, „das ging mir alles zu schnell“ sind vorprogrammiert, denn der ein oder andere fundierte Rezensent, wählt mit unvergleichbarer Sicherheit, bei einem Buch das niederschmetternde „viel zu breit getreten“ und beim nächsten „das hätte besser ausformuliert werden müssen“ und klopft sich dann den Staub von der Schulter.

Und was macht man dann, wenn man sein Triangulum Auctor (ich glaube ich lasse mir das patentieren) sorgfältig reflektiert hat?

Man steht dazu, wie zu seinen Schwächen!

Ja, die Charaktere hätten mehr Facetten erhalten können, aber für diese Geschichte war nur die eine (mit zwei, drei Spiegelungen) notwendig.

Ja, man hätte akkurat, wie Thomas Mann, die ein oder andere Kulisse ausstaffieren können, aber lieber Leser, wenn ich „Wald“ schreibe, hast du doch auch Fantasie und, wenn ich, „dunkler Wald“ schreibe, rücken dann nicht Nadelbäume dicht vor deinem inneren Auge zusammen und schreibe ich gar „dunkler Wald, ich dachte an Weihnachten“, siehst du die vielen Tannen nicht vor dir. Aber natürlich hat das nicht die gleiche Dichte, wie die vom Schnee schwer herabhängenden Zweige, im Kapitel „Schnee“ des „Zauberberg“.

Und dann noch der Plot: Bei der Aurumer-Reihe hat sich ein Leser tatsächlich beschwert, das sei zu unrealistisch (also nicht fehlend plausibel, das wäre okay gewesen) bei einem Buch über Außerirdische die in menschlichen Körpern die Erde beherrschen. Da schwingst du, als Autor, mit den Hüften, wenn du solch eine Kritik liest. Also, wer sich stören will, der findet einen Grund dazu. Plausibel sollte die Geschichte sein, einer inneren Logik folgend, eine Mechanik, die nirgends außerhalb davon, funktionieren muss.

So betrachtet lässt sich, das Triangulum Criticae, dann bewusst der möglichen Schwächen abgleichen:

Die Charaktere sind skizziert, das ist okay, für ein Ölgemälde fehlten die Farben.

Die Orte sind gewählt, dass der Leser sie, mit eigener Fantasie, leicht fassen kann, für mehr Kulisse fehlte die große Bühne.

Der Plot ist plausibel, die Mechanik funktioniert, wenn man sie erst am Ende bewertet und nicht das Urteil fällt, welches man beim Blick auf das Cover, bereits im Sinn hatte.

Dann kann man sich zurücklehnen und denken: Okay, das waren meine Möglichkeiten und mein Bemühen und wer es so nennen will: meine Schwächen.

PGF

 

 

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