Verschwörung

Also ein bisschen macht mir das ja Angst, das ganze Verschwörungsszenario und der Umgang damit. Nicht, weil ich mich durch dunkle Machenschaften bedroht fühle, sondern, weil meine Bücher und Geschichten nicht selten auf Verschwörungstheorien beruhen.
Mir macht Sorge, dadurch Irrationalität zu befeuern bzw. von der Angst vor Irrationalität missverstanden zu werden. Mir scheint den Menschen (der westlichen Zivilisation) ist die Fähigkeit verloren gegangen, mit Ideen zu spielen. Das ist bedrohlich für jede fiktive Erzählung.

Zeitgleich beunruhigt mich, mit welcher Vehemenz Politik und Medien Verschwörungsanhänger unter Verdacht stellen, eine ernsthafte Bedrohung darzustellen. Da sind mitunter Kanonen auf Spatzen gerichtet.

Die komplette Aurumer-Reihe ist ein kunterbunter Mix aus Verschwörungstheorien, da fehlen die Bilderberger nicht und nicht die NSA, der Vatikan und selbst die Außerirdischen finden ein Plätzchen. Dabei geht es allerdings nicht um das Belegen, sondern um das Sensibilisieren. Die NSA macht halt auch Schweinekram, der Vatikan hat so viele reale Verstrickungen mit der Mafia, das kannst du gar nicht erfinden und der illustre Kreis der Bilderberger hat ein Gusto, dem der öffentliche Blick nicht schadet.
Aber wäre Bill Gates der dunkle Imperator würde sein Gesicht nicht überall verbreitet. Wenn es eine Gefahr gibt, geht die viel stärker von den unbekannten Mächtigen aus, als von denen, deren Gesicht man kennt. Ein Blick auf die Liste der 100 reichsten Menschen der Welt, ist dabei immer wieder belehrend.
Die Konstruktion des Plots der „Heimkehr“ hat mich nebenbei gelehrt, so eine geheime Verschwörung, dass musste erst mal geheim halten 😉

Außerdem stört mich die mangelnde Kreativität der Verschwörungstheoretiker. Wir werden mit Corona infiziert, damit Bill Gates uns chippen kann? Schon mal von Bioengineering gehört? Wenn es so kommen soll, dann ist der Virus selbst der Chip, da brauchst ´de gar nicht mehr …
Also, ich bitte darum, die armen Verschwörungen in Ruhe zu lassen, daraus kann man tolle Geschichten machen, die zum nachdenken anregen und unterhalten. Wer mit Verschwörungen gerne spielt soll seine fünf Sinne beisammenhalten und wer Angst vor Verschwörungstheoretikern hat, sollte sich mit seinem Toleranzlevel beschäftigen.

In diesem Sinn, wünsche ich euch ein verschwörungssicheres Wochenende

PGF

26 Kommentare

  1. Lieber Peter,

    wer halbwegs eigenständig zu denken gelernt hat, ist in der Lage mit diversen Theorien zu spielen und ein solches Spiel zu erkennen. Wer unbedingt eine Verschwörungstheorie braucht, um sich mit seinen Ängsten im Innern nicht auseinander setzen zu müssen, na ja, der findet vielleicht überall eine?
    Also ich glaube nicht, dass es einen Grund gibt Dich misszuverstehen, es sei denn man möchte es unbedingt. Und davor ist wohl keiner gefeit.

    In diesem Sinne, ein schönes und ruhiges Wochenende. Genieß die Lorbeeren, für die du vorgearbeitet hast! 😉

    Ganz liebe Grüße
    Marion

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      1. Ich kann es nur empfehlen. Wenn es jemand liest, der nicht weiß was Templer, Illuminaten, Bilderberger Club of Rome, Weise von Zion etc sind, wir es schnelllangweilig und unverständlich aber du scheinst dich schon so viel mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben, dass du mit sicherheit Freude bei der Lektüre haben wirst, hoffe ich zumindest.

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  2. Zwischen Verschwörungstheorien als Element eines Buches, das ich gerne in Büchern lese, einerseits und Verschwörungstheorien als Weltbild andererseits liegen Welten, die überwältigende Mehrheit der Leserschaft wird in der Lage sein, eins vom anderen zu unterscheiden. Und die es nicht können, haben noch ganz andere Probleme … 😉

    Es mag im Übrigen klingen wie Kanonen auf Spatzen, denn ich persönlich finde die Leute, die an der Seite spinnerter aber harmloser Verschwörungshteoretiker mitschwimmen und teils abscheuliche Ideologien vertreten und verbreiten, auch schlimmer als eben die erwähnten VT-Anhänger.

    Ganz außer Acht lassen darf man das Thema aber eben auch nicht. Wenn Schergen wie Ken Jebsen nachweislich Unfug verbreiten oder unfreiwillige Komiker wie Attila Hildmann etwas von „Mit der Waffe in der Hand für die Freiheit draufgehen“ schwafeln, dann kann und darf man das nicht unerwähnt lassen. Denn noch wesentlich gefährlicher als diese Idioten sind die geistigen Tiefflieger, die deren Unsinn glauben und dann ggf. Hildmanns Kampf „mit der Waffe in der Hand“ in die Tat umsetzen wollen. Dass es willfährige Erfüllungsgehilfen für jeglichen Unsinn gibt, kann man bei vielerlei Ideologien betrachten, insofern würde es mich nicht wundern, wenn auch aus der Gefolgschaft der genannten Herren mal jemand freidreht.

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    1. Ich verbinde: letzter Satz Abschnitt 1, mit Abschnitt 3 und mache daraus:
      Deshalb darf man die Out-of-Control nicht ernstnehmen und muss auch so mit ihnen umgehen, als wären sie nicht ernstzunehmen.
      Sie gehören eher in die Heute-Show, als in den Kommentar des Heute-Journal (falls sie dort besprochen wurden).
      Man muss keine Doku über Jebsen machen und ihn, auf Grund seiner journalistischen Vergangenheit, als ernstere Bedrohung stilisieren.
      Wir doktern am immer gleichen, falschen Problem: Wir müssen nicht die Demagogen bremsen, sondern die Aufklärung fördern. Die Autoindustrie: gerettet, das Bildungssystem: geschrottet.
      Es ist das schräge Menschenbild, das mich stört, in dem man, die armen Rotkäppchen vor dem bösen Wolf schützen muss, statt dem Rotkäppchen beizubringen, wie es sich wehren kann. Es impliziert, dass die Mehrheit der Menschen, nicht fähig ist gebildet zu werden und eine eigene Meinung zu entwickeln.

      Da kann man mal so eine richtig schöne Verschwörungstheorie draus machen 😉

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  3. Guter Kommentar. Ich habe nur ein Problem: Warum dieser Hype, dieser Abbruch des Systems bei eigentlich gering erkennbarer Gefahr (8000 Tote in überwiegend sehr hohem Alter bei 80 Millionen Einwohnern). Aus solchen Fragen entstehen Verschwörungstheorien.

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    1. Danke liebe Alraune 🙂

      Die „guten“ Zahlen sind „Der Fluch der guten Tat“. Also der Erfolg der Maßnahmen, deren Verhältnismäßigkeit historisch vielleicht irgendwann überprüft wird. Aktuell ist das schwer zu bewerten. Mir kommen bei den Maßnahmen die Kinder, Jugendlichen und Familien viel zu kurz.

      Auf der anderen Seite stehen zwei Faktoren, die in der Öffentlichkeit wenig diskutiert wurden, vielleicht auch, um nicht zu beunruhigen.

      Zum einen der sehr rasante Verlauf wenn Covid ausbricht. Es bleiben dann nur wenige Minuten (ich kenne die Zahl 7) in der, der Patient intubiert und beatmet werden muss. In dem Haus indem ich arbeite gibt es, unter anderem, einen Lungenfachbereich, da haben die Ärzte kein großes Problem damit, aber die meisten Krankenhausärzte kommen da an die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Bedeutet: treten zeitgleich viele Fälle auf, fehlt die Routine und das Know-How gut zu reagieren. Das Ergebnis sieht man in den USA, Spanien, Italien. Es ersticken in großer Zahl Menschen, wie Fische auf dem Trocknen. Ein qualvoller Tod, den zu begleiten vielleicht niemand Zeit hat.

      Zum anderen tritt Covid häufig mit einem ARDS auf. Einen Menschen zu beatmen ist schwer genug. Bei Covid zeigt die Lunge aber paradoxe Symptome: es gibt Areale die vermehrt Druck benötigen, um nicht zu kollabieren und es gibt Bereiche, deren Gewebe (Lungenbläschen) gerade durch zu viel Druck zerstört wird. Dafür braucht man das Know-How von Weaning-Station, die auf einem andern Level beatmen, als „normale“ Intensiv-Stationen. Auch hier hätten große Patientenzahlen das System zum Kollaps gebracht.

      Medial wurde das alles viel zu schlecht aufbereitet, weil Journalisten keine Ahnung haben und immer die gleichen Experten befragten, die häufig selbst viel zu weit weg von der Praxis sind, um die Zusammenhänge anschaulich zu erklären. Es kommt dann zu Zahlenzusammenhängen die zutreffen, aber nicht bewerten, was andere Zahlen bedeutet hätten.

      Deshalb bin ich da ganz bei dir: Die Theorien entstehen, weil man schlecht informiert und die Leute für zu „blöd“ hält, um die Komplexität zu beschreiben. Also erklärt uns alles Dr. Drosten, der vielleicht noch nie eine Weaning-Station gesehen hat und nur die Viren unter dem Mikroskop kennt.

      Ich hoffe das entkräftet die Verschwörung 🙂

      Schönes Wochenende
      Peter

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      1. Vielen Dank für die Informationen, lieber Peter. Viele davon kannte ich nicht, und wie Du die Verläufe schilderst, sind sie dramatisch. Vor diesem Hintergrund verstehe ich auch die Düsternis Deiner Corona-Geschichte. Aber: Ich bin Journalistin, und deshalb ist meine Verwunderung groß, wie einseitig dieses Thema angegangen wird. Du sagst es selbst: Es werden immer die gleichen Experten befragt, eigentlich vor allem Drosten, der – wie Du ebenfalls so schön sagst – vor allem auf die Viren unter dem Mikroskop schaut. Weder andere Experten, die schon zu Beginn der Krise einen nicht beunruhigenden Verlauf prognostiziert haben, noch die Menschen, die unter den Einschränkungen leiden, kommen gebührend zu Wort. Vor allem wird Angst geschürt, eine Angst, die angesichts der Zahlen nicht berechtigt ist. Das führt eben zu wilden Theorien, was hinter diesem Lockdown stehen könnte – außer Corona. Manchmal habe ich morgens das Gefühl, in einem fremden Land aufgewacht zu sein.

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      2. Dann entschuldige ich mich doch erst mal, für die verallgemeinerte Journalisten-Schelte. 🙂 Aber, wenn man den „Report“-Journalismus der 80er noch kennt, dann wundert man sich, über die Unisono-Nachrichtenkultur der Gegenwart.
        Die Hintergründe, die ich geschildert habe, sind kein Expertenwissen, dass kann man von 10 Fachkräften aus 10 Krankenhäusern hören. Man würde dann aber auch hören, welche fraglichen Wirkungen die Fokusierung auf Corona, für andere Krankheitsbilder bedeutet. Ich glaube, die fehlende Pluralität der Meinungen, mit denen ich noch groß geworden bin, erzeugt dieses Gefühl von Desinformation.

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      3. Nein, für Journalisten-Schelte musst Du Dich nicht entschuldigen. Ich bin ja selbst entsetzt über die Einseitigkeit der Berichterstattung. Eine der höchsten Auszeichnungen dieser Branche ist der „Theodor-Wolff-Preis“. Der Mann hat einen Merksatz geprägt: „Du sollst Dich nicht gemein machen mit irgend einer Sache, nicht mal mit einer vermeintlich guten.“ Das heißt, oberstes Gebot des Journalisten ist eigentlich die Objektivität und das Hören aller Seiten.

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