Im Austausch

Vor einer Veröffentlichung sind Probeleser unerlässlich. Nach meiner bescheidenen Auffassung müssen sie nur eine Qualifikation zwingend mitbringen: Sie müssen gerne lesen.
Der Rest: Germanistikstudium, direkter Kontakt zu einem Verleger, Potenzial zum Mäzen sind nachgeschaltet, aber gerne lesen, das müssen sie.
Verwandschaft ist natürlich nett, aber sie hilft nicht, wenn das einzige Buch, welches sie in den letzten zehn Jahren gelesen hat, dein Manuskript ist. Sie werden es mit einem „Das ist doch gut“ bewerten. Damit ist aber die eine Funktion, die ich (bescheiden) von einem guten Probeleser erwarte, vernichtet. Welche? Dazu komme ich noch.
Erst ist noch die Zahl der Probeleser zu beleuchten. Da gibt es nur eine Faustregel. Immer ungrade! Es wird nie (nie, als endlos nachhallend gedacht) etwas geben, das allen gefällt. Nichts verunsichert mehr als 50% die sagen: „Kannste machen!“ und 50% die sagen: „Kannste auf keinen Fall machen.“ Schon 51/49 helfen dir beim Abgleich mit deinem Autoreninstinkt. Ich finde mittlerweile fünf eine ganz gute Zahl (wenn man die findet). Weniger, müssen schon sehr gut sein, für eine valide Rückmeldung. Mehr, bedeutet Handgemenge und bei dicken Skripten ordentliche Kosten für Heimdruck und Porto.
Bei „Alphavirus“ hatte ich exakt einen Probeleser (auch aus Zeitdruck) und obwohl Verwandschaft einen, zu dem ich volles Vertrauen hatte. Weil? Nun, weil zum einen sehr belesen und damit urteilsfähig. Zum anderen, weil er mir die eine einzige Frage beantworten konnte, die ich gedanklich Probelesern stelle, damit sie ihre eine Funktion erfüllen: Mache ich mich damit lächerlich? Hier muss man jemand fragen, der genau weiß, dass ein erlogenes Nein zu mehr Enttäuschung führt, als ein ehrliches Ja.
Probeleser sind sehr gerne auch Lektoren und Korrektoren, manchmal auch kleine Verleger die „Figur raus“, „Plot Twist weg!“ fordern. Sie können damit richtig liegen, aber nicht, wenn der Autor nur noch wissen will: Mache ich mich damit lächerlich? Deshalb muss man sorgsam abwägen, wann man ihnen das Skript vorlegt. Ist man schon erschöpft und zu keiner Überarbeitung mehr bereit, muss man exakt das zu Anfang deutlich machen. Sonst machen sich die Armen mehr Arbeit, als sie müssen.
Was sie nie sind – außer sie machen es beruflich: Korrektoren! Ehrlich nicht. Ich hatte schon meinen Spaß, bei meiner, ich gebe es zu, abenteuerlichen Interpunktion, mit Korrekturvorschlägen. Immer: A: „Komma muss weg.“ B: „Komma muss hin.“ Und es gibt nur einen/eine die das auflöst: der/die Korrektorin. Mit einem einfach Satz: „Das Komma muss dahin, weil!“
Meinem Probeleser von „Alphavirus“ danke ich somit von Herzen: für die Mühe, den kritischen Blick und die ehrliche Rückmeldung.

PGF

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