Verano (1)

1.
Der Sommer stank nach Hundekot. Das Gras und das Unkraut in den Ritzen waren niedergebrannt und aus dem Boden alle Feuchtigkeit verdunstet. Es blieben nur die trockenen Kotklumpen der Hunde, welche der Welt noch etwas zu sagen hatten. Ein unerträglicher Geruch, für meine feine Nase. Aber es fehlt, dem ein oder anderen Geschöpf, das Taktgefühl, für seine Verrichtungen zu sorgen und so gab ich mir Mühe, die Blumen der Wiese und die Düfte aus dem nahen Wald wittern.
Für mich waren dies sonderbare Tage. Ich kann es nicht genau erklären, aber ich war sehr nah bei mir, sehr in mir ruhend, während die Welt um mich her, völlig im Irrsinn zu versinken schien.
Es gab Gerüchte, es gab Auffälligkeiten, die ich, mit großer Gelassenheit wahrnahm und zu verifizieren versuchte.
Ich drehe täglich, mindestens einmal am Tag, eine große Runde durch mein Revier. Von meinem Zuhause geht es über ein Stück Rasen und ein Stück Kiesweg zu einem staubigen Parkplatz. Von dort über die Straße, durch eine Feuchtwiese, vorbei an einer Gärtnerei, wo der verwöhnte Charly wohnt. Über eine Landstraße, zu den Apfelbäumen, die ich weit nach Osten durchstreife.
Das ist jedes Mal ein ordentliches Stück Weg. Aber ich mag die Route, weil sie viel Abwechslung bietet und ich, jeder Zeit zum nahen Wald oder zum Weiher ausweichen kann.
Jedenfalls, mir fiel, in diesen Tagen, wenn ich meine Runde drehte, einiges auf, was sich verändert hatte.
Am Auffälligsten war, dass die Autos so gut, wie verschwunden waren, was mir ausgezeichnet gefiel. Aber, ich habe meine Gewohnheiten und da stört es mich, wenn etwas fehlt, bei dem ich mich daran gewöhnt habe, dass es mich stört. Die Autos waren weg, die Straßen stiller, die Wege sicherer und das brachte meine Instinkte in Alarmbereitschaft.
Was – ist – hier – los? Dachte ich mehrfach am Tag – und ich nehme es vorweg – es dauerte ein Weilchen, bis ich die Lösung fand.
Schön war, dass ich nun immer mal wieder einem Eichhörnchen begegnet, welches die kurze Strecke vom Walnussbaum im Garten zurück in den Wald, über den Rasen zurücklegte. Das sind ja furchtbar scheue Wesen, weshalb man nie mit ihnen ins Gespräch kommt. Die Stille schien auch die Eichhörnchen zu irritieren und lockte sie aus den Verstecken, zutraulicher wurden sie nicht.
Auf diesem Tag, lag eine drückende Hitze. Die Tage wurden längst wieder kürzer und der Sommer drängte seinem dramatischen Höhepunkt, mit Gewittern und heftigen Regengüssen entgegen.
Ich war froh, als ich die Haustür erreichte. Im Treppenhaus ist es immer schön kühl und wenn ich Glück habe und die Tür offen ist, kann ich direkt über die Treppen, der drei Etagen, um mich an der Wohnungstür bemerkbar zu machen.
Das tat ich.
Ich musste nicht lange warten.
Die Tür ging auf und über mir hörte ich ein vergnügtes: „Hallo, Verano, da bist du ja.“
Ich eilte, mit einer nur kurzen Berührung vorbei, um deutlich zu machen, dass ich Hunger hatte und trabte zielstrebig in die Küche.

06/20 PGF

3 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.