Fraktal (12)

12.

Der Weg, den ich aus der Höhle genommen hatte, ging über in einen Wald, in dem sich der ausgetretene Pfad verlor und ich doch wieder gezwungen war, mich durch Unterholz und dichte Baumstämme zu arbeiten.
Das ärgerte mich, aber ich nahm es doch gelassener, weil der Tag hell und die Luft erfrischend war.
Erst als ich merkte, dass ich mit jedem Schritt den ich nahm, tiefer in die Erde sank, begann ich mich allmählich zu ärgern. Lag erneut ein Moor vor mir? Ich war entschlossen es darauf ankommen zu lassen. Denn, um nicht wieder in die Irre zu gehen, hatte ich mich entschieden stur immer Richtung Osten zu gehen, so musste ich irgendwann den Waldrand erreichen. Dann bist du zurück, in der Zivilisation, dachte ich und musste darüber lächeln.
Während ich lief, flackerten immer wieder Bilder der letzten Nacht vor mir auf. Wer die Frau wohl war? Ob es ihr gut ging? Ich hoffte, sie hatte sich nicht erschreckt vor mir. Vielleicht war sie eine Hexe. Oder doch nur ein feuchter Traum?
Ich schmunzelte und stellte mir vor, wie ich eine Geschichte darüberschrieb, mit dem Titel „Die Hexe vom Moor“. Aber ich mag keine Bücher. Bücher halten einem von Bewegung ab. Bücher sind wie Schlangenhäute. Es ist interessant sie mal kurz in die Hand zu nehmen und zu betrachten, aber sie sind das abgelebte Leben, eines anderen Geschöpfes und haben sonst keinen Wert.
Zu meiner Begeisterung, ging der Weg durch das Moor, heute leichter. Die Kelten hatten den Glauben, an natürliche Wege entwickelt. Wege die den Menschen zu Orten führen sollten, die für seine Reise durch die Existenz bedeutsam waren. Wenn das stimmte, dann war ich im Moment auf solch einem natürlichen Weg. Vielleicht waren hier Rehe unterwegs oder Wildschweine. Menschen hatten ihn sicher nicht angelegt.
Um nicht wieder in die Irre zu gehen, musste ich die Sonne gut im Blick behalten und während sie nach oben und Süden wanderte, mich entsprechend anpassen, um immer weiter auf dem Weg nach Osten zu bleiben.
Ich konnte die Zeit nicht abschätzen, aber nach etwa einer Stunde erreichte ich einen Waldweg. Einen breiten, angelegten Waldweg der in mitten von Buchen, geraden Weges durch den Wald führte.
Ein wenig hoffte ich, jemand zu begegnen, einem Jogger oder dem Förster, um endgültig sicher zu sein, dass ich auf dem richtigen Weg war. Aber dann dachte ich an meine herunter gekommene Erscheinung und fand, ich sollte besser glücklich sein, wenn mich niemand sah.
Entspannt wanderte ich vor mich hin und teilte meine Kräfte ein. Trotz des Hungers, fühlte ich mich kräftig genug noch ein Stück laufen zu können. Es war eher der Durst, der mir zunehmend Gedanken machte. Mein Mund war trocken und ich hatte einen metallenen Geschmack im Mund, wie nach Blut, der leicht salzig, wie Schweiß war. Ich bekam nicht mal genug Speichel zusammen, um ausspucken zu können.
Nach etwa einer weiteren halben Stunde, endete der Weg vor zwei dichten Baumreihen. Es war, als käme ich an einen Grenzübergang und stünde, vor einer Reihe Wachleuten, die darauf warteten, dass ich meine Papiere auspackte, mich auswies, damit sie darüber entscheiden konnten, ob ich weiterdurfte.
Ich war entschlossen mich durch keine Sackgasse aufhalten zu lassen. Ich war mir sicher, ziemlich exakt auf dem Weg nach Osten geblieben zu sein und es konnte kein Fehler sein, auf diesem Weg zu bleiben.
Ich steuerte auf die dicht beieinanderstehenden Bäume zu.

07/20 PGF

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