Der Älteste / The eldest (1)

1.

Ich nahm noch einen Schluck Whiskey und entzog mich, ihrem forschenden Blick. Dieser Blick sollte mir sagen, dass sie etwas Geheimnisvolles an mir entdeckt hatte, dass ihr gefiel und sie gerne etwas mehr erforschen würde.
Dabei ging es nicht darum, ob ich geheimnisvoll bin – was ich nicht bin, der Blick sollte meine Eitelkeit stimulieren und mich empfänglich machen, damit ich ihr im Gegenzug signalisierte: was für eine tolle Frau sie war, was für eine umwerfende Menschkenntnis sie besaß. Aber Menschenkenntnis: Nada! Sie war nicht klug und ich nicht geheimnisvoll.
Ich wusste was sie suchte. Sie gehörte zum Typ Frau, die aus einer Laune, mit einem Mann anbandeln und, wenn sie merken, dass er sie enttäuschen wird, sich in ihn verlieben, um die nächsten Wochen und Monate damit zu zubringen, dies jeder Freundin zu erzählen, um sich die passende Portion Mitleid abzuholen. Das füllte die Leere, in einem Leben, welches aus nichts bestand außer: Verliebtsein und Selbstmitleid.
Das war nichts für mich. Das war nicht was ich suchte. Ich suchte nichts.
Ich kam jeden Mittwoch ins „Brewski“, nicht um etwas zu finden, sondern, um im besten Fall, etwas zu vergessen: mein Leben, meine Einsamkeit, mein hundert Wehwehchen, die täglich zunahmen und irgendwann, auf einem Totenschein, als Sterbeursache vermerkt werden würden.
Von irgendeinem blassen Pathologen, der nach acht Stunden Dienst nicht genau hinsehen würde, ob dies oder jenes wirklich die Todesursache war, sondern einfach, das Naheliegende notierte, um endlich Feierabend zu machen.
Das „Brewski“ war meine Lieblingsbar in Ogden. Es gab noch zwei, drei nette Sportsbars das „Bout Time Pub & Grub Ogden“, das „Steiny´s Family Sports Bar & Grill“ und, wenn ich gut essen wollte, dann ging ich zum „Gig´s Tavern“. Aber um meinen Whiskey zu trinken und mein Leben zu vergessen, dafür ging ich ins „Brewski“.
Ich war mir nicht sicher, ob die Lady an meinem Tisch aus Ogden kam. Ich hatte sie noch nicht gesehen, was aber nichts hieß. Ich lebte selbst erst seit drei Jahren hier und hatte vorher in Salt Lake City und davor in Colorado Springs gelebt.
Ich liebte diesen Teil der USA. Ich liebte sonst nicht davon. Was sollte man lieben? Die Zyklen, in denen Kriege geführt oder initiiert wurden? Trump? Das Waffenrecht? Die Umweltzerstörung? Den Abwurf der ersten Atombombe? Die Armut unter Schwarzen? Die Psychosen der Weißen? Nein, was man lieben konnte, war das Land und die Menschen die es vor den Europäern besiedelt hatten. Das konnte man lieben. Deshalb war ich hierhergekommen und lebte recht gut, von dem was ich konnte.
„Sie reden nicht sehr viel?“
„Nein, das ist richtig. Ich denke lieber, sollten Sie auch versuchen. Man entdeckt tolle Sachen.“
Sie sah mich böse an.
„Halten Sie mich für dumm?“
Naiv, dachte ich.
„Nein.“ Sagte ich.
Ich wollte keinen Streit mit ihr. Obwohl es besser gewesen wäre. Sie würde sich mehr anstrengen und immer mehr verlieben, je abwertender ich sie behandelte.
Das war ein Scheiß Mechanismus, dass sich Nähe langweilig anfühlte, wenn sie leicht zu bekommen war. Ich hatte noch nicht den Vorhang gefunden, um dahinter zu sehen und herauszufinden, weshalb ich so war.
„Nein.“ Wiederholte ich. „Ich“, ich sprach es etwas lauter aus, „habe noch eine Menge zum Nachdenken. Deshalb bin ich wohl kein guter Gesprächspartner, für einen Abend in einer launigen Kneipe, wie dieser.“
Sie warf mir noch einen mahnenden Blick zu, sie nicht zu verletzten und erklärte mir, schon wieder versöhnt.
„Ach, kommen Sie. Denken Sie nicht so schlecht von sich. Sie sind ein toller Mensch. Das weiß ich. Wissen Sie, ich habe diese besondere Begabung, Menschen direkt ins Herz zu sehen. Ich kann ihre Energie lesen.“
Und wie sieht meine aus, dachte ich amüsiert, nach Scotch oder Bourbon?
„Sehen Sie“, sagte ich kühl, „ich glaube, an so etwas nicht. Die Einzigen, die sich wirklich mit Energien auskennen sind Physiker und ich nehme nicht an, dass Sie meine Quanten sehen.“
Sie lächelte kühn.
„Unterschätzen Sie mich nicht! Ich habe mich auch schon mit Quantenheilung beschäftigt.“
„Tatsächlich? Mit Gluonen? Ich finde das Thema der Farbladungen faszinierend. Obwohl ich denke, man sollte die Gell-Mann-Matrizen nochmals überprüfen.“
Sie sah mich irritiert an.
„Jetzt machen Sie wieder Spaß mit mir?“
Sie tat mir leid. Ich versuchte es zu retten.
„Sie sagen doch, dass Sie Energien sehen?“
„Ja.“
„Also die Aura?“
„Genau.“
„Sehen Sie, die Gluonen sind zuständig, für die Farbe, die Sie sehen.“
Ich hoffte, sie nahm mir das ab.
„Ach so. Das ist aber faszinierend. Also beschäftigen Sie sich auch mit Esoterik?“
„Entfernt“, log ich.
„Wie sollte man das auch nicht, hier wo einst die Medizinmänner tanzten und Kontakt mit den Göttern aufnahmen.“
Ich nickte und nippte an meinem Whiskey.
„Bis sie das Schießpulver der weißen Siedler zu schmecken bekamen.“
„Ja, schrecklich.“
„Übrigens unsere Vorfahren.“
Sie sah mich bestürzt an.
„Meine nicht, ich komme aus Illinois.“
„Dann haben Ihre Vorfahren, eben Indianer aus Illinois auf dem Gewissen.“
Sie schüttelte den Kopf und stand auf.
„Sie sind wirklich unmöglich.“
„Ja, das sagt man mir gelegentlich.“
„Kein Wunder, dass Sie den ganzen Abend allein hier sitzen.“
„Auch das.“
Sie dampfte davon und ich leerte mein Glas.
Es war Zeit nach Hause zu gehen. Ich hatte noch ein gute Flasche Daniels im Kühlschrank. Mit dem „Brewski“ war ich für heute durch.

08/20 PGF

1.

I took another sip of whiskey and escaped her inquiring eyes. This look was to tell me that she had discovered something mysterious about me that she liked and would like to explore a little more.
It wasn’t a question of whether I was mysterious – which I wasn’t, the look was to stimulate my vanity and make me receptive, so that in return I would signal to her: what a great woman she was, what a stunning knowledge of human nature she possessed. But knowledge of human nature: Nada! She was not clever and I was not mysterious.
I knew what she was looking for. She belonged to the type of woman who, on a whim, flirts with a man and, when they realize that he will disappoint them, falls in love with him and spends the next weeks and months telling this to every friend to get the right portion of pity. This filled the void, in a life that consisted of nothing but: being in love and self-pity.
That was not for me. That wasn’t what I was looking for. I was looking for nothing.
I came to the „Brewski“ every Wednesday, not to find something, but, at best, to forget something: my life, my loneliness, my hundred aches and pains, which were increasing daily and would one day, on a death certificate, be recorded as the cause of death.
By some pale pathologist who, after eight hours on duty, would not look closely at whether this or that was really the cause of death, but simply noted down the obvious to finally call it a day.
The „Brewski“ was my favourite bar in Ogden. There were two or three other nice sports bars the „Bout Time Pub & Grub Ogden“, the „Steiny’s Family Sports Bar & Grill“ and, if I wanted to eat well, I went to the „Gig’s Tavern“. But to drink my whiskey and forget my life, I went to the „Brewski“.
I wasn’t sure if the lady at my table was from Ogden. I hadn’t seen her yet, which didn’t mean a thing. I myself had only lived here for three years and before that I had lived in Salt Lake City and before that in Colorado Springs.
I loved this part of the USA. I loved nothing else about it. What is there to love? The cycles in which wars were fought or initiated? Trump? The gun laws? The destruction of the environment? The dropping of the first atomic bomb? Poverty among blacks? The white man’s psychosis? No, what you could love was the country and the people who had settled it before the Europeans. You could love that. That’s why I had come here and lived pretty well on what I could.
„You don’t talk much?“
„No, that’s right. I prefer thinking, you should give it a try. You discover great things.“
She looked at me angrily.
„Do you think I’m stupid?“
Naive, I thought.
„No, I don’t think you’re stupid.“ I said.
I didn’t want to fight with her. Although it would have been better. She’d try harder and fall in love with me the more I belittled her.
It was a shitty mechanism, that closeness felt boring when it was easy to get. I hadn’t found the curtain yet to look behind it and find out why I was like that.
„No.“ I repeated. „I,“ I said „I“ a little louder, „still have a lot to think about. That’s probably why I’m not a good conversationalist for an evening in a quirky pub like this.“
She gave me another admonitory look at me, warning me not to hurt her, and told me she was reconciled again.
„Oh, come on. Don’t think so badly of yourself. You’re a great person. I know you are. You know, I have this special ability to look people straight in the heart. I can read their energy.“
And what does mine look like, I thought with amusement, after Scotch or bourbon?
„You see,“ I said coolly, „I don’t believe in that kind of thing. The only people who really know about energies are physicists, and I don’t suppose you see my quanta.“
She smiled boldly.
„Don’t underestimate me! I’ve studied quantum healing too.“
„Have you? Gluons? I find the subject of color charges fascinating. Although I think the Gell-man matrices should be checked again.“
She looked at me confused.
„Now you’re making fun of me again?“
I felt sorry for her. I tried to save it.
„You say you see energies?“
„Yes.“
„So the aura?“
„That’s right.“
„You see, the gluons are responsible for the colour you see.“
I was hoping she’d buy that.
„I see. Well, this is fascinating. So you’re into esotericism as well?“
„Remotely,“ I lied.
„How could you not, here where medicine men once danced and made contact with the gods?“
I nodded and sipped my whiskey.
„Until they tasted the gunpowder of the white settlers.“
„Yes, it was terrible.“
„By the way, our ancestors.“
She looked at me in astonishment.
„Not mine. I’m from Illinois.“
„Well, then your ancestors in Illinois killed Indians.
She shook her head and got up.
„You’re really rude.“
„Yes, so I’ve been told.“
„No wonder you sit here all evening alone.“
„That too.“
She steamed away and I emptied my glass.
It was time to go home. I had a good bottle of Daniels in the refrigerator. I’d finished the Brewski for today.

08/20 PGF

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

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