Der Älteste / The eldest (2)

2.

Das Telefon klingelte zu früh. Ich wusste nicht, ob es 6.00 Uhr oder 10.00 Uhr war, aber es war für meinen schweren Kopf zu früh.
Ich öffnete die Augen und sie brannten, als hätte man mir Salz hinein gerieben. Es war hell draußen, heller als 6.00 aber nicht hell genug für 10.00.
Mein Klingelton drängelte erneut. Auf dem Nachttisch neben mir spiegelt sich mein Gesicht unscharf in einer leeren Flasche Jack Daniels.
Okay, die hatte ich also noch vernichtet.
Wieder der Klingelton. Okay, das war jemand mit Ausdauer. Vermutlich jemand der mich kannte: ein Klient, der mich nicht zum ersten Mal kontaktiert oder einer meiner wenigen Freunde, der wusste, dass Sturheit am Telefon der beste Weg war, um zu mir durchzudringen.
Ich nahm die nervige, kleine Kiste in die Hand und starrte auf das Display. Es war Kholaya, mein indianischer Freund.
„Yep, Kho´ was geht?“ Fragte ich, während ich mich zurück in mein Kopfkissen fallen ließ und die Augen schloss.
„Bist du schon wach?“
„Jetzt ja.“
„Nein, ich meine auf den Beinen, angezogen, damit ich dich abholen kann?“
Ich sah an mir herab, meine Eier hingen aus meinen Boxershorts.
„Also für eine heiße Lady wäre ich top dressed.“
„Okay, ich bin in fünf Minuten bei dir.“
„Yo Kho´ warte. Du bist keine Lady und ich habe nur Boxershorts an. Um was geht es denn?“
„Wir müssen meinem Onkel helfen. Ich bring dich zu ihm ins Reservat.“
„Kho´ nein. Da sind wir drei Stunden unterwegs.“
„Doch. Wir halten kurz bei „Pig & a Jelly Jar“, dann kannst du etwas essen und bekommst deinen Liter Kaffee.“
„Du kannst dir meine Dienste überhaupt nicht leisten, Kholaya.“
„Komm schon weißer Bruder, es sollte dir eine Ehre sein, in dieser Sache, mein Bounty Hunter zu sein.“
„In welcher Sache?“
„Erzähle ich dir beim Pig & Jelly“.
Er legte auf.
Ich fluchte. Kholaya war wie ein verfickter deutscher Beamter, wenn er sagte, er war in fünf Minuten da. Dann kam er in nicht in sechs. Außerdem war konnte man ihm nichts abschlagen, weil er viel zu liebenswert war, als dass man hätte nein sagen können.
Wir hatten uns im „Brewski´s“ kennengelernt, wo er vor drei Jahren, an der Theke jobbte, als ich frisch nach Ogden kam.
Er nahm sich immer etwas Zeit, um sich mit mir zu unterhalten, während ich mir meine Drinks gönnte. So freundeten wir uns langsam an.
Vermutlich ersetzte ich ihm, ein wenig den Vater, den er nie hatte. Sein Daddy war, als er gerade drei war, im Suff mit dem Auto gegen einen Baum gerast. Und, weil ich soff, ihn aber nett behandelte, fühlte er sich vertraut und wohl mit mir.
Wenn er frei hatte und ich Zeit, fuhren wir in die Berge zur Jagd und ich lernte ein paar seiner Freunde kennen. Durch Kho knüpfte ich auch im „Brew“ ein paar lose Kontakte, die sich hielten, als er die Arbeit an der Theke aufgab. Mittlerweile machte er eine Lehre, als Mechaniker, bei einer Autowerkstatt in Ogden.
Ich schwang mich hoch und mir wurde schlecht. Mein Kopf dröhnte und in meinem Magen schwappte unverdauter Whiskey, dessen Aufnahme meine Leber verweigert hatte, hin und her, wie ein Meer in Aufruhr.
Nicht zum ersten Mal, versuchte ich mir klar zu machen, dass ich, als Kopfgeldjäger kein Säufer sein sollte. Aber das sollten auch Piloten und Chirurgen nicht und trotzdem waren sie es manchmal und es waren nicht die schlechtesten.
Genau genommen war ich ein Bounty Hunter plus. Ich setzte Kautionsforderungen um, verdiente mein Geld aber auch als PI, als Privatdetektiv. Lukrativ war die Arbeit als Kopfgeldjäger, weil in einem Land, welches immer mehr verkam, immer mehr Menschen Straftaten begingen, ohne ihre Strafen dafür begleichen zu können. Die trieb ich ein, manchmal diplomatisch und, wenn nötig, mit etwas mehr Druck.
Die Arbeit machte mich nicht wirklich Spaß. Ich musste mir immer Leute vornehmen, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekamen und ihre Situation wurde durch mich nicht besser. Aber die Arbeit war gut bezahlt und machte mich frei, dort zu leben, wo ich gerade Lust hatte. Was mir gefiel und notwendig war, weil ich nach ein paar Jahren, in jedem Ort so viele Feinde hatte, dass ich ihn besser verließ.
In Ogden würden mir noch ein, zwei Jahre bleiben.

08/20 PGF

2.

The phone rang too early. I didn’t know if it was 6:00 or 10:00, but it was too early for my heavy head.
I opened my eyes and they burned as if someone had rubbed salt into them. It was bright outside, brighter than 6:00 but not bright enough for 10:00.
My ringtone rang again. On the bedside table next to me my face was reflected blurred in an empty bottle of Jack Daniels.
Okay, so I had destroyed that one.
Again the ring tone. Okay, that was someone with stamina. Probably someone who knew me: a client who didn’t contact me for the first time or one of my few friends who knew that stubbornness on the phone was the best way to get through to me.
I took the annoying little box in my hand and stared at the display. It was Kholaya, my Indian friend.
„Yep, Kho‘ what up?“ I asked as I dropped back into my pillow and closed my eyes.
„You up yet?“
„I am now.“
„No, I mean on your feet, dressed so I can come get you?“
I looked down at myself, my balls hanging out of my boxers.
„So for a hot lady, I’d be top dressed.“
„Okay, I’ll be there in five minutes.“
„Yo, Kho, wait a minute. You’re not a lady and I’m only wearing boxers. What’s the deal?“
„We have to help my uncle. I’ll take you to him at the shelter.“
„Kho‘ no. We’ll be three hours away.“
„Yes, we are. We’ll stop at „Pig & a Jelly Jar“, and then you can have a bite to eat and a quart of coffee.“
„You cannot afford my services at all, Kholaya.“
„Come on white brother, it should be an honor to be my Bounty Hunter in this matter.“
„In what cause?“
„I’ll tell you at „The Pig & Jelly“.“
He hung up.
I swore. Kholaya was like a fucking German officer when he said he’d be there in five minutes. Then he came in not six. Besides, you couldn’t say no to him because he was far too lovable to say no.
We met at „Brewski’s“, where he worked at the bar three years ago when I first came to Ogden.
He always took some time to chat with me while I had my drinks. So we slowly became friends.
I suppose I replaced him, a little of the father he never had. His daddy, when he was three, got drunk and drove his car into a tree. And because I was drunk but treated him nicely, he felt familiar and comfortable with me.
When he was off work and I had time, we’d go hunting in the mountains and I’d meet some of his friends. Through Kho I also made some loose contacts in the „Brew“, which lasted when he quit working at the bar. Meanwhile he made an apprenticeship, as a mechanic, at a car repair shop in Ogden.
I swung myself up and got sick. My head was pounding and my stomach was sloshing undigested whiskey, which my liver had refused to absorb, back and forth like a sea in turmoil.
Not for the first time, I tried to make myself clear that I, as a bounty hunter, should not be a drunkard. But neither should pilots and surgeons, and yet sometimes they were, and they weren’t the worst.
In fact, I was a Bounty Hunter plus. I made bail bonds, but I also earned my money as a PI, as a private detective. The work as a bounty hunter was lucrative, because in a country that was going downhill more and more people were committing crimes without being able to pay their fines. I collected them, sometimes diplomatically and, if necessary, with a little more pressure.
I did not really enjoy the work. I always had to take on people who couldn’t get their lives in order and their situation didn’t get any better because of me. But the work was well paid and made me free to live where I wanted to. Which I liked and needed, because after a few years, in every place I had so many enemies that I left it better.
In Ogden, I’d still have a year or two left.

08/20 PGF

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

6 Kommentare

      1. Haha, Sonne und Balkon sind schon eine feine Verheißung für süßes Nichtstun an einem Sonntag. Aber Anerkennung zu erfahren ist dann halt doch nochmal… speziell 😉
        Genieß es!

        Gefällt 1 Person

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