Der Älteste / The eldest (5)

5.

Wir fuhren kurz vor 11.00 Uhr los und nahmen nicht die Route über Clearfield, sondern über die 84er über Henefer und Echo. Ich mag die Strecke lieber, weil man auf der Höhe von Park City zwischen den Twin Peaks und den Wäldern des Uinta-Wasatch-Nationalparks ein Stück grandiose Natur findet.
Während wir fuhren zogen über den Himmel ein paar dürre Wolken, wie ein gebrochenes Versprechen auf Regen. Jetzt, im August, dörrte das Land unter einer unerbittlichen Sonne und nur wer meinte, einem guten Freund ein Gefallen bereiten zu müssen, verließ einen klimatisierten Raum, um durch die Prärie zu fahren. Aber he! Auf dem Grunde meines harten Herzens, war ich ein feiner Kerl. Ich gab mir nur alle Mühe, das zu verbergen.
Aus den Lautsprechern, von Kho´s Van quoll süß und schwer und unendlich wehmütig die Trompete von Miles Davis. Ich wippte mit dem Finger zu „So What“ und sah zum Fenster hinaus.
Das Land war, dort wo es sich, in die Höhe, vor der Hitze zurückziehen konnte, saftig und grün. Die ideale Natur, um Touristen herzulocken, damit die ausspannen und sich mit Blick auf die Gipfel ringsum, neue Kraft für ein Burnout-Leben holen konnten.
Im Südwesten ragte der „Bald Knoll“ in den Himmel, der kahl aus der Reihe tanzte und in kurzer Distanz dazu der „Strawberry Peak“, tiefgrün und sanft ansteigend. Im Osten der „Current Creek“, die meiste Zeit des Jahres schneeweiß. Bei klarem Wetter, wie heute, waren auch der „Red Creek“ und der „Tabby Mountain“ zu sehen.
Saftig und grün blieb das Land, bis zum Strawberry Reservoir, einem wunderschönen Stausee, an dem man bei einem Bier stundenlang entspannt angeln konnte.
Dann wechselte die Landschaft, wurde karg und unwirtlich. Schon ab Fruitland, spätestens ab Strawberry. Jetzt kam man ins Reservat und wer eine Karte vor sich hatte, konnte auf ihr ablesen, wie kluge Siedler, die um die nutzbaren Landflächen wussten, umher ziehenden Indianern für wenig Geld, das gute Land genommen und das schlecht gelassen hatten.
Sicher, rund um Myton, im Süden und die 87er hoch nach Altonah, über Upalco und Alamont gab es etwas Lebensraum. Aber man musste nur die Einwohnerzahlen vergleichen, mit Altonah und seinen etwas mehr als 300 Einwohnern und Ogden mit über 80000, um sich vorzustellen, wo das Leben leichter war. Jede der Städte im Reservat stand im gleichen Verhältnis, mit jeder der Städte am Great Salt Lake.
Die Ute, die dieses Land über 1000 Jahre besessen hatten, waren das Jahr über zwischen diesem Grün der Ebenen, dem Weiß der Berge und dem Ocker der Canyons hin und her gewandert. Ein freies Volk unter freiem Himmel. Aber mit dem Sieg der weißen Siedler war ihnen nur der Teil geblieben, der kaum etwas hergab, um in einer modernen Welt zu überleben.
Ich sah zu Kholaya hinüber, der konzentriert die Straße im Blick behielt. Er war der Erbe dieses Volkes und ein wenig klüger, als seine Väter, die mit Alkohol und Gewalt das letzte Stück freien Geistes vernichtet hatten. Vielleicht mochte er mich deshalb: Weil ich etwas Wildes und Ungezähmtes, wie er, in mir hatte und es trotzdem zu etwas gebracht hatte.
Ich strich mir über die Stirn, die voller Schweiß stand. Trotz der Dusche stank ich nach Ausdünstungen von Schweiß und Whiskey. Der Ekel, über den Alkohol der letzten Nacht, verwandelte sich langsam in Gier nach Alkohol für diesen Tag.
Ich ließ diese Gier nicht immer gewinnen, es war eher ein Spiel zwischen mir und der Substanz die mein Gehirn manipulierte, bei dem ich immer wieder überraschte, in dem ich mich der Unterwerfung entzog und manchmal wochenlang nüchtern blieb. Bis mir das nüchtern sein zu viel und zu dumm wurde und ich mich gehen ließ, wie gestern. Auf und ab, vor und zurück, wie ein Boot dem ein Kapitän fehlt. Manchmal füllte ich mich, wie eine Zecke, der es um nichts anders ging, als sich solange im Fell halten zu können, bis sie sich festsaugen und ihr Überleben sichern konnte.
Als wir Myton erreichten, setzte Kho´ am Ortseingang den Blinker.
„Ich muss noch tanken.“
Er schwenkte, an die Zapfsäule, ein und stieg aus.
Ich wollte die Hitze im Auto nicht aushalten. Außerdem verlangten meine Beine nach etwas Bewegung. Deshalb stieg ich auch aus und sah mich um.
Ich war nicht oft hier, wusste aber, dass der Ort einige Gasthäuser besaß und dass das schräg gegenüber der Tankstelle, hinter dem Schotterparkplatz, eine Bäckerei war.
Vielleicht mochten es die Bewohner von Myton so, aber der Highway führte so an ihrem Ort vorüber, wie ein Schwinger der nur zart die Schläfe streift. Man konnte das Reservat durchqueren, ohne von Myton Kenntnis genommen zu haben. Der Ort lag abseits der Welt, vielleicht auch einfach nur geschützt vor ihr.
Kholaya hatte gezahlt und kam zurück.
„Magst du noch etwas trinken? Du siehst scheiße aus.“
„Ist meine Haut denn rot?“
„Nein, käseweiß, Bruder. Du könntest etwas Indianer-Teint brauchen.“
Ich schüttelte den Kopf und öffnete die Beifahrertür.
„Willst du deinen Onkel etwa noch länger warten lassen?“
„Ungern.“
„Dann komm!“

08/20 PGF

5.

We left shortly before 11.00 o’clock and did not take the route via Clearfield, but the 84 via Henefer and Echo. I like the route better because you find a piece of magnificent nature on the height of Park City between the Twin Peaks and the forests of the Uinta-Wasatch National Park.
While we drove, a few scrawny clouds moved across the sky, like a broken promise of rain. Now, in August, the land dried up under a relentless sun and only those who thought they had to do a favor for a good friend left an air-conditioned room to drive across the prairie. But hey! At the bottom of my hard heart, I was a fine fellow. I was just trying hard to hide it.
Out of the speakers, from Kho’s van poured sweet and heavy and infinitely melancholy the trumpet of Miles Davis I waved my finger at „So What“ and looked out the window.
The land was, where it could retreat from the heat, lush and green. The ideal nature to attract tourists, so that they could relax and get new strength for a burnout life with a view of the peaks all around.
In the southwest, the „Bald Knoll“ towered into the sky, dancing barely out of line, and at a short distance, „Strawberry Peak“, deep green and gently rising. In the east the „Current Creek“, snow white most of the year. In clear weather, like today, also the „Red Creek“ and the „Tabby Mountain“ could be seen.
The land remained lush and green until the Strawberry Reservoir, a beautiful reservoir where you could spend hours of relaxed fishing with a beer.
Then the landscape changed, became barren and inhospitable. Already from Fruitland, latest from Strawberry. Now one came into the reservation and whoever had a map in front of him could read on it, how clever settlers, who knew about the usable land areas, wandering Indians for little money, had taken the good land and left the bad.
Sure, around Myton, in the south and up the 87 to Altonah, over Upalco and Alamont there was some living space. But you only had to compare the population figures, with Altonah and its little more than 300 inhabitants and Ogden with more than 80000, to imagine where life was easier. Each of the towns on the reservation was in the same proportion, with each of the towns on the Great Salt Lake.
The Ute who had owned this land for over 1000 years had wandered back and forth between this green of the plains, the white of the mountains and the ochre of the canyons throughout the year. Free people in a free land. But with the victory of the white settlers, only that part of the land has remained, which hardly gave anything to survive in a modern world.
I looked over to Kholaya, who kept a concentrated eye on the road. He was the heir of this people and a little wiser than his fathers, who had destroyed the last piece of free spirit with alcohol and violence. Maybe that’s why he liked me: because I had something wild and untamed in me, like he had, and yet I had made it to something.
I stroked my forehead, which was full of sweat. In spite of the shower I stank of vapours of sweat and whiskey. The disgust over last night’s alcohol slowly turned into a greed for alcohol for the day.
I didn’t always let this greed win, it was more a game between me and the substance that manipulated my brain, in which I surprised again and again, escaping submission and sometimes staying sober for weeks. Until sobriety became too much and too stupid for me and I let myself go, like yesterday. Up and down, back and forth, like a boat that lacks a captain. Sometimes I felt, like a tick that had nothing else to do but to keep itself in the fur until it could suck itself in and secure its survival.
When we reached Myton, Kho‘ put on the blinker at the entrance to the village.
„I have to stop for gas.“
He swung in, pulled up to the pump, and got out.
I couldn’t stand the heat in the car. Also, my legs needed some exercise. So I got out of the car and looked around.
I hadn’t been here often, but I knew that the place had some inns and that diagonally opposite the gas station, behind the gravel parking lot, was a bakery.
Maybe the people of Myton liked it that way, but the highway passed by their place like a swinging ball that only gently touches the temple. You could cross the reservation without even knowing about Myton. The place was far away from the world, maybe just protected from it.
Kholaya had paid and returned.
„Would you like another drink? You look like shit.“
„Is my skin red?“
„No, cheesy white, brother. You could use some Indian complexion.“
I shook my head and opened the passenger door.
„Do you want to make your uncle wait any longer?“
„I’d rather not.“
„Well, let´s go!“

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

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