Der Älteste / The eldest (6)

6.

Außer Häusern, die eher Schuppen und Garagen glichen, besaß Neola nur drei Dinge, von denen mir eines vollkommen deplatziert schien: eine Poststelle, einen Lebensmittelhändler und eine Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Sie ahnen, was ich meine …
Wie auch immer.
Kho´s Onkel bewohnte, im Norden von Neola, das letzte Haus, im letzten Winkel, des 400-Einwohner-Kaffs.
Als wir ankamen saß er wartend auf einer Bank, die sich auf einer schmalen Veranda an die Holzvertäflung der Hauswand schmiegte.
Sobald er Kho´s Auto erkannte, erhob er sich und sah zu, wie sein Neffe den Wagen auf einen der beiden staubigen Parkplätze vor dem Haus lenkte.
Kho winkte ihm flüchtig, über das Lenkrad hinweg und konzentrierte sich, den Wagen zum Stehen zu bringen.
Ich sah ausdruckslos durch die Windschutzscheibe, mein Blick traf auf den prüfenden Blick, des älteren Indianers.
Wir stiegen aus und ich hatte das Gefühl, in eine Wolljacke gehüllt, eine gut beheizte Sauna zu betreten.
Kho´s Onkel erwartete uns. Als wir beinah vor ihm standen, streckte der Mann seine Hand aus. Kho ergriff sie mit beiden Händen und senkte ehrfürchtig den Kopf.
„Hallo Onkel“, sagte er und sah nicht auf.
„Hallo Kholaya“, antwortet der ältere Indianer und sah mich herausfordernd an.
Seine Erscheinung war nicht besonders beeindruckend für mich. Er trug, trotz der Hitze eine abgenutzte schwarze Lederjacke, unter der ein billiges Shirt, mit dem Logo einer Biermarke, hervorschaute. Seine Jeans waren staubig. Sein hartes, faltiges Gesicht verbarg er unter einem Cowboyhut, als hätte er die Seiten gewechselt und würde demnächst Jagd auf Rothäute machen. An seinen Ohren baumelten Ohrringe. Auf den zweiten Blick erkannte ich, dass sie Sonnen darstellten.
„Sir.“ Grüßte ich ihn mit einem Nicken, welches er erwiderte.
„Ist das der Mann der uns helfen soll, Kholaya?“
Sie nahmen wieder etwas Abstand zueinander.
„Ja, Onkel. Er ist ein Profi in dem was er tut.“
Der alte Indianer wirkte wenig überzeugt.
„Mein Name ist Skyler und wie heißen Sie?“
„Joe. Was Einfaches. Meine Eltern haben sich eher weniger Mühe mit mir gemacht.“
In seinen Augen flackerte etwas, wie Mitleid, dass mich traf und schwach fühlen ließ.
„Woher kennt ihr euch?“
„Aus dem „Brewski“, dieser Bar in Ogden, in der ich einen Sommer lang gearbeitet habe. Joe war dort öfter unser Gast, als er neu in die Stadt kam.“
„Sie sind nicht von hier?“
„Nein, ich ziehe von Ort zu Ort. Immer dorthin wo ich für mein Wigwam einen guten Platz finde.“
Skyler fand das nicht amüsant. Ich würde mir Mühe geben müssen, meine spitze Zunge zu beherrschen.
„Wir sollte nach drinnen gehen“, schlug Kho vor, um die Situation etwas zu entspannen.
Das Innere des Hauses war schlicht und bot außer einer Küche mit Gasherd, großem Kühlschrank und Einbauspüle und einem geräumigen Wohnzimmer, in dem ein Sofa stand, keinen Komfort. Eine Frau schien hier nicht zu leben. Es war ordentlich, aber nicht sauber.
Wir setzen uns.
„Onkel, jetzt erzähl doch mal, was geschehen ist.“
Skyler sah uns, einen nach dem anderen an. Seine Augen waren prüfend, alt, wachsam, erfahren, unergründlich traurig.
„Man hat mich überfallen.“ Erklärte der Indianer, mit ruhiger Stimme, die nicht verriet, ob ihn dies zornig oder ängstlich machte.
„Man hat dich überfallen? Ich dachte -“ „Haben Sie die Polizei gerufen?“ „-die hätten etwas gestohlen, als du weg warst!“ „Wir reden also von Raub, nicht von Diebstahl.“
Überschnitten sich Kho´s und meine Frage. Kho´s Frage aufgeregt, meine sachlich.
Skyler winkte ab.
„Wen soll ich anrufen? Die BIA? Das FBI? Ich glaube, weder der einen noch der anderen Sorte.“
Kho versuchte es mit einer Diskussion.
„Aber du kannst doch nicht einfach nichts tun! Was, wenn die wiederkommen? Wie soll ich dir helfen? Ich meine, Joe kann sicher ein paar Sachen checken. Aber, dass muss doch erstmal zu einer Behörde.“
Ich konnte nur schlecht, mein Schmunzeln unterdrücken, über Kho´s Gewissenhaftigkeit. In manchen Fällen, war die Polizei, aber nicht erwünscht. Skyler wäre nicht der erste meiner Klienten gewesen, der aus gutem Grund, keine offizielle Stelle in das einweihen wollte, was er vermisste. Man konnte schlecht auf die Polizeibehörde gehen und sagen: „Officer, entschuldigen Sie, mir wurde ein Kilo von meinem Kokain gestohlen. Ich würde das gerne zur Anzeige bringen.“ Nun, nach Koks sah mir Skyler nicht aus. Aber vielleicht handelte es sich trotzdem um etwas nicht ganz Legales.
„Und was wurde gestohlen?“ Fragte ich, um schneller einordnen zu können, ob ich die Finger besser von dieser Sache ließ.
„Etwas Wichtiges. Etwas, für mein Volk unersetzliches.“
Das half mir bei meiner Einschätzung nicht weiter.
„Und was wäre so wertvoll?“ Ich sah mich nochmals in dem Raum um und konnte nichts erkennen, was einen Einbruch hier erklären würde.
„Eine Schamanentrommel, die mein Großvater aus einem Mound retten konnte, ehe es von weißen Siedlern verwüstet wurde.“
„Mound?“
Ich sah nach Kho.
„Ein Indianergrab.“
„Ah, okay. Also hat die Trommel einen ideellen Wert?“
Skyler sah mich an, als wäre ich ein hoffnungsloser Fall.
„Sie hat einen unschätzbaren spirituellen Wert. Als die Weißen hier her kamen suchten sie Gold. Aber alles was es bei uns gab, war das Gold der Erkenntnis. Sie suchten unermesslichen Reichtum, aber wir hatten nur den Reichtum eines bescheidenen Lebens.“
„Soweit kenne ich die Geschichte – und die Trommel?“
„Die war einer der Schlüssel.“
Ich sah noch Kho, der nicht weniger ratlos, als ich wirkte.
„Für wen?“
„Für unsere Ältesten.“
„Die den „Schlüssel“ benötigten um?“
„Die richtigen Entscheidungen zu treffen?“
„Tut mir leid, das zu sagen, aber eure Ältesten hatten Scheiße an den Schuhen, wie man so sagt, bei ihren Entscheidungen. Sie haben stur auf Rechte und Traditionen gepocht, während man ihnen die Zelte über dem Kopf abgebaut hat.“
„Das ist die Sicht von euch Weißen, die ihr Erfolg darin seht, wenn sich euer Besitz mehrt und die ihr nicht verstehen, was ihr dafür verliert.“
„Ich denke, ihr wart einfach unterlegen.“
„Ihr habt uns betrogen!“ Fauchte Skyler.
„Ich schon mal gar nicht, aber Menschen gleicher Hautfarbe, wie ich. Ja, weil wir einen Tick cleverer waren.“
„Rücksichtsloser!“
„So, wie ihr zu den Pueblos.“
Das überraschte den alten Indianer. So war es mein Ziel. Ich ging nie in ein geschäftliches Gespräch, wenn ich nicht zumindest einen Schwachpunkt meines Gegenübers kannte.
Die Ute hatten ihren sesshaften Brüdern, den Pueblo-Indianern übel mitgespielt und sie immer wieder mit Raubzügen geschwächt. Deshalb war die Logik: Umherziehender Indianer beutet sesshaften Indianer aus, ist okay, sesshafter Weißer beutet umherziehenden Indianer aus, schlecht, nicht stimmig.
„Die Pueblo waren keine richtigen Indianer.“
„Weil sie Ackerbau betrieben und in Häusern lebten. Weil sie tüchtig, diszipliniert und klug waren?“
„Nein, weil Sie im Vorteil waren, weil sie den Kontakt hatten.“
Jetzt stand ich auf der Leitung.
„Zu wem oder was?“
„Zum Ältesten.“
„Wessen Ältesten?“
„Dem einen, um den sich alles handelt.“
Leider war ich an diesem Tag so unvernünftig, meinen Zynismus nicht zu bremsen, aber es war einfach zu verflucht heiß, um nicht genervt zu sein.
„Dem lieben Gott oder was?“
Kho´s Onkel stand auf. Er schien, von meiner Unterstützung bedient.
Er sah, nach seinem Neffen.
„Kho nimm diesen Mann und geht. Er hat keinen Respekt. Er hat keinen Stamm und ich glaube, sein Gehirn ist kleiner als eine getrocknete Bohne.“
Und verließ den Raum.

PGF 08/20

6.

Apart from houses that resembled more like sheds and garages, Neola had only three things, one of which seemed to me completely out of place: a post office, a grocery store and a Church of Jesus Christ of Latter-day Saints. You know what I mean.
Whatever.
Kho’s uncle lived in the last house, in the north of Neola, in the farthest corner of the 400 inhabitant village.
When we arrived, he was sitting waiting on a bench, which was nestled on a narrow veranda against the wooden frame of the house wall.
As soon as he recognized Kho’s car, he got up and watched as his nephew steered the car to one of the two dusty parking lots in front of the house.
Kho waved him fleetingly, over the steering wheel and concentrated on bringing the car to a halt.
I looked expressionlessly through the windshield, my gaze meeting the searching gaze of the older Indian.
We got out of the car and I had the feeling, wrapped in a wool jacket, of entering a well heated sauna.
Kho’s uncle was waiting for us. When we were almost in front of him, the man stretched out his hand. Kho grabbed it with both hands and lowered his head reverently.
„Hello uncle,“ he said and did not look up.
„Hello Kholaya,“ the elder Indian answered and looked at me defiantly.
His appearance was not particularly impressive to me. Despite the heat, he wore a worn black leather jacket, under which a cheap shirt with the logo of a beer brand peeked out. His jeans were dusty. He hid his hard, wrinkled face under a cowboy hat, as if he had changed sides and would soon be hunting for redskins. He had earrings dangling from his ears. At second glance, I could tell they were suns.
„Sir.“ I greeted him with a nod, which he returned.
„Is this the man to help us, Kholaya?“
They took distance from each other again.
„Yes, Uncle. He is a professional at what he does.“
The old Indian seemed unconvinced.
„My name is Skyler, and what is your name?“
„Joe. Something simple. My parents didn’t seem to have much trouble with me.“
There was something in his eyes, like pity, that hit me and made me feel weak.
„How do you two know each other?“
„From „Brewski“ the bar in Ogden where I worked one summer. Joe used to hang out there when he first came to town.“
„You’re not from around here?“
„No, I move from place to place. Always to find a good place for my wigwam.“
Skyler didn’t find that amusing. I would have to make an effort to control my pointy tongue.
„We should go inside,“ Kho suggested, to ease the situation.
The interior of the house was simple and offered no comfort except a kitchen with a gas stove, a large refrigerator and a built-in sink and a spacious living room with a sofa. A woman did not seem to live here. It was neat, but not clean.
We sit down.
„Uncle, now tell us what happened.“
Skyler looked at us one by one. His eyes were piercing, old, alert, experienced, inscrutable sadness.
„I was attacked.“ Explained the Indian, in a calm voice that would not reveal whether this made him angry or frightened.
„You were attacked? I thought -“ „Did you call the police?“ „-they’d stolen something while you were gone!“ „So we’re talking about robbery, not theft.“
Kho’s and my question overlapped. Kho’s question excited, my objective.
Skyler waved it away.
„Who should I call? The BIA? The FBI? I don’t trust either one or the other.“
Kho tried to have a discussion.
„But you can’t just do nothing! What if they come back? How can I help you? I mean, Joe can probably check a few things. But it’s gonna have to go to the authorities.“
I couldn’t help but stifle my smile at the Kho’s conscience. In some cases, the police were not wanted. Skyler wouldn’t have been the first of my clients who, for good reason, didn’t want to involve an official body in what he was missing. It was hard to go to the police department and say, „Officer, excuse me, I had a kilo of my cocaine stolen. I’d like to report it.“ Well, Skyler didn’t look like coke to me. But maybe it still wasn’t exactly legal.
„And what was stolen?“ So I asked, in order to speed things up, if I was better off not doing this…
„Something important. Something irreplaceable to my people.“
That didn’t help me make my assessment.
„And what would be so valuable?“ I looked around the room again and couldn’t see anything that would explain a break-in here.
„A shaman’s drum, which my grandfather managed to save from a mound before it was ravaged by white settlers.“
„Mound?“
I looked for Kho.
„An Indian burial ground.“
„Ah, okay. So the drum has sentimental value?
Skyler looked at me like I was hopeless.
„It has priceless spiritual value. When the white men came here looking for gold, all we had was the gold of knowledge. They sought immeasurable wealth, but we had only the riches of a humble life.“
„So far I know the story – and the drum?“
„The drum was one of the keys.“
I saw Kho, no less helpless than I seemed.
„For whom?
„For our elders.“
„Who needed the Key to…
„to make the right decisions?“
„Sorry to say, but your Elders had shit on their shoes, in their choices. They stubbornly insisted on rights and traditions while the tents were pulled down over their heads.“
„That’s the view of you white folks who see success in increasing your wealth and don’t understand what you’re losing in return.“
„I guess you just lost.“
„You betrayed us!“ Snarled Skyler.
„I certainly don’t, but people of my own race. Yeah, because we were a little bit smarter.“
„Reckless.“
„Like you were with the pueblos.“
That surprised the old Indian. That’s what I was going for. I never went into a business conversation if I didn’t know at least one weakness of my counterpart.
The Ute had mistreated their sedentary brothers, the Pueblo Indians, weakening them time and again with raids. So the logic was: roving Indian exploits settled Indian, is okay, settled white man exploits roving Indian, is not okay.
„The Pueblo weren’t real Indians.“
„Because they farmed and lived in houses? Because they were hardworking, disciplined and smart?“
„No, because they had the advantage of contact.“
Now I was off the line.
„To whom or what?“
„To the elder.“
„Whose elder?“
„The one that everything is about.“
Unfortunately, I was so unreasonable that day not to curb my cynicism, but it was just too damn hot not to be annoyed.
„The Good Lord or what?“
Kho’s uncle got up. He seemed, served by my support.
He looked after his nephew.
„Kho take this man and go. He has no respect. He has no tribe and I believe his brain is smaller than a dried bean.“
And left the room.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

PGF 08/20

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