Der Älteste / The eldest (7)

7.

„Das war nicht sehr hilfreich“, erklärte Kholaya mürrisch.
„Was? Dass ich diese Orakelsätze nicht verstanden habe? Weißt du Kho, ihr habt vielleicht euren Spaß mit diesen Andeutungen, aber das ist eine beliebte Masche, die kaschiert, dass wenig Substanz in einer Sache ist.“
Mir lag bei dieser Diskussion gar nicht an einer Meinung oder der Wahrheit, mir lag an der Dynamik der Positionen. Klar konnte ich, in den Indianern, Opfer expandierender Farmer sehen, aber, dass die Indianer sich im Selbstmitleid suhlten, nervte mich. Der Klügere zieht durch, war eine Tatsache. Die Indianer hatten sich übers Ohr hauen lassen. Ihr verletzter Stolz, schien das größere Problem, als das verlorene Land.
„Ja, aber die geistigen Dinge sind auch nicht einfach zu erklären.“ Verteidigte mein Freund seinen Onkel. „Für uns sind die Trommel und die Begegnung mit den Göttern, Dinge über die man nicht spricht. Es ist sehr schwer, für meinen Onkel, über etwas zu reden, über das er mit seinen eigenen Leuten nicht sprechen will. Jetzt soll er es einem Weißen erklären.“
„Gut, dann bin ich raus. Um einen realen Räuber, real zu fangen, muss ich den realen Wert, des realen Gegenstandes kennen, um reale Spuren zu verfolgen, die zu einer realen Festnahme führen. Alles andere, Kho, ist Bullshit. Sonst macht es mit der Trommel, wie mit ´nem Smartphone und versucht es zu orten. Wenn es voller Schwingungen ist, sollte das kein Problem sein.“
Kho sah mich verzweifelt hat. Ich ahnte, dass er schon ein wenig mehr wusste, als er zugab. Er stand in dem Zwiespalt mir nicht mehr zu sagen, als ein Onkel ihm erlaubt hatte und der wollte gar nichts mit mir zu tun haben und sagte nur so viel, dass sein Neffe den Eindruck erhielt, er versuche mit mir zusammenarbeiten.
„Das ist nicht so einfach.“ Murmelte er.
Ich legte meine Hände auf die Knie, als wolle ich mich daran machen, mich hochzustemmen.
„Ja, das glaube ich dir und auch deinem Onkel. Aber, wenn er kein Vertrauen in mich hat und denkt ich nehme mir Zeit um eine alte Rahmentrommel zu suchen, dann irrt er sich gewaltig.“
„Okay, Joe, okay. Ich spreche nochmal mit ihm. Ich bin sicher, dass wir es ohne dich nicht schaffen.“
Ich blieb sitzen.
„Und was macht dich da so sicher?“
„Weil sich, durch alle Zeiten, eines nicht geändert hat: Nur ihr Weißen kennt die Waffen genau, die ihr gegen uns einsetzt.“
Ich zuckte gelangweilt mit der Schulter.
„Na, ich weiß nicht. Versuch dein Glück.“
Kho verschwand und ich sah mich in dem kargen Raum um. Der karg war, wie die Landschaft, in dem dieses Haus stand. So wie die Hänge der Berge draußen, von nichts bewachsen waren, zierte im Haus nichts die Wände. Alles wirkte, wie eine Kulisse, als würde der Mann der hier lebte, nicht hier wohnen, sondern mit dem Haus nur den Eindruck vermitteln, sesshaft zu sein, während er tatsächlich von Ort zu Ort zog.
Einen festen Wohnort hatte ich auch nie besessen, aber, wenn ich wo wohnte, machte ich es mir gemütlich und kam gerne nach Hause, um bei einem kühlen Bier, an einem ordentlichen Fernseher, eine gute Sportsendung zu sehen. Aber hier lebte eher ein Geist, als ein Mensch. Ich dachte nicht, dass die Räume je ein Lachen vernommen hatten. Dass sich, aus der Küche, je den Duft von gebratenem Speck überall verteilt hatte. Dass im Bad jemand regelmäßig duschte und sein Rasierzeug bereitstehen hatte. Skyler war Gast in seinem eigenen Haus. Sein Zuhause war es nicht. Sein Zuhause war das Land draußen, vom Salt Lake bis nach Neola, von den Wäldern des Uinta-Wasatch-Nationalparks bis hinunter nach Strawberry. Wie ein Geheimagent in einer fingierten Wohnung lebt, lebte er hier. Belebt genug, um als Zuhause glaubwürdig zu erscheinen, anonym genug, damit niemand Spuren fand, wenn dieses Zuhause plötzlich verlassen war.
Kho und sein Onkel kamen zurück. Kho wirkte angespannt, aber zufrieden. Sein Onkel streng aber kompromissbereit.
„Hast du Zeit, dass wir die Nacht hier verbringen?“ Kho konnte die Erwartung, in seiner Stimme, kaum unterdrücken.
Ich dachte kurz nach.
„Ja, ich habe nichts auf der Agenda – wenn es Bier und Cracker gibt.“ Ich verzierte den Satz mit meinem breitesten Grinsen.
Kho schüttelte den Kopf.
„Die gibt es nicht. Aber mein Onkel meint, dass du nie verstehen wirst, wo von er spricht, wenn du nicht unseren Geistern begegnest.“
Ich konnte nicht anders und fragte amüsiert.
„Und die kommen heute Abend vorbei?“
Skyler übernahm.
„Nein, du wirst ihnen heute begegnen, wenn du dich würdig erweist. Sie werden entscheiden, ob du für unsere Sache bereit bist oder nicht.“
Ich unterdrückte die nächste bissige Bemerkung, weil ich Kho ansah, dass ich sonst unsere Freundschaft ernsthaft in Gefahr brachte.
„Okay. Dafür muss ich?“
„Mitkommen und das Haus eines Freundes besuchen.“
Kho zu liebe sagte ich: „Ja.“

08/20 PGF

7.

„That was not very helpful,“ Kholaya explained grumpy.
„What? That I did not understand these oracle phrases? You know Kho, you may have your fun with these insinuations, but it’s a popular trick that hides the fact that there is little substance in a thing.“
I wasn’t interested in opinion or truth in this discussion, I was interested in the dynamics of positions. Sure, I could see in the Indians victims of expanding farmers, but I was annoyed that the Indians were wallowing in self-pity. The smart one goes, that was a fact. The Indians had let themselves get taken. Their wounded pride seemed a bigger problem than lost land.
„Yes, but the spiritual things are not easy to explain either.“ My friend defended his uncle. „For us, the drum and meeting the gods are things you don’t talk about. It’s very hard for my uncle to talk about something he doesn’t want to talk about with his own people. Now he should explain it to a white man.“
„Well, I’m out. To catch a real robber, real, I need to know the real value of the real thing, to follow real leads that lead to a real arrest. Everything else, Kho, is bullshit. Otherwise, you should use track the drum, like a cellphone, if you got the vibro´s, it shouldn’t be a problem.“
Kho saw me in despair. I suspected he knew a bit more than he admitted. He stood in the ambivalence of not telling me more than his uncle had allowed him; and he didn’t want to have anything to do with me and said only so much that his nephew got the impression that he was trying to cooperate with me.
„It’s not that simple.“ He muttered.
I put my hands on my knees as if I was trying to lift myself up.
„Yes, I believe you and I believe your uncle. But if he has no faith in me and thinks I’m taking my time looking for an old frame drum, he is sorely mistaken.“
„Okay, Joe, okay. I’ll talk to him again. I’m sure we can’t do it without you.“
I got stuck.
„And what makes you so sure?“
„Because through all the ages, one thing hasn’t changed: Only you white folks know the weapons you use against us.“
I shrugged my shoulder in boredom.
„Well, I don’t know. Try your luck.“
Kho disappeared and I looked around the barren room. It was as barren as the landscape in which this house stood. Like the slopes of the mountains outside, overgrown with nothing. Everything looked like a backdrop, as if the man who lived here did not live here, but only gave the impression of settling down with the house, while he actually moved from place to place.
I had never had a fixed place of residence either, but if I lived where, I made myself comfortable and liked to come home to watch a good sports programme over a cold beer, on a decent TV. But here lived more a ghost than a human being. I didn’t think the rooms had ever heard a laugh. Or that the smell of fried bacon had ever left the kitchen. Or that someone in the bathroom showered regularly and had his shaving kit ready. Skyler was a guest in his own house. It wasn’t his home. His home was the land outside, from Salt Lake to Neola, from the forests of Uinta Wasatch National Park down to Strawberry. Like a secret agent living in a fake apartment, he lived here. Animated enough to seem credible as a home, anonymous enough so that no one would find traces when this home was suddenly abandoned.
Kho and his uncle came back. Kho seemed tense, but satisfied. His uncle strict but willing to compromise.
„Do you have time for us to spend the night here?“ Kho could barely contain the expectation in his voice.
I thought for a moment.
„Yes, I have nothing on the agenda – if there’s beer and crackers.“ I embellished the sentence with my broadest grin.
Kho shook his head.
„There’s no such thing. But my uncle says you’ll never know what he’s talking about unless you meet our spirits.“
I couldn’t help to ask, amused.
„And they will come tonight?“
Skyler took over.
„No, you will meet them tonight if you prove yourself worthy. They will decide if you are ready for our cause or not.“
I suppressed the next sarcastic remark because I looked at Kho, that otherwise I was putting our friendship at serious risk.
„Okay. „For this I must…“
„Come with me and visit a friend’s house.“
For Kho’s sake, I said, „Well, yes.“

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

08/20 PGF

5 Kommentare

      1. Na klar, alles zu seiner Zeit. Wollte nur kundtun, dass es Spaß gemacht hat zu lesen und ich sehr gespannt bin auf die Fortsetzung.

        Die Hitze soll heute gewittrig brechen, mal sehen. Bin nicht traurig, wenn.

        Gefällt 1 Person

      2. Ja, bei uns hats geklappt, es ist nimmer so heiß, hat immer wieder geregnet, Sonne und Wolken wechselten sich ab. Ich habs auch nicht mehr mit der Hitze (als ich jünger war, kein Problem, pralle Sonne!), das muss am Alter liegen 😛

        Jedenfalls hab ich eine feine Fortsetzung bekommen! 😉

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