Der Älteste / The eldest (9)

9.

„Das Haus“ des Freundes, war nur eine Redewendung. Es handelte sich um ein Zelt, am Ice Cave Peak, in dem wir einen Freund von Skyler trafen.
Von Neola aus, waren wir, mit dem Auto, noch eine Stunde unterwegs und dann noch etwa eine halbe Stunde zu Fuß.
Der Ausblick war grandios und, wenn ich auf die gesamte Veranstaltung, die mich an ein Gruppentherapeutisches Survival-Camp erinnerte, keine Lust hatte, versöhnte mich die Landschaft mit allem anderen.
Von einem Felsvorsprung, der über eine mehrere hunderte Meter hohe Felswand hinweg ragte, blickte ich in ein gewaltiges Tal aus dichten Wäldern, das überging in eine sanfte Hügellandschaft im Westen, hinter der, als wir eintrafen, langsam die Sonne unterging.
Vor dem Zelt des Indianers brannte ein Lagerfeuer und auf den Steinen briet Fleisch und Kartoffeln, in Alu-Folie, wie ich anhand der Form vermutete.
„Gibt´s Rippchen?“ Frage ich in die Runde, die mir der Umgebung entsprechend würdevoll, aber auch etwas steif erschien.
Der Indianer dem das Zelt gehörte antwortete.
„Ja, du musst für die Begegnung mit den Geistern gestärkt sein.“
Das war eigentlich alles was er sagte.
Wir setzen uns ans Feuer, über uns traten die Sterne an den Himmel und während Kholaya sich als Helfer seines Onkels und von dessen Freund erwies, saß ich entspannt beim Feuer und merkte, dass mir zum Essen, ein Whiskey fehlen würde oder drei.
Nachdem Essen gab Butterfly, wie ich mittlerweile wusste, dass der Indianer hieß, jedem einen Camping-Becher und füllte ihn mit einer hellen, sämigen Brühe. Mir wäre ein Whiskey lieber gewesen.
Während wir das bittere Gebräu zu uns nahmen, fragte mich Butterfly: „Hast du je von den 7 Städten der Cibola gehört?“
Ich verneinte, obwohl mir der Begriff flüchtig vertraut war. Da ich den Sud nur mit Ekel hinab bekam und fürchtete, im Schwall zu erbrechen, wenn ich zu reden begann, verneinte ich nur, mit einer Handbewegung.
„Als die Weißen unser Land eroberten, hörten Sie die Legende von 7 Städten, welche voller Gold, voller unermesslicher Schätze sein sollten.“
Ich versuchte konzentriert zu bleiben, während mein Magen das Gesöff des Indianers loswerden wollte.
„Aber sie wurden nicht fündig, denn das Gold, dass wir besaßen.“
„War das Gold der Weisheit.“ Brachte ich mit einem Schweißausbruch verbunden hervor.
„Ganz genau. Bei ihrer Suche nach dem Gold, fanden die Siedler die alten Städte der Pueblo-Indianer, welche in großen, geräumigen Siedlungen ein fortschrittliches Leben geführt hatten. Eines dieser Pueblo, das Pueblo Aztec, hatte große und kleine Zeiten hinter sich gebracht. Die Weißen verstanden nicht, was sie entdeckten. Plötzlich, wie aus dem Nichts, hatte sich das Pueblo geleert, um hundert Jahre später, nicht nur neu besiedelt zu werden, sondern um sogar noch fortschrittlicher gestaltet zu sein. Diese Leute folgten dem Rat des Ältesten.“
In meinem Kopf schwirrte es. Ich hatte das Gefühl, als wolle mir gleich der Schädel platzten. Wie bei einem heftigen Kater schien ich vor die Wahl gestellt zwischen: Alles erbrechen oder Kopfschmerzen leiden. Das machte mich etwas reizbar.
In meinem Kopf wiederholte sich der Dialog vom Mittag, aber ich war nicht sicher, ob ich ihn nur dachte oder aussprach.
„Ja, euren Ältesten“, kicherte ich und wunderte mich weshalb Butterflys Kopf plötzlich riesengroß war.
Ich sah mich um und saß statt mit Kholaya und Skyler, mit einem Bären und einem Schakal am Lagerfeuer. Beide saßen ganz ruhig und starrten in die Flammen, als wäre das ganz normal.
Meine Augen tränten heftig. Ich rieb sie, um wieder klarer sehen zu können, aber als ich aufhörte sie zu reiben und mich wieder umblickte war aus dem Zelt, eine Höhle und aus Butterfly ein Dämon geworden, der mich mit verzerrter Grimasse anstarrte.
Der Dämon sprach zu mir, aber seine Worte waren undeutlich und sie zu hören, fühlte sich an, als würde er mir die Ohren mit kaltem Wasser spülen.
„Unsere Ältesten standen in Kontakt mit den Göttern, mein weißer Bruder. Sie erhielten jeden Rat vom Ältesten, der bedeutsamer und wichtiger und klüger war, als jeder von ihnen. Der Älteste wanderte von Stamm zu Stamm und blieb immer eine Weile, bis der Stamm an Weisheit gewonnen hatte. Denn der Älteste wusste von Dingen, von denen kein Indianer wusste.“
„So, so. So, so“, lallte ich und erbrach im nächsten Moment, im Schwall alles was ich getrunken und gegessen hatte.
Der Schakal und der Bär lachten über mich, aber der Dämon kam zu mir und legte mir sanft die Hand auf die Schulter.
„Jetzt beginnt deine Reinigung. Jetzt, wo du die Dinge siehst, wie du sie siehst, aber wie sie nicht sind.“
Ich lachte, aber mein Lachen erschien mir falsch und aufgesetzt. Ich fühlte eine tiefe Traurigkeit in mir, eine mir alle Lebensfreude nehmende Traurigkeit.
„Sag dem Bär und dem Schakal, sie sollen aufhören zu lachen.“ Forderte ich.
Aber der Dämon war verschwunden. Das Lagerfeuer schien nun meterweit von mir entfernt, in den Nachthimmel zu flackern. Ich sah drei Gestalten dort sitzen, aber ich konnte nicht erkennen wer sie waren. Ich sah mich um und sah, dass ich am Abgrund lag. Irgendwie musste ich zu dem Felsvorsprung gekrabbelt sein. Hektisch schob ich mich von dem dunklen Abgrund weg, der unergründlich und endlos, wie der Nachthimmel über mir schien.
Ich schloss die Augen und versuchte mich nicht zu rühren. Ich sah das Gesicht meiner Mutter, kalt und unnahbar, dass meines Vaters fremd und strafend. Ich rannte mit Wölfen durch eine dunkle Ebene, selbst ein Wolf mit blutiger Schnauze, ich lag in einem leuchtenden Wasser und fühlte mich leicht und rein, aber als ich mich der Schwerelosigkeit überlassen wollte, sank ich ein, wie in einen Morast.
Dann sah ich Butterflys Gesicht über mir, hinter ihm der Sternenhimmel. Er fragte: „Träumst du noch?“
Ich hätte gerne: „Ja“, gesagt, aber ich wusste nicht mehr, wie man spricht und dann saß ich plötzlich in einem Kreis, mit einem Dutzend Indianern. Es war eine Höhle oder ein sehr dunkler, unterirdischer Raum. Wir murmelten gemeinsam Gebete und brachten uns in eine Trance, die uns immer tiefer erfasste.
Ein Indianer schlug monoton einen Takt auf einer Rahmentrommel, ein andere folgte dem Rhythmus mit einer Rassel und ein Dritter, umwob mit seiner Flöte den Takt, mit einer weichen Melodie.
Ich sah mich um, sah in die Gesichter der anderen sah nach rechts und links, immer weiter, bis mein Blick auf ein Geschöpf traf, dass keinem der anderen glich. Es sah aus, wie ein Reptil, nur das seine Augen klar und wissend wirkten. Die Augen saßen nicht seitlich im Kopf, sondern frontal, wie bei einem Menschen. Unsere Blicke begegneten sich und ich hatte das Gefühl, dass mir jedes Geheimnis genommen wurde. Jedes Geheimnis und jede Verletzung.
Plötzlich wurde es dunkel, sehr dunkel und kalt.

08/20 PGF

9.

„The friend’s house“ was just a figure of speech. It was a tent on Ice Cave Peak where we met a friend of Skyler.
From Neola, we were, by car, another hour on the road and then about half an hour on foot.
The view was magnificent and, if I didn’t feel like it for the whole event, which reminded me of a group therapeutic survival camp, the landscape reconciled me with everything else.
From a rocky outcrop that towered over a cliff several hundreds of meters high, I looked out into a vast valley of dense forests that merged into a gentle hilly landscape to the west, behind which, as we arrived, the sun was slowly setting.
In front of the Indian’s tent a campfire was burning and on the stones roasted meat and potatoes, in aluminium foil, as I guessed from the shape.
„How about some ribs?“ I ask into the round, which seemed dignified for the surroundings, but also a bit stiff.
The Indian who owned the tent answered.
„Yes, you must be strengthened for the encounter with the spirits.“
That was really all he said.
We sat down by the fire, the stars above us appeared in the sky and while Kholaya proved to be his uncle’s and his friend’s helper, I sat relaxed by the fire and realized that I would be missing a whiskey or three for dinner.
After dinner Butterfly, as I knew by now that the Indian was called, gave everyone a camping cup and filled it with a light, creamy broth. I would have preferred a whiskey.
As we ate the bitter brew, Butterfly asked me, „Have you ever heard of the seven cities of Cibola?“
I said no, though I was vaguely familiar with the term. Since I only got the brew down with disgust and feared to vomit in a gush when I started talking, I only denied, with a gesture of my hand.
„When the whites conquered our land, they heard the legend of seven cities full of gold, full of untold treasures.“
I tried to stay focused while my stomach tried to get rid of the indian’s swill.
„But they couldn’t find it, because the gold we had was gone.“
„Was the gold of wisdom.“ I brought it out in a sweat.
„That’s right. In their search for the gold, the settlers found the ancient cities of the Pueblo Indians, who had lived a progressive life in large, spacious settlements One of these pueblo, the Pueblo Aztec, had come through times great and small. The white people did not understand what they were discovering. Suddenly, as if from nowhere, the pueblo had emptied itself, only to be repopulated a hundred years later, not only to be repopulated, but to be made even more progressive. These people followed the advice of the Elder.“
My head was spinning. I felt like my head was about to explode. Like a violent hangover, I was faced with a choice: either vomit everything up or suffer a headache. That made me a little irritable.
In my head the dialogue of noon was repeated, but I wasn’t sure if I was just thinking it or speaking it out.
„Yes, your elders“, I giggled and wondered why Butterfly’s head was suddenly so huge.
I looked around and instead of Kholaya and Skyler, I sat around the campfire with a bear and a jackal. Both of them sat very calmly and stared into the flames as if it was normal.
My eyes were watering violently. I rubbed them in order to see more clearly, but when I stopped rubbing them and looked around me again, the tent had become a cave and Butterfly a demon, staring at me with a distorted grimace.
The demon spoke to me, but his words were unclear and to hear them felt as if he was rinsing my ears with cold water.
„Our elders were in contact with the gods, my white brother. They received every advice from the elder, who was more important and more important and wiser than any of them. The Elder wandered from tribe to tribe and always stayed for a while until the tribe had gained wisdom. For the elder knew things that no Indian knew.“
„Well, well. Well, well,“ I slurped, and the next moment, in a gush, I vomited up everything I had drunk and eaten.
The jackal and the bear laughed at me, but the demon came to me and gently put his hand on my shoulder.
„Now your purification begins. Now when you see things as you see them, but as they are not.“
I laughed, but my laughter seemed false and artificial. I felt a deep sadness within me, a sadness that took away all joy of life.
„Tell the bear and the jackal to stop laughing.“ I asked the demon.
But the demon was gone. The campfire now seemed to be flickering into the night sky meters away from me. I saw three figures sitting there, but I couldn’t make out who they were. I looked around and saw that I was lying on the precipice. Somehow I must have crawled to the ledge. Hectically I pushed myself away from the dark abyss, which seemed unfathomable and endless, like the night sky above me.
I closed my eyes and tried not to move. I saw my mother’s face, cold and unapproachable, my father’s strange and punishing. I ran with wolves through a dark plain, even a wolf with a bloody snout, I lay in a glowing water and felt light and pure, but when I wanted to surrender to weightlessness I sank down, like into a swamp.
Then I saw Butterfly’s face above me, behind him the starry sky. He said, „Are you still dreaming?“
I would have said, „Yes,“ but I didn’t know how to speak, and then suddenly I was sitting in a circle with a dozen Indians. It was a cave or a very dark underground room. We mumbled prayers together and put ourselves into a trance that took us deeper and deeper.
One Indian monotonously beat a bar on a frame drum, another followed the rhythm with a rattle and a third, woven his flute around the beat, with a soft melody.
I looked around, looked into the faces of the others, looked to the right and left, further and further, until my gaze met a creature that resembled none of the others. It looked like a reptile, only its eyes were clear and knowing. The eyes did not sit sideways in the head, but frontally, like a human being. Our eyes met and I felt that every secret was taken from me. Every secret and every injury.
Suddenly it became dark, very dark and cold.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

08/20 PGF

5 Kommentare

  1. Eine reizvolle sehr schöne Erzählung. Ich genieße… 😌
    Und beim Lesen entstanden in meinem Innern Bilder und Erinnerungen, das ist gut 🤗
    Was du schreibst, inspiriert mich.

    Ich wünsche dir einen feinen Sonntag, lieber Peter.

    Gefällt 1 Person

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