Der Älteste / The eldest (13)

13.

Wenn man viel einsam ist, tut man meist drei Dinge: man liest viel, trinkt viel oder kümmert sich um das Elend der Welt. Ich kombinierte normalerweise geschickt alles drei. Nachdem es aber aktuell mit dem Trinken haperte, ich kein gutes Buch fand, legte ich den Schwerpunkt darauf mich um Kho zu kümmern.
Ich folgte unserer letzten gemeinsamen Spur in Ogden und ging zum „Pig & Belly“ zum Frühstück. Auch dort hatte man Kho seit unserem letzten Besuch nicht gesehen.
Ich frühstückte hastig und fuhr nochmal bei ihm Zuhause vorbei. Aus seinem Briefkasten quoll Post, aber er öffnete nicht die Tür.
Sein Vermieter weigerte sich hartnäckig mich in die Wohnung zu lassen.
„Vergessen Sie´s! Der ist öfter mal weg. Vielleicht bei seinem Onkel im Reservat.“
„Da waren wir gerade vorgestern.“
„Dann fahren Sie heute nochmal hin. Ist ja um die Ecke.“ Konterte Kho´s Vermieter.
Da ich noch nicht genug besorgt war, das Ganze mit Gewalt durchzusetzen und dadurch Kho, am Ende, Ärger mit seinem Vermieter zu machen, wenn er wohlbehalten nach Hause kam, gab ich klein bei und dachte: „Fick dich!“, während ich mich abwandte.
So stand ich vor Kho´s Haus und hatte ein Problem: Wahrscheinlich war es am besten, nochmal zu Skyler zu fahren und zu sehen, was los war oder zu erfahren, ob der etwas wusste. Aber ich hatte kein Auto. Mir war eine Gefängnisstrafe, wegen Trunkenheit am Steuer, den Spaß nicht wert. Wenn ich trank, dann hätte man mich immer Extrem-DUI, erwischt und dafür lag die Untergrenze bei 30 Tagen Gefängnis plus behördliche „Spesen“.
Ich holte mein Smartphone aus der Tasche und sah nach, was „Greyhound“ mir zu bieten hatte. Das Ergebnis war eindeutig: 5 Stunden würde ich allein bis Roosevelt im Bus sitzen. Dann konnte ich mir aussuchen, ob ich drei Stunden Fußmarsch haben wollte oder mit etwas Glück beim Trampen in 15 Minuten in Neola war. Gefiel mir beides nicht. Der Gedanke an den möglichen Rückweg zog mir vollends den Stecker.
Da mir nichts Besseres einfiel, rief ich mir ein Taxi und fuhr nach Hause. Von Kho gab es weiterhin keine Spur und auf der Suche nach einer Handynummer von Skyler, im Internet, hatte ich kein Glück.
Ich gestand mir ein, dass ich entweder ein Freund sein musste und am nächsten Morgen mit dem Bus den Weg nach Neola einschlagen oder es so machen, wie ich es immer tat: mein Leben ungesteuert auf den Abgrund zu rasen lassen und, wenn es abstürzte und ich überlebte, suchte ich mir ein neues suchen.
Als es Abend wurde, machte ich mich auf den Weg zum „Brewski“. Die Straßen waren gut belebt, um diese Jahreszeiten, denn es suchten auch einige Touristen den Weg in die Stadt, um von hier aus die Canyons und die wilde Natur zu erkunden.
Ich schlenderte durch die Straßen und sah den Menschen bei ihren Leben zu. Den Verkäufern und Kellnern, die ihre Ware an die Kundschaft zu bringen versuchten, junge Einheimische die beim Bier mit Freunden, den Feierabend genossen. Mütter die erschöpft davon, ihre Kinder den Tag über zu maßregeln, einen Caffè Latte schlürften, während ihre Männer bei einem Drink, den Blick auf einen der Bildschirm hefteten, auf denen Football, Baseball oder Basketball lief.
Es waren runde überschaubare Leben, mit etwas Spaß, Geselligkeit, Arbeit und Familiendrama, die aus dem Nichts begonnen hatten und im Nichts enden würden. Wie ein Satellit, in seiner Laufbahn, um die Erde, umkreiste ich diese Leben, als Beobachter. Manchmal erfüllte ich einen Zweck, manchmal nutzte man mich, um etwas auszuspionieren oder um eine Information weiterzugeben, aber die meiste Zeit kreiste ich unbemerkt in meinem Orbit.
Ich erreichte das Brewski. Das an diesem Abend brechend voll war. Die Leute standen bis vor die Tür und warteten auf einen freien Tisch. Ich ließ mich davon nicht aufhalten und drängelte mich vorbei, im sicheren Vertrauen auf einen Platz an der Theke.
Es gab dort einen Stuhl, der den Angestellten vorbehalten war, um Pause zu machen. Aber so voll, wie der Laden war, würden die heute nicht dazu kommen.
Wie erwartet war der Stuhl frei. Es stand eine Kiste mit Dosen drauf, in denen sich Tomatensauce befand und nach einem kurzen Blickwechsel mit Doug, stellte ich die Kiste neben mich auf den Boden und setzte mich auf den Stuhl.
Es dauerte bis mich jemand bediente, aber zum Ausgleich für die Wartezeit, stellte ich erfreut fest, dass es Lily war. Sie sah gestresst aus, ihre blonden Locken hielten sich nur dürftig, denn sie schwitzte ordentlich. Aber ihre Augen strahlten lebenshungrig.
„Na, Joe! Was soll es sein?“
„Einen doppelten Whiskey sour.“
Sie nickte.
„Okay, kommt sofort.“
Drei Sour später, leerte sich das Brewski langsam. Ich war zufrieden, dass mir der Whiskey wieder schmeckte und Lily wirkte zufrieden, dass sie die Arbeit langsam hinter sich hatte und vermutlich einen ordentlichen Trinkgeldbeutel besaß.
Sie fing an die Theke zu putzen und kam dabei auch in meine Ecke.
„Soll ich aufstehen, dass du mal Pause machen kannst?“ Fragte ich höflich.
Sie lächelte.
„Nein, ist okay, wenn ich mich heute setze, stehe ich nicht mehr auf.“
„Das war ja bummsvoll heute.“
„Ja, als würden wir morgen schließen.“
Sie wischte mit einem Fensterleder über die Metallflächen bis sie glänzten.
„Du bist jeden Abend hier.“
„Ja, fast.“
Sie dachte nach.
„Hast du deinen Freund gefunden?“
Ich freute mich, dass sie sich erinnerte, dass ich ihr davon erzählt hatte.
„Nein, leider nicht. Vermutlich nehme ich morgen einen Bus, um ihn bei seinem Onkel, im Reservat zu suchen.“
„Du hast kein Auto?“
Ich zeigte auf meinen Sour.
„Nein, ist besser so.“
Sie nickte.
„Sehr vernünftig“, meinte sie und putzte sich von mir fort.
Ich betrachtete mein Glas und fand, dass es Zeit war schlafen zu gehen.
Ich schob den Barhocker nach hinten und stand auf.
Lily kam nochmal vorbei.
„Du gehst schon.“
„Ja, die Uni morgen“, sagte ich mit einem Augenzwinkern.
Sie sah mich ernst an.
„Wenn du willst, kann ich dich morgen fahren. Ich habe hier frei und bin mit meinen Arbeiten für die Uni durch. Ich war lange nicht im Reservat und kann ein paar Sachen für meine Hausarbeit überprüfen.“
Ich versuchte nicht euphorisch zu reagieren.
„Ja cool, wenn du Zeit hast. Wir treffen uns?“
„Ich hol dich ab!“
„Okay, dann hier meine Adresse.“
Ich schrieb ihr die Straße auf ein Stück Papier, das sie mir gab.
„Dann bis morgen.“
Wir lächelten uns zu und mit exakt diesem Lächeln schlief ich zuhause ein.

08/20 PGF

13.

If you are lonely a lot, you usually do three things: you read a lot, drink a lot or take care of the misery of the world. I usually skillfully combined all three. But since drinking was currently a problem and I couldn’t find a good book, I decided to focus on taking care of Kho.
I followed our last common trail in Ogden and went to the „Pig & Belly“ for breakfast. Also there Kho had not been seen since our last visit.
I had a hurried breakfast and drove by his home again. Mail came out of his mailbox, but he didn’t open the door.
His landlord stubbornly refused to let me into the apartment.
„Forget it! He’s away from home a lot. Maybe at his uncle’s place on the reservation.“
„We were there the day before yesterday.“
„Then go back today. It’s just around the corner.“ Countered Kho’s landlord.
Since I was not yet worried enough to enforce the whole thing by force and thus cause Kho, in the end, trouble with his landlord when he came home safely, I gave in and thought: „Fuck you“ while I turned away.
So I stood in front of Kho’s house and had a problem: Probably best to go back to Skyler and see what was going on or find out if he knew anything. But I had no car. I wasn’t worth the fun of a prison sentence for drunk driving. If I drank, I would always be caught with extreme DUI, and the minimum limit was 30 days in jail plus official „expenses“.
I took my smartphone out of my pocket and checked what „Greyhound“ had to offer me. The result was clear: 5 hours I would sit alone in the bus until Roosevelt. Then I could choose if I wanted to have a three hour walk or with a bit of luck hitchhiking I would be in Neola in 15 minutes. I didn’t like either. The thought of the possible way back completely pulled the plug on me.
Since I couldn’t think of anything better, I called a cab and drove home. There was still no trace of Kho and I had no luck finding Skyler’s cell phone number on the Internet.
I admitted to myself that I either had to be a friend and take the bus to Neola the next morning, or do what I always did: let my life race uncontrolled towards the abyss and, if it crashed and I survived, I would look for a new one.
When evening came, I set out for the „Brewski“. The streets were well animated at this time of the year, because some tourists were also looking for the way to the city to explore the canyons and the wild nature from here.
I strolled through the streets and watched the people at their lives. The salesmen and waiters who tried to bring their goods to the customers, young locals who enjoyed the end of the day with friends over a beer. Mothers, exhausted from disciplining their children throughout the day, sipped a caffè latte while their husbands, having a drink, staring at one of the screens showing football, baseball or basketball.
They were round, manageable lives, with a little fun, sociability, work and family drama, which started from nothing and would end in nothing. Like a satellite, in its orbit around the earth, I orbited these lives, as an observer. Sometimes I fulfilled a purpose, sometimes I was used to spy on something or to pass on information, but most of the time I was circling unnoticed in my orbit.
I reached the Brewski. Which was packed that evening. People stood outside the door and waited for a free table. I didn’t let this stop me and pushed my way past, trusting that there was a place at the bar.
There was a chair reserved for the employees to take a break. But as crowded as the store was, they would not be able to get there today.
As expected, the chair was free. There was a box with cans of tomato sauce on it and after a quick look with Doug, I put the box next to me on the floor and sat down on the chair.
It took a while for someone to serve me, but to make up for the wait, I was pleased to discover that it was Lily. She looked stressed, her blonde curls were holding up poorly because she was sweating a lot. But her eyes were shining with life.
„Well, Joe! What’s it gonna be?“
„A double whiskey sour.“
She nodded.
„Okay, coming right up.“
Three Sours later, Brewski was slowly emptying out. I was satisfied that the whiskey tasted good again and Lily seemed satisfied that she had slowly finished work and probably had a decent tip.
She started to clean the bar and came into my corner.
„Should I get up so you can take a break?“ I asked politely.
She smiled.
„No, it’s okay. If I sit down today, I won’t get up again.“
„That was a bumpy day.“
„It’s like we’re closing tomorrow.“
She wiped the metal surfaces with a chamois until they were shiny.
„You’re here every night.“
„Yeah, almost.“
She thought.
„Did you find your friend?“
I was glad she remembered me telling her about it.
„No, unfortunately. I’ll probably take a bus tomorrow to look for him at his uncle’s place on the reservation.“
„You don’t have a car?“
I pointed to my Sour.
„No, it’s better this way.“
She nodded.
„Very reasonable,“ she said, cleaning herself away from me.
I looked at my glass and thought it was time to go to sleep.
I pushed the barstool back and got up.
Lily came over again.
„You’re leaving.“
„Yeah, college tomorrow,“ I said with a wink.
She looked at me seriously.
„If you want, I can drive you tomorrow. I’m free here. I’m done with my schoolwork. I haven’t been on the reservation for a long time and I can check a few things for my term paper.“
I tried not to react euphorically.
„Yeah cool, if you have time. Meet me?“
„I’ll pick you up!“
„Okay, then here’s my address.“
I wrote the street address on a piece of paper she gave me.
„See you tomorrow, then.“
We smiled at each other and with that exact smile I fell asleep at home.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

08/20 PGF

4 Kommentare

      1. Das ist gut.
        Es macht Spaß die Figuren schon vor dem inneren Auge zu haben beim Lesen, wie wenn sich ein Film abspielt. Das bedeutet, es ist gut geschrieben 🙂

        Gefällt 1 Person

      2. Sehr schön. Ich habe auch Spaß beim Schreiben und ein ziemlich klares Bild, wo die Geschichte hingeht.
        Ob´s gefällt?
        Da bleibe ich gespannt 🙂

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