Der Älteste / The eldest (15)

15.

Der Anblick und der Gestank waren beide gleich Ekel erregend. Leichen machen mir an sich nichts aus. Es gibt nur zwei Arten, bei denen ich immer nah dran bin, mich zu übergeben: Wasserleichen und Leichen, die bei großer Hitze einige Tage irgendwo gelegen sind.
Man will das ja nicht wahrhaben, dass mit den Maden und den Fliegen und dem aufgeblähten Bauch, der einem droht, wenn man nicht in die Hände eines soliden Bestatters kommt. Aber, wenn man es akzeptiert, weiß man, was jede Fliege denkt, während sie einem über den Arm klettert: Wo fange ich an zu essen, wenn der kalt wird?
Skyler lag, mit eingeschlagenem Schädel, mitten in seinem Wohnzimmer. Das Sofa war aufgeschnitten, als hätte jemand darin etwas gesucht und die wenigen Möbel waren umgestoßen. Sie sahen aus, als wäre jemand sehr frustriert zur Sache gegangen.
Ich hörte Schritte hinter mir und wollte mich sofort zu Wehr setzen und zog meine Pistole, die ich in böser Ahnung eingesteckt hatte, dachte aber an Lily, die vermutlich aus dem Auto kam um nach mir zu sehen.
Ich beeilte mich, vor ihr die Tür zu erreichen, aber ich kam zu spät. Sie hatte sie bereits aufgestoßen und drückte sich ein Taschentuch auf Mund und Nase, während sie näherkam.
„Du solltest nicht“.
„Ich studiere Rechtswissenschaften! Ich sollte in jedem Fall.“ Warf sie mir dumpf, durch ihren Geruchsschutz entgegen.
Ich trat beiseite und hörte, wie sie „O mein Gott“, sagte. Es klang nicht, als würde sie vor dem Anblick erschrecken, sondern als würde sie bedauern, dass ich ihn ertragen hatte.
„Ist das Kho?“
Ich drehte mich um und trat hinter sie.
„Nein, das ist Skyler. Sein Onkel.“
Lily ging näher hin.
„Wann warst du hier?“
„Vor drei, vier Tagen.“
„Dann ist es kurz danach geschehen. Man sieht das, am Reifegrad der Maden.“
Sie bewegt rasch die Hand über den Leichnam, um einen Schwarm Fliegen zu vertreiben.
„Er wurde erschlagen.“ Stellte sie sachlich fest. „Von hinten. Zwei harte Schläge, mit einem schweren Gegenstand. Der Angreifer ging mit großer Brutalität vor.“
Ich nahm an, dass Lily bei den Vorlesungen zuhörte, als wäre sie ein Diktiergerät. Nüchtern, analytisch, wie ein Profi, übernahm sie den Part, in dem ich normalerweise gut war. Aber jetzt war mir übel. Ein bis vier Whiskey hätten mir gutgetan.
„Ich muss Kho finden.“ Sagte ich. Auch um einen Grund zu haben, den Raum verlassen zu können.
„Wir müssen die Polizei rufen.“
„Ja, mach das.“ Sagte ich und schwankte nach draußen. Die Hitze traf mich. Die Sonne stand hoch über dem trocknen Land und brannte erbarmungslos herab, wie ein Laser der seine Botschaft in Metall brennt.
Ich hielt die Hand schützend über die Augen und sah mich um. Ich hatte keine Ahnung, wo ich suchen sollte.
Hinter mir ging die Tür auf und Lily kam heraus.
„Sieh mal, was ich in der Küche gefunden habe.“
Sie hielt ein Smartphone hoch. Es war das von Kho. Ich nahm es. Der Startbildschirm zeigte einen schwachen Akku an und einige eingegangene Anrufe und Nachrichten. Sicher auch die von mir.
„Die Küche hat einen Hinterausgang. Vielleicht hat er es nach draußen geschafft?“
Ich reagierte nicht.
„Ich rufe jetzt die Polizei.“ Meinte Lily.
Ich brachte ein mattes „Ja“ hervor.
Ich ging um das Haus herum und sah die Tür, die von dort in die Küche führte. Hinter dem Haus lagen weite Wiesen, die im Frühjahr kräftig grün werden konnten. Jetzt lag das Land gelb und verbrannt in der sengenden Hitze. Nördlich von Skylers Haus, lag ein Gehöft, gerade noch in Sichtweite. Nordwestlich, ein weiterer Hof, der sich südlich, an den hiesigen Friedhof anschloss.
Wenn er geflohen war, hatte er vielleicht versucht eines der Häuser zu erreichen. Ich ging in einer Diagonalen nach Norden, damit ich beides im Augen behalten konnte.
Vielleicht war ich drei, vier Hundert Meter, über die stoppligen Felder vorangekommen, als ich einen Geier aufschreckte, der dort mit dem Schnabel, in etwas herumgehackt hatte.
Der Vogel flog auf und begann über mir zu kreisen.
Ich wusste was ich vorfinden würde, aber ich musste es sehen, um es zu glauben.
Das war ein Fehler.
Als ich das Mittagessen des Geiers erreichte, wünschte ich mir, ich hätte das jemand anders machen lassen.

08/20 PGF

15.

The sight and the stench were both equally disgusting. Corpses do not bother me in themselves. There are only two ways in which I am always close to vomiting: Floaters and corpses that have been lying somewhere for a few days in the heat.
You don’t want to admit that with the maggots and the flies and the bloated stomach that threatens you if you don’t get into the hands of a solid mortician. But, if you accept it, you know what every fly thinks while climbing over your arm: Where do I start to eat when it gets cold?
Skyler was lying in the middle of his living room with his skull bashed in. The sofa had been cut open as if someone had been looking for something in it and the few pieces of furniture had been knocked over. They looked as if someone had gone to work very frustrated.
I heard footsteps behind me and immediately wanted to put up a fight and pulled out my pistol, which I had badly suspected I had, but thought of Lily, who probably came out of the car to check on me.
I hurried to reach the door before her, but I was too late. She had already opened it and pressed a handkerchief on her mouth and nose as she came closer.
„You shouldn’t“.
„I am studying law! I should in any case.“ She threw it at me, dull from her olfactory protection.
I stepped aside and heard her say „Oh my God“. It did not sound as if she was frightened by the sight, but as if she regretted that I had endured it.
„Is that Kho?“
I turned around and stepped behind her.
„No, that’s Skyler. His uncle.“
Lily walked closer.
„When were you here?“
„Three, four days ago.“
„Then it happened right after that. You can tell by the degree of maturity of the maggots.“
She quickly moved her hand over the corpse to drive away a swarm of flies.
„He was slain.“ She stated factually. „From behind. Two hard blows, with a heavy object. The assailant proceeded with great brutality.“
I assumed that Lily listened to the lectures as if she were a Dictaphone. Sober, analytical, like a professional, she did the part I was usually good at. But now I felt sick. A whiskey or four would have done me good.
„I must find Kho.“ I said. Also to have a reason to leave the room.
„We must call the police.“
„Yes, do that.“ I said and staggered outside. The heat hit me. The sun stood high above the dry land and burned down mercilessly, like a laser burning its message in metal.
I held my hand protectively over my eyes and looked around me. I had no idea where to look.
Behind me the door opened and Lily came out.
„Look what I found in the kitchen.“
She held up a smartphone. It was Kho’s. I took it. The start screen showed a low battery and some incoming calls and messages. Probably mine, too.
„The kitchen has a back exit. Maybe he made it out?“
I didn’t respond.
„I’m calling the police now.“ That’s what Lily said.
I produced a faint „yes.“
I went around the house and saw the door leading from there to the kitchen. Behind the house were vast meadows that could turn a rich green in the spring. Now the land was yellow and burnt in the scorching heat. North of Skyler’s house, there was a homestead, just within sight. To the northwest, another farm, which adjoined the local cemetery to the south.
If he had fled, he might have tried to reach one of the houses. I went north on a diagonal so that I could keep both in sight.
Maybe I had walked three or four hundred meters across the stubbly fields, when I startled a vulture that had picked at something with its beak.
The bird flew up and started circling above me.
I knew what I would find, but I had to see it to believe it.
That was a mistake.
When I reached the vulture’s lunch, I wished I had let someone else do it.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

08/20 PGF

5 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.