Der Älteste / The eldest (21)

21.

Alles geschah pünktlich. Ich landete pünktlich in San Jose. Bezog pünktlich mein Hotelzimmer. Hatte mich pünktlich an der Bar warm getrunken und die Zimmerbar zur Hälfte geleert, als ich pünktlich um 1.00 nachts auf die Idee kam, das Angebot an Hostessen in San Jose zu checken. Pünktlich um 1.04 erreichte mich die WhatsApp von Lily: „Hoffe du bist gut angekommen. Trink die Bar nicht leer. Du brauchst einen klaren Kopf morgen. Lil´“
Kein Herzchen, kein Smiley, fragile Prosa.
Ich schloss das Fenster mit „Best Bitches San Jose“ und fühlte mich wie ein Ehemann, der die Schandtat eben noch abgewendet hatte.
So lag ich, als hätte Mami mich ermahnt, pünktlich, mit geputzten Zähnen, um 1.36 im Bett und war eingeschlafen, ehe ich mich fragen konnte, ob ich „Lil´“ hätte antworten sollen.
Ich antwortete ihr am nächsten Morgen.
„He Lily. Danke für deinen Appell von heute Nacht. Hab einen schönen Tag. Joe.“
„Hab einen schönen Tag“, dachte ich, was für eine blödsinnige Formulierung. „Mach dir einen schönen Tag. Nimm ihn dir. Lebe dein Leben Mädchen. Irgendwann ist es zu spät.“ Das hätte ich schreiben sollen.
Kurz darauf schrieb mir Crunchy. „Kann dich um 10.00 treffen. Komm zum „[ESC]“ da gibt es Austern zum Frühstück.“
Ich sah auf die Uhr. Dann öffnete ich Maps. Okay, mit einem Taxi würde ich das in einer halben Stunde schaffen.
Das „[ESC]“ war gut besucht, von denen die sich Austern zum Frühstück leisten konnten. Ich trug einen Anzug, mit weißem Hemd, um Crunchy keine Schande zu machen. Ein freundlicher Kellner nahm mich am Eingang in Empfang und brachte mich zum Tisch, meines alten Highschool-Freundes.
Kaum, dass er mich sah, sprang er auf, kam auf mich zu und umarmte mich herzlich. Da niemand sich, an dem Lärm den er machte störte, ging ich davon aus, dass er in diesen Kreisen anerkannt genug war, sich so zu benehmen, wie er es wollte.
„Ihr könnt loslegen“, sagte er, über meine Schulter, zu dem Kellner.
„Komm setzt dich.“ Sagte er zu mir. „Das ist ja eine Ewigkeit … Die bringen uns das Frühstück in 4 Gängen.“
Ich setzte meines charmantestes Buddy-bin-ich-froh-dich-zu-sehen-Lächeln auf. Wir strahlten uns an, wie zwei Glühbirnen.
„Du hast es zu ein bisschen was gebracht.“ Bemerkte ich und schenkte mir, aus der Karaffe, die auf dem Tisch stand, ein Glas Wasser ein.
„If you can make it there, you make it … trifft schon lange nicht mehr auf New York zu. Hier fließt der unendliche Geldstrom. Und ich meine: der wirklich unendliche Geldstrom.“
Er nickte in Gedanken, als hätte er mich vergessen, in seiner Dagobert-Duck-Fantasie.
„Ich kann es mir denken“ erwiderte ich, damit er in den Dialog wieder einsteigen konnte.
„Und du“, wollte er wissen, „du bist geschäftlich hier? Du wolltest ja am Telefon nicht viel sagen.“
„Alter Indianertrick“, dachte ich und schob rasch, das Bild des lächelnden Kho weg, der mich so zu seinem Onkel gelotst hatte.
„Ja, ist etwas kompliziert am Telefon. Ich wollte dir gegenübersitzen, wenn du zu- oder absagst.“
„Brauchst du Geld?“ Es klang, als frage er mich: „Hast du AIDS?“
„Nein, keine Sorge. Ich habe zwar nicht genug, um diesen Laden zu kaufen. Aber, ich komme gut über die Runden.“
„Ja, du siehst gut aus. Machst du Sport?“
Ich war versucht zu sagen: Ja ich stemme täglich Whiskey-Gläser, laufe Kurz-Marathon, um die nächste Flasche zu holen und schwimme acht Stunden durch Nachtschweiß, um das Gift wieder loszuwerden. Aber ich ließ es.
„Nein, kein Sport. Ich bewege mich ziemlich viel. Ich bin nur nicht ehrgeizig genug meinen Fitness-Tracker regelmäßig zu tragen. Seit ich ihn habe laufe ich mehr und das genügte mir. Ist, wie bei dieser Buddha-Geschichte.“
„Sag mal! Ich kenne sie nicht.“
„Buddha soll, über seine Lehre gesagt haben, sie sei wie ein Floss: wenn man über den Fluss ist, ist es nicht mehr nötig es mitzuschleppen. So hatte mein Tracker seinen Sinn erfüllt, als ich mich etwas mehr bewegte.“
„Das gefällt mir Joe. Das gefällt mir sehr gut.“
Der 1. Gang wurde uns gebracht: Champagner und Austern.

09/20 PGF

21.

Everything happened on time. I landed in San Jose on time. I moved into my hotel room on time. Had drunk myself warm at the bar and emptied half of the room bar when I had the idea to check the offer of hostesses in San Jose at 1.00 a.m. At 1:04 a.m. sharp, Lily’s WhatsApp reached me: „Hope you arrived safely. Do not drink the bar empty. You need a clear head tomorrow. Lil'“
No little heart, no smiley face, fragile prose.
I closed the window with „Best Bitches San Jose“ and felt like a husband who had just averted the outrage.
So I lay in bed at 1.36 am, as if mommy had warned me, punctual, with brushed teeth, and had fallen asleep before I could ask myself whether I should have answered „Lil'“.
I answered her the next morning.
„Hey Lily. Thanks for your appeal from tonight. Have a nice day. Joe.“
„Have a nice day,“ I thought, what a stupid phrase. „Have a nice day. Have a awesome day! Live your life girl. One day it’ll be too late.“ I should have written that.
A few minutes later, Crunchy wrote me. „Can meet you at 10:00. Come to the „[ESC]“ there’s oysters for breakfast.“
I looked at the clock. Then I opened Maps. Okay, if I took a cab, I could do that in half an hour.
The „[ESC]“ was well attended, with people who could afford oysters for breakfast. I wore a suit, with a white shirt so as not to embarrass Crunchy. A friendly waiter picked me up at the entrance and took me to the table, my old high school friend.
As soon as he saw me, he jumped up, approached me and gave me a big hug. Since no one was bothered by the noise he was making, I assumed that he was recognized enough in these circles to behave as he wanted.
„You can start,“ he said, over my shoulder, to the waiter.
„Come sit down.“ He said to me. „That’s a long time… They bring us breakfast in four courses.“
I put on my most charming buddy-buddy smile. We lit up like two light bulbs.
„You’ve done a little bit of work.“ I noticed and poured myself a glass of water from the decanter on the table.
„If you can make it there, you make it … hasn’t applied to New York for a long time. The endless stream of money flows here. And I mean: the really infinite flow of money.“
He nodded in his mind as if he had forgotten me, in his Scrooge Duck fantasy.
„I can guess“ I replied, so that he could get back into the dialogue.
„And you,“ he wanted to know, „you are here on business? You didn’t want to say much on the phone.“
„Old Indian trick,“ I thought, and quickly pushed the image of the smiling Kho away, who had led me to his uncle.
„Yes, it’s a bit complicated on the phone. I wanted to sit across from you if you accept or refuse.“
„Do you need money?“ It sounded like he was asking me, „Do you have AIDS?“
„No, I don’t need money. I don’t have enough to buy this place, but I’m making a living.“
„Yeah, you look good. Do you work out?“
I was tempted to say: Yes, I lift whiskey glasses every day, run short marathons to get the next bottle, and swim eight hours of night sweats to get rid of the poison. But I let it go.
„No, no sports. I move around a lot. I’m just not ambitious enough to wear my fitness tracker regularly. Since I got it I run more and that was enough for me. It’s like that Buddha thing.“
„Say! I don’t know that.“
„Buddha is said to have said about his teachings that it is like a raft: once you are over the river, there is no need to carry it along. So my tracker had fulfilled its purpose when I moved a little more.“
„I like that, Joe. I like that a lot.“
The first course was brought to us: champagne and oysters.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20

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