Der Älteste / The eldest (24)

24.

Bis zum Abend schlenderte ich ein wenig durch Palo Alto. Vom Apple-Store Palo Alto lief ich durch das Gelände der Stanford University, vorbei am HP-Besucherzentrum zum Tesla Headquarter, dessen Anblick mich aber langweilte. Ich wechselte die Richtung und entschloss mich die Mittagszeit am Meer der Franciso Bay zu verbringen. Zu Mittag aß ich bei „Zarren´s“ einem pakistanischen Schnellimbiss, der mir einen perfekten Punjabi Chicken Burger servierte.
Der Tag zog sich, da ich mich in meinem Hotelzimmer nicht wohl fühlte, mir die Routine meines Zuhauses fehlte und ich verdammt schlecht darin bin Urlaub zu machen. Ich kann mit „die Gegend erkunden“, „mal am Strand in der Sonne liegen“, „ich habe eine 800 Kilometer Radtour gemacht“, „bei dem Besuch fiel mir auf, dass die Historiker, Geologen – Scheiß mich wer – übersehen haben“, nichts anfangen. Ich mache nichts oder arbeite.
Deshalb war ich froh, als es Abend wurde und ich mich ins Palo Alto Nachtleben stürzen konnte. Ich hatte herausgefunden, dass, wie sollte es anders sein, in der Nähe des Uni Campus die höchste Dichte an Bars zu finden war. Da ich allerdings nicht unter Nerds und viel zu reichen Elite-Studenten sitzen wollte, entschied ich mich für das „Rose & Crown“, in dem vermutlich eher die Professoren und Verwaltungsmitarbeiter, ihren Feierabend bei einem Glas Wein oder Whiskey, jedenfalls irgendetwas mit W, begingen.
Ich setzte mich auf den Barhocker und gab dem Barkeeper ein Zeichen, dass ich zu der ungeduldigen Sorte, mit dem guten Trinkgeld gehörte.
Er lächelte und steuerte auf mich zu.
Ich bedauerte, mir keinen Van Winkle leisten zu können und begnügte mich mit: „Bringen sie mir einen Bourbon, nicht unter 20 Jahre und ein Single Barrel.“
„Ja, Sir kommt sofort. Eis?“
„Ein Tropfen kaltes Wasser.“
„Sie werden keinen zweiten schmecken.“
Okay, mit dem war ich auf einer Linie.
Kurz darauf brachte mir Vince, wie ich beim zweiten Bourbon erfuhr, mein Barkeeper hieß, das erste Glas und ich nippte mich durch eine brennende Flut aus Vanille, Holzfass und einem leichten Hauch Pfefferminz, den ich so nicht kannte.
Die Bar füllte sich langsam und ich nahm zur Kenntnis, dass sich eine attraktive Blondine, vier Stühle entfernt von mir hinsetzte und nicht warten musste bis Vince sie entdeckte. Er steuerte sie an wie eine Wespe ein Süßteil und ignorierte mich und mein leeres Glas, als hätte unsere Verbindung nie eine Rolle gespielt. Sie war entweder VIP oder eine Säuferin, die es sich leisten konnte.
Sie erinnerte mich etwas an Lily, war aber sicher zehn Jahre älter, reifer, abgeklärter. Sie lächelte kaum und lachte nicht. Kein Strahlen, keine Lebensfreude, also mindestens eine Scheidung und eine pulverisierte Vorstellung von einem Glück mit Kindern und dem Partner fürs Leben.
Vince huschte an mir vorüber, um ihr ihren Drink vorzubereiten.
„Vince.“
Er hörte nicht.
„Vince!“
Ich wedelte mit meinem Glas.
Er stoppte aus antrainierter Höflichkeit.
„Ja, Sir.“
„Noch etwas Rachengold“
„Okay.“
Er wollte schon weiter.
„Und Vince!“
„Ja.“
„Vince, bring der Frau was immer sie trinken möchte.“
Jetzt hatte ich seine Aufmerksamkeit.
„Sir.“
„Joe.“
„Joe, ich bin nicht sicher.“
„Musst du nicht. Ich habe den Ärger. Bring ihr den Drink, den Sie bestellt hat und frage Sie, ob ich den für Sie bezahlen darf.“
Ich betete, dass es kein Van Winkle war.
Vince nickte angespannt.
„Wie Sie meinen.“
Im Vorbeigehen stellte Vince meinen dritten Bourbon vor mir ab und ich beobachtete beiläufig, wie er der Lady ihr Getränk brachte und sie sich kurz unterhielten.
Sie erlöste Vince mit einem Lächeln, das sagte: Der Bote wird nicht hingerichtet und wandte sich dann mir zu. Sie hob kurz ihr Glas und lächelte, ein Hammerlächeln, eins das dir sagt: „Läuft! Mach nix falsch! Kenn die Regeln! Dann läuft das.“
Mit meinem smartesten lassen-wir-es-langsam-angehen-Lächeln erwiderte ich ihren Gruß und tat, was ein Mann tun muss, wenn er den ersten Schritt getan hat: es der Frau überlassen, ob sie den nächsten macht.
Ich dachte an Lily; und das böse Ding, das jeder in sich trägt, erinnerte mich an etwas: „Lass uns die Zeit, die wir haben, einfach schön gestalten.“ Hatte sie gesagt. Da sie nicht da war, gab es auch nichts zu gestalten.
Meinen vierten Bourbon und ihren zweiten zahlte die Lady. Obwohl ich von Natur aus nicht aufdringlich bin, musste ich mich dafür natürlich bedanken. Ich überbrückte die 4 Barstühle mit vier lässigen Schritten, meinen Whiskey in der Hand.
„Miss“, ich wählte die altmodisch-Nummer, „wie immer Sie das gemacht haben, dieser Whiskey ist der beste, den ich bislang getrunken habe.“
Ihr Lächeln gab mir eine 7,5 von 10 für diesen Spruch.
„Ich wollte mich bedanken.“
„Der Stuhl ist frei.“
Sie sah auf den Hocker neben sich.
Ich ließ mich nicht lange bitten.
Sie blickte vor sich auf ihren Whiskey.
„Ich heiße Alice und Sie?“
„Joe.“
„Sie sind nicht vor hier? Vince hat Sie, wie einen Touristen behandelt: nett aber unverbindlich.“
„Ja, ein Kurztrip.“
„Geschäftlich?“
„Semi.“
Sie schwieg. Sie verströmte etwas sehr schwermütiges, die Last eines enttäuschenden aber tapfer getragenen Lebens. Sie beeindruckte mich.
„Und Sie?“
„Ich bin Geschäftsfrau. Ich habe mein Geld gemacht. Einmal die Woche komme ich hier her und, wenn ein Mann hier ist, der mir gefällt, sitzen wir eine Weile an der Bar, schweigen, trinken und dann nehme ich ihn mit zu mir, wenn er will und, wenn ich will.“
Ich nickte anerkennend.
„Coole Gewohnheit. Sollte ich mir auch überlegen. Also nicht mit einem Mann. Ich mache das Schweigen und Trinken bislang immer allein.“
Sie schmunzelte.
Zwei Drinks saßen wir zusammen, während die Kneipe sich um uns füllte und leerte, wie die Tiden die Dünen.
Dann sagte sie:
„Begleiten Sie mich noch ein Stück? Es ist zwar sicher hier – fehlen eigentlich nur die Drohnen, die überall kreisen, damit gar nichts passieren kann – aber ich gehe ungern allein durch die Nacht.“
Ich war nicht abgeneigt. Was sollte geschehen? Ich würde in Palo nie Urlaub mit Lily machen, womit eine peinliche Begegnung ausgeschlossen war und hier leben würde ich auch nie. Wenn alles gut lief, erwartete mich ein aufregender One-Night-Stand.
„Da ich gerne old-school bin: selbstverständlich.“
Auf eine Bewegung ihrer Hand erschien Vince und wir beglichen die Rechnung.

09/20 PGF

24.

Until the evening I strolled a little through Palo Alto. From the Apple store Palo Alto I walked through the grounds of Stanford University, past the HP Visitor Center to the Tesla Headquarters, but the sight of it bored me. I changed direction and decided to spend the lunchtime at the sea of Franciso Bay. For lunch I ate at „Zarren’s“ a Pakistani fast food restaurant, which served me a perfect Punjabi Chicken Burger.
The day dragged on because I didn’t feel comfortable in my hotel room, I missed the routine of my home and I’m really bad at taking vacations. I can’t do anything with „exploring the area“, „lying on the beach in the sun for a while“, „I did an 800 kilometer bike ride“, „during the visit I noticed that the historians, geologists – fuck me who – missed out“. I do nothing or work.
So I was glad when evening came and I could dive into the Palo Alto nightlife. I had found out that, how could it be otherwise, the highest density of bars was near the university campus. But since I didn’t want to sit among nerds and too rich elite students, I decided to go to the „Rose & Crown“, where probably rather the professors and administrative staff would spend their evening with a glass of wine or whiskey, at least something with W.
I sat down on the bar stool and gave the bartender a sign that I was one of the impatient kind with the good tip.
He smiled and steered towards me.
I regretted not being able to afford a Van Winkle and was content with: „Bring me a bourbon, not under 20 and a single barrel.“
„Yes, sir, coming right up. Ice?“
„A drop of cold water.“
„You won’t taste another.“
Okay, I was in line with that one.
Shortly after, Vince, as I learned at the second bourbon, my bartender’s name, brought me the first glass and I sipped my way through a burning tide of vanilla, wooden barrel and a slight hint of peppermint, which I had never noticed of before.
The bar slowly filled up and I noticed that an attractive blonde sat down four chairs away from me and did not have to wait for Vince to discover her. He headed for her like a wasp to a candy bar and ignored me and my empty glass as if our connection had never mattered. She was either a VIP or a drunk who could afford it.
She reminded me a little of Lily, but she was certainly ten years older, more mature, more serene. She hardly smiled or laughed at all. No glow, no joy of life, so at least a divorce and a pulverized idea of happiness with children and a partner for life.
Vince scurried past me to prepare her drink.
„Vince.“
He didn’t listen.
„Vince!“
I waved my glass.
He stopped out of common courtesy.
„Yes, sir.“
„A little more throat gold.“
„Okay.“
He was already moving on.
„And Vince.“
„Vince?“
„Yeah.“
„Vince, get this woman whatever she wants to drink.“
Now i had his attention.
„Sir.“
„Joe.“
„Joe, I’m not sure.“
„You don’t have to. I’m the one in trouble. Bring her the drink she ordered and ask her if I can pay for it.“
I prayed it wasn’t a Van Winkle.
Vince nodded tense.
„Whatever you say.“
In passing, Vince placed my third bourbon in front of me and I casually watched as he brought the lady her drink and they chatted briefly.
She redeemed Vince with a smile that said, „The messenger will not be executed,“ and then turned to me. She briefly raised her glass and smiled, a hammer smile, one that tells you: „Run! Don’t do anything wrong! Know the rules! Then anything can happen.“
With my smartest let’s-it-slow-go smile, I returned her greeting and did what a man has to do when he has taken the first step: leave it to the woman to take the next one.
I thought of Lily; and the evil thing that everyone carries inside reminded me of something: „Let’s just make the time we have beautiful.“ She had said. Since she was not here, there was nothing to create.
The lady paid for my fourth bourbon and her second. Although I am not intrusive by nature, I naturally had to thank her for that. I bridged the four bar chairs with four casual steps, my whiskey in my hand.
„Miss“, I chose the old-fashioned number, „however you did it, this whiskey is the best I have drunk so far.“
Her smile gave me a 7.5 out of 10 for that line.
„I wanted to thank you.“
„The chair is free.“
She looked at the stool next to her.
I didn’t take long to ask.
She looked down at her whiskey.
„My name is Alice. What’s yours?“
„Joe.“
„You didn’t get here first? Vince has been treating you like a tourist. Nice but not binding.“
„Yeah, a quick trip.“
„On business?“
„Semi.“
She said nothing. She exuded something very melancholy, the burden of a disappointing but brave life. She impressed me.
„And you?“
„I am a businesswoman. I’ve made my money. Once a week I come here and when a man I like is here, we sit at the bar for a while, keep quiet, drink and then I take him home with me when he wants and when I want.“
I nodded appreciatively.
„Cool habit. I should also think about it. So not with a man. I always do the silencing and drinking alone so far.“
She smiled.
Two drinks we sat together while the pub filled and emptied itself around us like the tides empty the dunes.
Then she said:
„Will you accompany me a little longer? It’s safe here – all that’s missing are the drones circling everywhere so that nothing can happen – but I don’t like walking alone through the night.“
I was not averse. What was to happen? I would never go on vacation with Lily in Palo, which ruled out an embarrassing encounter, and I would never live here. If everything went well, an exciting one-night stand awaited me.
„Since I like to be old-school, of course.“
When she moved her hand, Vince appeared and we settled the bill.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20

3 Kommentare

  1. Wow… – auch wenn ich mich damit wiederhole.
    Mir sind geschickte Wendungen aufgefallen, die den Text zusätzlich attraktiv machen, wie z.B. „… in dem vermutlich eher die Professoren und Verwaltungsmitarbeiter, ihren Feierabend bei einem Glas Wein oder Whiskey, jedenfalls irgendetwas mit W, begingen.“
    Und: „… während die Kneipe sich um uns füllte und leerte, wie die Tiden die Dünen.“
    Bei dieser zweiten Wendung sah ich das Bild vor mir, wie das Wasser steigt und sinkt… Sehr schön!

    Gute Nacht, Peter.

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