Der Älteste / The eldest (28)

28.

Mir taten die Handgelenke weh und noch immer der Hinterkopf, mein Hintern schmerzte vom langen Sitzen im Flugzeug und ob ich irgendetwas richtig gemacht hatte war mehr als fraglich. Ich hielt es für möglich, dass Lily meine Idee mit Wang zu kooperieren, nicht vollständig würde nachvollziehen können. Aber die Dinge kamen manchmal anders, als sie idealerweise kommen sollten und, wenn man, wie ich, ausreichend desillusioniert war, wusste man, dass sie nie kamen, wie es ideal wäre.
Davon abgesehen war ich froh, zurück nach Ogden zu kommen. Kein Gefühl, mit dem ich sehr vertraut gewesen wäre. Aber Ogden mit seinem Wachstum, der Verbindung von Natur und Stadt schaffte es irgendwie, mir ein Gefühl von „nach Hause kommen“ zu vermitteln. Im großen, dunklen Kosmos und seiner Verneinung jeglichen Sinns, war dies ein kleiner bunter Kosmos, der nach etwas Gutem schmeckte und sich richtig anfühlte, wenn man ihn vorsichtig vor sich in die Hände nahm.
Der Taxifahrer verrichtete ruhig seinen Job und brachte mich auf dem kürzesten Weg nach Hause. Ich zahlte ihm ein ordentliches Trinkgeld, packte meine Tasche und verließ den Wagen.
Als ich die Tür zu meiner Wohnung aufsperrte, erfasste mich ein kurzes Glück, diese Reise heil überstanden zu haben und jetzt wieder für ein paar Tage unterzukommen, in diesen vier Wänden, die mir Schutz vor der Welt boten. Wenn wir ehrlich waren, dann hatten wir die Höhle nie verlassen. Auch, wenn sie für manche aus 12 Zimmern bestehen musste.
Ich stellte meine Tasche ab und ging zum Anrufbeantworter. Die 7 blinkte darauf.
Als ich alle Anrufe abgehört hatte, wusste ich, dass mir die Arbeit nicht ausgehen würde. Drei Anrufe vom örtlichen Gericht, mit der Bitte Kautionsflüchtige einzusammeln, zwei Anfragen für private Schuldeintreibung und zwei Ehemänner die ihre Ehefrau überwacht haben wollten. Also nichts, was wichtiger war, als die Aufklärung von Kho´s Tod.
Der Tod meines Freundes, hatte meinen Gerechtigkeitssinn geweckt. Davon war ich nicht abgekommen. Zusätzlich aber, war ich neugierig, was hinter dieser ganzen Sache steckte. Außerdem hätten Kho und Skyler gewollt, dass ich den Ältesten schütze, falls es ihn gab.
Der Deal mit Wang war kein Problem: mit der Trommel hatte ich immer noch die Gelegenheit ihn auszuschalten, wenn ich zu der Überzeugung kam, dass er Kho getötet hatte.
Ich war weit davon entfernt dem US-Asiaten trauen. Er konnte durchaus das Schlechte aus beiden Kulturen vereinen: die blinde Disziplin der Asiaten und die Geldgier der Amerikaner. Immerhin hatte er es geschafft, zum CEO von Palantir zu werden. Noch 2016 hatte eine Bundesbehörde gegen das Unternehmen ermittelt, weil Asiaten auffällig stark benachteiligt waren. Es war keine Frage: Der Mann bekam was er wollte.
Ich sah auf die Uhr. Es war kurz nach vier am Nachmittag. Es war also durchaus legitim, wenn ich mir einen ersten Whiskey gönnte. Ich musste nachdenken und, wie sollte ich das, ohne die Inspiration, eines durch viele Feuer veredelten Wassers.
Ich warf meinen Mantel in die Ecke, streifte mir die Schuhe von den Füßen und ging in die Küche, wo ich auf einer drehbaren Unterlage vier Flaschen Bourbon unterschiedlichen Alters aufbewahrte. Ich nahm den 12jährigen für den Alltagsgebrauch und ließ mir aus dem Kühlschrank vier Eiswürfel heraus, die ich mit ins Glas gab. Ich stellte das Glas ab und wartete. Ich mochte den Whiskey erst, wenn die Eiswürfel zur Hälfte geschmolzen waren und der Whiskey kalt genug, aber noch nicht zu sehr verwässert.
Ich holte meinen Laptop und stellte ihn auf den Küchentisch, während ich den Whiskey im Auge behielt.
Windows vermeldete mir, mit dem Hochfahren, den Eingang von 23 E-Mails. Ich überflog die Absender und stellte beruhigt und beunruhigt fest, dass auch Lily dabei war.
Der Abstand der letzten Tage hatte mich darin bestärkte, die ganze Sache zu beenden, ehe es schmerzhaft wurde. In der Liebe wurde die Sache, am Ende immer schmerzhaft, deshalb galt es den perfekten Moment auszutarieren, wo man die Illusion des Glücks noch ausreichend genießen konnte, ehe einem die nüchterne Realität lachend in die Fresse schlug, wie es Brendan bei meinen Nieren gemacht hatte.
Mein Whiskey war so weit. Kühl und ölig und feurig rann er mit über die Zunge und in die Kehle, als würde er auf seinem Weg alles beseitigen, was dort nicht hingehörte: Viren, Worte und Gefühle.
An meiner Tür klingelte es. Ich schreckte hoch, als wäre das nicht meine Wohnung, sondern die eines anderen, in die ich eingebrochen war.
Da es Kho nicht sein konnte und meine Klienten meine Adresse nicht hatten, konnte es nur jemand sein, den Wang geschickt hatte – oder Lily.
Sie sah mich, mit leicht zur Seite geneigtem Kopf, kritisch an.
„Du hättest dich melden können.“ Meinte Sie und schob sich an mir vorbei in die Wohnung. „Ich hätte mir fast Sorgen, um dich gemacht.“
„Komm doch rein“, bemerkte ich bissig. Aber das kümmerte sie nicht.
„Na, hast du was herausgefunden?“
Ja, dachte ich, dass das mit uns nichts werden kann, weil ich zu alt und misanthropisch bin und du zu jung und optimistisch.
„Nun, ich habe mit jemand gesprochen, aber ich denke.“
„Das habe ich auch und vielleicht habe ich eine Spur.“
Ich fühlte mich, als säße ich in der Lagerhalle und hätte die Hände auf den Rücken gebunden. Ich kam nicht raus, wenn ich nicht kooperierte.
„Hast du das?“
„Ja, ein Bekannter von einem unserer Dozenten. Er ist ein bisschen freakig, aber ein anerkannter Professor für Ethnologie und Ethnobotanik, der vielleicht ein paar spannende Fakten für dich hat.“
„Hör mal Lily, ich bin von der Reise echt erschöpft.“
„Wir treffen ihn heute Abend. Trinkst du schon Whiskey?“
Ich sah zu meinem Glas hinüber, in dem sich die Eiswürfel völlig aufgelöst hatten.
„Du solltest erst etwas essen. Hast du was zum Kochen da?“
Lily´s Energie machte mich fertig.
„Nein, aber wir können essen gehen.“
„Cool. Du solltest duschen. Du stinkst nach Schweiß.“
Das machte ich und auf eine beunruhigende Art, empfand ich durch Lily, mein „nach Hause kommen“, noch intensiver.

09/20 PGF

28.

My wrists were sore and the back of my head was still sore, my butt was aching from sitting in an airplane for so long and whether I had done anything right was more than questionable. I thought it was possible that Lily would not fully understand my idea of cooperating with Wang. But things sometimes turned out differently than they should ideally have and, if you were sufficiently disillusioned, like me, you knew that things never turned out as they should ideally have.
Apart from that I was glad to come back to Ogden. Not a feeling with which I would have been very familiar. But Ogden, with its growth, the combination of nature and city, somehow managed to give me a feeling of „coming home“. In the big, dark cosmos and its denial of any meaning, this was a small, colorful cosmos that tasted like something good and felt right when you carefully took it in your hands in front of you.
The cab driver quietly did his job and took me home by the shortest route. I paid him a decent tip, packed my bag and left the car.
When I unlocked the door to my apartment, I was seized by a brief happiness to have survived this trip and to be able to stay for a few days in these four walls that offered me protection from the world. If we were honest, we had never left the cave. Even if for some of us it had to consist of 12 rooms.
I put my bag down and went to the answering machine. The 7 was flashing on it.
When I had checked all calls, I knew that I would not run out of work. Three calls from the local court asking them to collect bail fugitives, two requests for private debt collection and two husbands who wanted their wives under surveillance. So nothing more important than the resolution of Kho’s death.
The death of my friend had awakened my sense of justice. I had not gotten away from that. Additionally, I was curious what was behind all this. Also, Kho and Skyler would have wanted me to protect the Elder, if he existed.
The deal with Wang was no problem: with the drum I still had the opportunity to take him out if I became convinced that he had killed Kho.
I was far from trusting the US-Asian. He could certainly combine the bad things from both cultures: the blind discipline of the Asians and the greed of the Americans. After all, he had managed to become the CEO of Palantir. As late as 2016, a federal authority had investigated the company because Asians were conspicuously disadvantaged. There was no question: the man got what he wanted.
I looked at my watch. It was just after four in the afternoon. So it was perfectly legitimate for me to have my first whiskey. I had to think and, how could I, without the inspiration of a water refined by many fires.
I threw my coat in the corner, wiped my shoes off my feet and went into the kitchen where I kept four bottles of bourbon of different ages on a rotating base. I took the 12-year-old for everyday use and took four ice cubes out of the refrigerator and put them in the glass. I put the glass down and waited. I only liked the whiskey when the ice cubes were half melted and the whiskey was cold enough but not too watered down.
I got my laptop and put it on the kitchen table while I kept an eye on the whiskey.
Windows, when it booted up, notified me that it had received 23 emails. I scanned the senders and noticed, reassured and worried, that Lily was also there.
The distance of the last few days had encouraged me to end the whole thing before it became painful. In love, things always ended up painful, so it was important to balance the perfect moment where you could enjoy the illusion of happiness before the sober reality hit you in the face with a laugh, like Brendan did with my kidneys.
My whiskey was ready. Cool and oily and fiery, it ran down my tongue and down my throat, as if it was going to eliminate everything that didn’t belong there: viruses, words and feelings.
My doorbell rang. I startled up as if it wasn’t my apartment, but someone else’s, which I had broken into.
Since it could not be Kho and my clients did not have my address, it could only be someone Wang had sent – or Lily.
She looked at me critically with her head slightly tilted to the side.
„You could have come forward.“ She said, pushing her way past me to the apartment. „I almost worried about you.“
„Why don’t you come in,“ I noticed snappily. But she didn’t care.
„Well, did you find out anything?“
Yes, I thought that it couldn’t work out between us, because I’m too old and misanthropic and you’re too young and optimistic.
„Well, I was talking to somebody, but I think.“
„I did, too, and I think I might have a lead.“
I felt like I was sitting in the warehouse with my hands tied behind my back. I didn’t come out unless I cooperated.
„Did you?“
„Yes, an acquaintance of one of our instructors. He’s a bit freaky, but a recognized professor of ethnology and ethnobotany who might have some interesting facts for you.“
„Listen, Lily, I’m really tired from the trip.“
„We’re meeting him tonight. Are you drinking whiskey yet?“
I looked over at my glass in which the ice cubes had completely dissolved.
„You should eat something first. Do you have anything to cook?“
Lily’s energy was killing me.
„No, but we can go eat.“
„Cool. You should shower. You stink of sweat.“
I did, and in a disturbing way, Lily made my coming home feeling even more intense.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20 PGF

5 Kommentare

    1. Danke liebe Marion 🙂 ich fühle mich auch sehr wohl mit dieser Geschichte.
      Ob sich auf Dauer, Aufwand und Resonanz, auf WordPress die Waage halten, bezweifle ich allerdings.
      Nun – „Der Älteste“ wird zu Ende erzählt und dann schaue ich mal.
      Sonst stelle ich für dich gerne, auf abendliche PDF´s um 😉

      Gefällt 2 Personen

      Antworten

      1. Diesen Zweifel teile ich mit dir. Die Übungsplattform ist die Übungsplattform, die auf das weitere vorbereiten kann.
        Du meinst, wenn du hier nicht weiter veröffentlichst, würdest du mir das jeweils geschriebene direkt schicken, verstehe ich dich richtig?

        Gefällt 1 Person

      2. Da hast du recht!

        Ja, wäre eine Option, denn letztlich finde ich den Austausch schön und motivierend.
        Vielleicht auch der bessere Weg.
        Ich weiß, dass der ein oder andere Blogger mit dem Bildschirm lesen nichts anfangen kann, was ich gut verstehe. Bei größerem Umfang noch schwieriger.
        Lesen wann man Lust hat, kommt berechtigterweise dazu.

        Mal sehen 🙂

        Gefällt 1 Person

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