Der Älteste / The eldest (34)

34.

Früh am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg, um noch einmal Skylers Haus in Neola zu besuchen.
Im Osten stieg, gelb wie frische Zitronenschale, die Sonne auf und ich wunderte mich, über die stille Freude, die mir das bereitete. Schon lange, schon sehr, sehr lange hatte ich nicht mehr gedacht: Schön, dass der Tag beginnt. Wenn ich den Sonnenaufgang überhaupt erlebt hatte, dann eher in einem halbwachen, indolenten Zustand aus Desinteresse und Harndrang.
Dieser Morgen war wunderschön.
Im Radio sang Johnny Cash: „If I could start again/A million miles away/I will keep myself/I would find a way.“ Und ich fühlte jedes Wort und bereute die Jahre, die ich verloren hatte, statt es mit dem Glück zu versuchen.
Lily neben mir, konzentrierte sich auf den Verkehr. Sie hatte ihre Haare zu einem kurzen Zopf zusammengebunden und ihre Sonnenbrille auf den Scheitel geschoben und lehnte sich, für meinen Geschmack, viel zu sehr über das Lenkrad. Sie wirkte wach, neugierig, wie ein Adlerjunges, dass sich nach Höhenluft sehnt.
Ich versuchte mir vom Gedanken, dass dieses Glück, keinen Bestand hatte, den Moment nicht verderben zu lassen. Es ging um das Sein, nicht um das Haben, niemand hatte es anschaulicher, als Fromm dargelegt.
Auf der Strecke machten wir einen Halt von einer halben Stunde, um zu tanken und einen Kaffee zu trinken. Dann ging es weiter.
Überzeugt war ich von Lily´s Idee nicht. Mir fehlte die Fantasie, um zu verstehen, wie wir finden sollten, was Brendan nicht gefunden hatte. Es mochte etwas dran sein, dass Skyler nicht gedankenlos riskiert hatte, dass der Kontakt zum Ältesten abbrach, aber ich glaubte nicht daran, dass er so naiv war, diese zweite Sicherung in seinem Haus aufzubewahren. Vielleicht waren wir auch viel zu sehr auf die Trommel konzentriert. Hatte Skyler – oder war es Butterfly – nicht erwähnt, dass es mehr rituelle Gegenstände gab, als nur die Trommel?
Wir erreichten Neola und Skylers Hütte.
Das Haus sah verlassen aus, wie es war. Jemand hatte alle Jalousien heruntergelassen, als hätte die Fassade die Augenlider gesenkt.
Lily parkte und wir stiegen aus. Das Zuschlagen der Autotüren klang viel zu laut, im späten Vormittag, der kontinuierlich an Hitze gewann. Ich sah mich um, aber niemand schien unsere Ankunft zu bemerken.
„Denkst du die Türen sind abgeschlossen?“
Lily klang unsicher.
„Eher nicht. Was willst du darin stehlen?“
„Das was wir suchen.“
Und nicht finden, dachte ich.
Wir betraten das Haus. Der Verwesungsgeruch war nicht geflogen. Aber er war überdeckt von etwas, was man im Haus verbrannt hatte. Es roch nach Tabakblättern und Salbei. Die Zimmer waren abgedunkelt, durch die Jalousien. Ich war vorerst entschlossen das nicht zu ändern.
„Nun, Miss Detektiv, wo beginnen wir unsere Suche?“
„Im Keller?“
„Schwierig, das Haus ist nicht unterkellert?“
„Auf dem Dachboden?“
Ich überlegte. Kein ganz schlechter Gedanke.
„Ist ein Versuch wert, wenn wir eine Leiter finden.“
„Da“, sagte Lily und zeigte in eine Ecke, in der sich eine Stange befand. „Die nimmt man, um da oben“, sie zeigte zur Decke, „die Luke zu öffnen.“
Ich schnappte mir die Stange, fädelte sie, in eine Art Haken ein, der mit einer Drehung zu öffnen war und konnte dann die Luke öffnen und herunterziehen, von der aus sich eine Leiter entfaltete.
Mir fiel auf, dass kein Staub, keine abgeblätterte Farbe herabfiel. Die Luke wurde nicht, nach langer Zeit, zum ersten Mal wieder geöffnet.
„Ladies first.“
Lily war der Gedanke unbehaglich, aber noch unbehaglicher war ihr, mir eine Schwäche zu zeigen.
Sie kletterte die wacklige Treppe nach oben und verschwand schließlich ganz in der dunklen Öffnung.
„Siehst du was?“ Rief ich.
Sie hustete.
„Vor allem Staub.“
Sie hustete nochmals und dann geschah alles gleichzeitig. Es begann mit einem Geräusch, als würde das Dach zu flattern beginnen, um wegzufliegen.

09/20 PGF

34.

Early the next morning we set off to visit Skyler’s house in Neola once again.
In the east, the sun rose, yellow like fresh lemon peel, and I was amazed at the quiet joy it gave me. For a long, long, long time I hadn’t thought: It’s nice that the day is beginning. If I had experienced the sunrise at all, it was rather in a half-awake, indolent state of disinterest and the urge to urinate.
This morning was beautiful.
On the radio Johnny Cash sang: „If I could start again/A million miles away/I will keep myself/I would find a way.“ And I felt every word and regretted the years I had lost instead of trying my luck.
Lily next to me, focused on the traffic. She had tied her hair into a short braid and put her sunglasses on top of her head and leaned, for my taste, way too much over the steering wheel. She seemed awake, curious, like an eagle cub longing for high altitude air.
I tried not to let the thought that this happiness, that it did not last, spoil the moment. It was about being, not about having, no one had explained it more vividly than Fromm.
On the way, we stopped for half an hour to refuel and have a coffee. Then we went on.
I was not convinced by Lily’s idea. I lacked the imagination to understand how we would find what Brendan hadn’t found. There may have been something to it that Skyler had not thoughtlessly risked breaking off contact with the Elder, but I didn’t believe he was naive enough to keep that second fuse in his house. Maybe we were also much too focused on the drum. Didn’t Skyler – or was it Butterfly – mention that there were more ritual objects than just the drum?
We reached Neola and Skyler’s cabin.
The house looked abandoned as it was. Someone had lowered all the blinds as if the facade had lowered the eyelids.
Lily parked and we got out. The slamming of the car doors sounded much too loud in the late morning, which was steadily getting hotter. I looked around, but no one seemed to notice our arrival.
„Do you think the doors are locked?“
Lily sounded uncertain.
„Probably not. What are you going to steal in there?“
„What we seek.“
And not find, I thought.
We entered the house. The smell of decay hadn’t flown. But it was covered by something that had been burned inside the house. It smelled of tobacco leaves and sage. The rooms were darkened by the blinds. I was determined not to change that for the time being.
„Well, Miss Detective, where do we begin our search?“
„The basement?“
„Difficult, the house has no basement?“
„In the attic?“
I was thinking. Not a bad thought.
„It’s worth a try, if we can find a ladder.“
„There,“ said Lily, pointing to a corner where there was a pole. „You take that to get up there,“ she pointed to the ceiling, „to open the hatch.“
I grabbed the bar, threaded it, put it in a kind of hook that could be opened with one twist, and then I could open and pull down the hatch, from which a ladder unfolded.
I noticed that no dust, no flaking paint fell down. The hatch was not opened for the first time in a long time.
„Ladies first.“
Lily was uneasy at the thought, but even more uneasy was her showing me a weakness.
She climbed up the shaky stairs and finally disappeared completely into the dark opening.
„Do you see anything?“ I shouted.
She coughed.
„Especially dust.“
She coughed again and then everything happened at once. It started with a sound like the roof beginning to flutter and fly away.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20 PGF

4 Kommentare

  1. „… und dann geschah alles gleichzeitig“ ist kurz und dennoch unglaublich Spannung erzeugend. Schade, dass für heute schon wieder zu Ende.

    Jetzt bin ich aber gespannt – was da passiert!

    Ich wünsch dir einen friedlichen Abend, Peter

    Gefällt 1 Person

    Antworten

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