Der Älteste / The eldest (42)

42.

Nicht mal, als ich ausstieg wechselten wir noch ein Wort. Ich schlug die Tür zu, dass der kleine Japaner wackelte, als hätte ihn eine Windböe erwischt und Lily trat aufs Gas, um mich hinter sich zu lassen, als hätte man ihr gerade verboten, sich von mir weg zu beamen.
Ich sperrte die Haustür auf, dachte kurz darüber nach, ob mich Brendan erwarten konnte und entschied, dass es mir egal war und unwahrscheinlich.
Ich warf den Schlüssel auf einen kleinen Tisch, den ich beim Eingang stehen habe und meine Jacke über den nächsten Stuhl.
Dann ging ich in die Küche und nahm mir die erste Whiskeyflasche die ich greifen konnte. Ich trug sie zum Waschbecken und leerte sie aus. So machte ich es, mit jeder Flasche, mit jedem Tropfen den ich im Haus fand.
Es war Zeit nüchtern zu werden, klar und böse. Wenn die Dinge gut oder, wenn sie nur normal liefen, war es okay, manchmal ein wenig erheitert und manchmal sogar ein wenig betäubt zu sein. Aber, wenn einem das Schicksal zwei Backpfeifen setzte, weil man die verdient hatte, half es nichts sich heulend in die Ecke zu setzen. Ernst machen, war angesagt und nüchtern sein.
Ich durfte keine Zeit, auf der Jagd nach der Trommel oder nach Wang verlieren. Ich brauchte eine alternative Strategie. Wang war eine Nummer zu groß. Ich würde nicht mehr in seine Nähe kommen und die Ein-Mann-Armee-Geschichte alla Bruce Willis war im wirklichen Leben so unrealistisch, wie im Film langweilig.
Jemand – und ich weiß nicht mehr wer – hatte mal zu mir gesagt: „Man ist nicht klug, wenn man alle Weisheiten findet, ohne alle Torheiten begriffen zu haben.“ Mein Bauch hatte dazu sofort ja gesagt, aber meine Vernunft, hatte sich Jahre dagegen gewehrt, dies zu akzeptieren, weil es hieß, es gab kein Leben ohne Sünde. Es gab keinen Heiligen. Es gab nur Menschen. Der zu Friedfertige unterließ, was er hätte bekämpfen müssen und der Ehrgeizige vernichtete, was die Sache nie Wert war. Besser werden, klüger werden, Fehler reduzieren, das war alles was man tun konnte.
Die Frage nach dem Warum konnte man sich dabei sparen. Warum? Was war der Sinn? Blablabla. Das Leben hatte keinen Sinn. Es bot Option und die Chance zu wählen. Wie in einem Labyrinth kam man nur vorwärts, wenn man sich unentwegt für links oder rechts entscheidet. Wer gut wählte, fand den Ausgang und damit einen Sinn, wer falsch wählte blieb ewig stecken. Aber wer gar nicht wählte, schaffte es nicht mal das ganze Labyrinth auszuloten.
Die Nacht schlief ich nicht. Mir fehlte Daddy´s little helper, um ins Land der Träume überzugleiten. Erst in den frühen Morgenstunden verfiel ich, in einen ruhelosen Dämmerschlaf, der von einem kreisenden Gedanken erzeugt wurde: Ich durfte keine Zeit verlieren.
Kurz bevor ich, für eine Stunde einschlief, hatte ich schließlich eine Idee. Sie war auch noch da, als ich wieder wach wurde. Ich hatte eine Idee, wo einer der anderen Gegenstände von Skyler zu finden war. Es war so naheliegend, dass ich mich ärgerte, nicht schon früher darauf gekommen zu sein. Ich war viel zu sehr auf die Trommel fixiert gewesen.
Auch ohne richtigen Schlaf fühlte ich mich nicht schlecht. Nüchtern zu sein, war nicht nur scheiße. Nur ein wenig ungewohnt. Wie ein paar neue Schuhe, die viel besser sind, als die ausgetretenen, die man nicht wegwerfen will. Man läuft sich erstmal eine Blase, aber eine Woche später, will man sie nicht mehr missen.
Statt Speck und Ei anzubraten, pürierte ich mir zwei Bananen mit Milch und trank das, in einem Zug. Ich beschloss, mich in den nächsten Tagen mit frischem Obst und Gemüse einzudecken. Mein Körper wirkte, wie ausgehungert nach Gesundem.
Das Taxi war fünf Minuten nach meinem Anruf bereits vor der Haustür und ich begrüßte den Fahrer mit einer Freundlichkeit, die ich nicht mehr an mir kannte.
Ich nannte ihm die Adresse und er fuhr los.
Ogden schlief noch. Es war angenehm kühl und die Luft noch feucht. Der Sommer zeigte erste Dellen und würde in den nächsten Wochen, Schritt für Schritt aus der Welt verschwinden. Auf den Dächern glühte das schräg einfallende Licht der Morgensonne und ich erinnerte mich, an den Morgen nachdem mir Butterfly seinen Sud eingeflößt hatte. Da hatte ich eine ähnliche Empfindung von rein Sein und Unschuld.
Männer fühlten selten so. Männer waren – und so war es Konsens selbst bei den Männern – eigentlich Schuld am ganzen Weltelend. Krieg, Hunger, Gewalt, alles vom männlichen Teil der Menschheit angerichtet. Kleine Jungs waren noch süß, sobald sie einen Willen entwickelten und wild wurden, verbannte man sie auf die dunkle Seite. Ob das so stimmte, ob die Unschuld nicht bei allen Kindern lag und die Schuld bei allen Erwachsenen – wer konnte das sagen? War auch egal! Für mich jedenfalls, waren Unschuld und Reinheit, ungewohnte, seltene und irgendwie angenehme Empfindungen. Und ich nahm sie, wie ich alles andere nahm, was ich fühlte oder was über mich gedacht wurde.
Als wir das Ziel erreichten, sah ich, dass ich gerade noch rechtzeitig kam.

09/20 PGF

42.

Not even when I got out of the car did we change a word. I slammed the door shut so that the little Japanese was wobbling as if a gust of wind had caught him and Lily stepped on the gas to leave me behind as if she had just been forbidden to beam away from me.
I unlocked the front door, thought briefly about whether Brendan could expect me and decided I didn’t care and unlikely.
I threw the key on a small table that I have by the entrance and my jacket over the next chair.
Then I went into the kitchen and grabbed the first whiskey bottle I could grab. I carried it to the sink and emptied it. This is how I did it, with every bottle, with every drop I found in the house.
It was time to sober up, clear and evil. When things were going well, or when they were just normal, it was okay to be a little exhilarated sometimes and a little numb sometimes. But when fate gave you two slaps in the face because you deserved it, sitting in the corner crying didn’t help. To be serious was to be hip and sober.
I was not allowed to lose time chasing the drum or Wang. I needed an alternative strategy. Wang was a number too big. I wouldn’t go near him anymore and the one-man army story alla Bruce Willis was as unrealistic in real life as it was boring in film.
Someone – and I can’t remember who – once said to me: „You are not wise if you find all the wisdom without having understood all the folly.“ My gut had immediately said yes to that, but my reason had resisted for years against accepting it, because it said there was no life without sin. There was no saint. There were only people. The too-peaceful man omitted what he should have fought against and the ambitious man destroyed what was never worth anything. Getting better, getting smarter, reducing mistakes, that was all one could do.
The question of why could be avoided. Why? What was the point? Blah, blah, blah. Life had no meaning. It offered options and the chance to choose. Like in a labyrinth, you could only move forward if you constantly chose left or right. Those who chose well found the exit and with it a meaning, those who chose wrong got stuck forever. But those who did not choose at all did not even manage to fathom the whole labyrinth.
I did not sleep that night. I missed Daddy’s little helper to cross over into the land of dreams. Only in the early morning hours did I fall into a restless twilight sleep, created by a circling thought: I had no time to lose.
Just before I fell asleep for an hour, I finally had an idea. It was still there when I woke up again. I had an idea where to find one of Skyler’s other objects. It was so obvious that I was annoyed that I had not thought of it before. I had been much too focused on the drum.
Even without real sleep I didn’t feel bad. Being sober was not only shit. Just a little unaccustomed. Like a pair of new shoes that are much better than the worn ones you don’t want to throw away. You run a blister at first, but a week later, you don’t want to miss them anymore.
Instead of frying bacon and egg, I mashed two bananas with milk and drank it, in one go. I decided to stock up on fresh fruit and vegetables over the next few days. My body seemed to be starved for healthy food.
The cab was already at the front door five minutes after my call and I greeted the driver with a friendliness that I no longer knew about myself.
I gave him the address and he drove off.
Ogden was still asleep. It was pleasantly cool and the air was still humid. The summer showed the first dents and would gradually disappear from the world over the next few weeks. On the roofs the oblique light of the morning sun was glowing and I remembered the morning after Butterfly had poured his brew into me. There I had a similar feeling of pure being and innocence.
Men rarely felt this way. Men were – and so it was consensus even among men – actually responsible for the whole world’s misery. War, hunger, violence, all caused by the male part of humanity. Little boys were still cute, as soon as they developed a will and became wild, they were banished to the dark side. Whether this was true, whether innocence was not with all children and guilt with all adults – who could say? It did not matter! For me at least, innocence and purity were unusual, rare and somehow pleasant sensations. And I took them as I took everything else I felt or thought about myself.
When we reached our destination, I saw that I arrived just in time.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20 PGF

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