Der Älteste / The eldest (44)

44.

Die Lady im Frontoffice des Greyhound-Ticket-Service, war so eine Tussi vom untersten Regal: aufgehübscht mit allem was die Modezeitschriften aktuell empfahlen und dem Selbstbewusstsein von Wellness-Weekends, wo sie sich mit Freundinnen gegenseitig erklärte, wie toll und attraktiv sie war.
Sie trug ein Dauergrinsen zur Schau, damit niemand ihre kreideweißen Beißerchen übersah und offerierte mir Zusatzangebote die ich nicht haben wollte:
„Wir haben hier noch die Hotelzimmer-Zufriedenheitsversicherung.“
„Nein.“
„Sie bekommen volle Erstattung, wenn sie unzufrieden sind.“
„Ich bin immer unzufrieden, aber mir glaubt nie einer.“
„Aber, wenn Sie auf Trail im Reservat unterwegs sind, vielleicht eine Unfallversicherung?“
„Nein.“
„Mit kostenloser Rückholung.“
„Hören Sie, Lady. Ich hau mir mit meinen Kumpels, irgendwelches Indianerzeugs in die Birne und sehe drei Tage Außerirdische, da passiert schon nix.“
Sie sah mich groß an, sah sich dann in den eigenen Ausschnitt, auf die Monstertitten, die feinstes Silikon aufpolsterte und sah mich dann wieder an, ob ich ihre Brüste auch begutachtete hatte.
„Hören Sie Miss, ich stehe auf echte Dinger, auch, wenn Ihr Operateur einen guten Job gemacht hat. Ich will nur ein Ticket Richtung Neola, ohne Versicherung, ohne Bonusheft, ohne Punkte bei Master-Card. Ich zahle bar. Können wir dafür in die Pötte kommen.“
Sie sah mich unter ihrer Botox glatten Stirn, unter perfekt gezupften Augenbrauen, mit falschen, blauen Kontaktlinsen an; und verzog ihre Plusterlippen, mit Lippenstift der nach rotem Lack aussah, verärgert zur Seite.
„Wissen Sie, Sir, ich versuche hier nur ein gutes Business zu machen. Ich war schon zweimal Saleswomen des Monats und habe die Jahresmedaille für Kundenfreundlichkeit.“
Ich schloss die Augen und schnaufte.
„Sie machen, dass auch hervorragend. Nicht ihre Schuld, dass Sie an mich geraten sind. Ich hatte einen Scheißtag, eigentlich eine Scheißwoche und mache so ein Saftfasten, das mich auch etwas dünnhäutiger macht. Sie haben tolle Angebote, wunderschöne, blonde Haare und ihre Oberweite ist zum, sich in die Wolken legen. Aber ich bin alt, impotent und in Eile und deshalb danke ich Ihnen, wenn ich mein Ticket habe.“
„Ach so.“
Sie drehte sich auf ihrem Bürostuhl, nahm mein gedrucktes Ticket und reichte es mir über den Tresen.
„Bitte, Sir. Ich wünsche Ihnen eine gute Reise.“
„Danke, Miss. Ihnen nur das Beste.“
Ich wandte mich ab und ging in die Wartehalle, wo ich noch 30 Minuten überbrücken musste. Ich dachte kurz darüber nach, Lily eine SMS zu schicken: „Du, sorry, wollen wir uns demnächst mal treffen.“ Aber mir war nicht nach Sorry und nicht nach Treffen, deshalb ließ ich es.
Als der Bus in seiner Bucht parkte, stieg ich ein und schwang mich auf meinen Platz. Ich schloss die Augen und schlief fast augenblicklich ein. Fehlte also doch etwas Schlaf aus der letzten Nacht.
Als ich wach wurde, lag Ogden schon ein gutes Stück hinter uns. Wir waren sicher schon auf dem Gebiet des Reservats und ich war froh, ein großes Stück der Strecke verschlafen zu haben.
Der Bus war nur schwach besetzt und da es das Schicksal ausnahmsweise gut mit mir meinte, war ich, von einem Sitznachbarn, verschont geblieben.
Ich sah zum Fenster hinaus und während ich eigentlich der Landschaft irgendetwas abgewinnen wollte, zogen meine Gedanken, an dem vorbei, was alles betrachtete: mich, die Landschaft, meine Gedanken und was ich wohl selbst, auf irgendeine geheimnisvolle Art war.
Ich dachte, an das Reservat und fragte mich, ob ich Velvet finden würde und, ob sie mir helfen konnte. Ich dachte, an meinen Anrufbeantworter und ob die Aufnahmekapazität mittlerweile ausgeschöpft war. Und falls ja, ob ich je wieder einen Klienten, in Ogden bekommen würde. Ich dachte an Kho, dem ich das alles schuldig war und ich dachte an Lily, die mich vermutlich für gefühlskälter hielt, als Stalin. Ich dachte, an ein Glas Bourbon, mit zwei Eiswürfeln und einem Spritzer Zitrone. Und dachte an den Moment heute Morgen, diesen verblassenden Schimmer von Reinheit und Unschuld, in dem ich mich ganz finden und gar nicht finden konnte.
Und während ich dachte, rauschte der Greyhound über den Asphalt, wandte die Erde sich immer voller der Sonne zu und zwischen ihr und dem Himmel zogen die Wolken, um nirgendwo anzukommen.

09/20 PGF

44.

The lady in the front office of the Greyhound ticket service was one of those chicks from the lowest shelf: dressed up with everything that the fashion magazines currently recommend and the self-confidence of wellness weekends, where she explained to friends how great and attractive she was.
She wore a permanent grin on her face so that no one could overlook her chalk-white teeth and offered me additional offers I didn’t want to have:
„We still have that hotel room satisfaction insurance here.“
„No.“
„You’ll get a full refund if you’re not happy.“
„I’m always dissatisfied, but no one ever believes me.“
„But if you’re on a trail on the reservation, maybe you have accident insurance?“
„No.“
„With free pick-up.“
„Look, lady. I’ll bust my head with my buddies, some Indian stuff, see aliens for three days, nothing’ll happen.“
She looked at me big, then looked down her own neckline, at the monster tits, padded with the finest silicone, and then looked back at me to see if I had also examined her breasts.
„Listen Miss, I like real things, even if your surgeon has done a good job. I just want a ticket to Neola, no insurance, no bonus booklet, no points with Master-Card. I pay cash. We can get in the pots for that.“
She looked at me under her Botox-smooth forehead, under perfectly plucked eyebrows, with fake blue contact lenses; and pulled her plush lips, with lipstick that looked like red varnish, angrily to the side.
„You know, sir, I’m just trying to do good business here. I’ve been Saleswoman of the Month twice and I’ve won the annual medal for customer service.“
I closed my eyes and puffed.
„You’re doing that excellently too. It’s not your fault that you got to me. I had a shitty day, actually a shitty week, and I’m doing such a juice fast that it also makes me a little thinner-skinned. You have great offers, beautiful blonde hair and your bust is to lie in the clouds. But I’m old, impotent and in a hurry and so I’ll thank you when I get my ticket“.
„I see.“
She turned on her office chair, took my printed ticket and handed it to me over the counter.
„Please, sir. I wish you a safe journey.“
„Thank you, miss. Only the best for you.“
I turned away and went to the waiting room, where I had 30 minutes to spare. I thought about texting Lily for a minute, „Hey, sorry, let’s get together next time.“ But I didn’t feel like sorry and I didn’t feel like meeting her, so I didn’t.
When the bus was parked in its bay, I got in and swung myself into my seat. I closed my eyes and fell asleep almost instantly. So some sleep from last night was missing after all.
When I woke up, Ogden was already a long way behind us. We were certainly already in the reserve area and I was glad to have slept a long way.
The bus was only weakly occupied and since fate was exceptionally kind to me, I was spared by a seat neighbor.
I looked out the window and while I wanted to get something out of the landscape, my thoughts passed by what was looking at everything: me, the landscape, my thoughts and what I was myself in some mysterious way.
I thought about the reserve and asked myself if I would find Velvet and if she could help me. I thought about my answering machine and whether the recording capacity was exhausted by now. And if so, whether I would ever get a client again, in Ogden. I thought of Kho, to whom I owed all this, and I thought of Lily, who probably thought I was more emotionally cold than Stalin. I thought about a glass of bourbon, with two ice cubes and a splash of lemon. And I thought of that moment this morning, that fading glimmer of purity and innocence where I could find myself completely and not at all.
And as I thought, the Greyhound rushed across the asphalt, the earth turned ever more full of the sun, and between it and the sky the clouds were moving to get nowhere.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

09/20 PGF

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