Der Älteste / The eldest (49)

49.

Dieser innere Abschnitt der Danger Cave war dank zweier Baustellenstrahler, beinah taghell ausgeleuchtet, sodass die ganze groteske Szenerie, wie ein entblößter Mensch dessen Makel zum Vorschein kommen, zu sehen war:
In der Mitte der Kammer kniete Wang, die Trommel auf den Oberschenkeln vor sich und murmelte irgendein unverständliches Kauderwelsch. Ein gutes Stück von ihm entfernt, noch weiter im Inneren der Höhle, lagen, wenn ihre verzerrten Fratzen mich nicht täuschten Brendan und Moorer, mit gelben Gesichtern, wie nach einem verheerenden Leberversagen und dampfenden, verkrüppelten Händen, die aussahen, als wären sie zu einem Säurebad gezwungen worden. Aber dahinter, saß oder stand oder lag, ich konnte das nicht unterscheiden, die seltsame Masse eines fremdartigen Organismus, der uns aus gläsernen Augen ansah, wie Fische es tun, wenn man sie vom Angelhaken nimmt: bedrohlich und verzweifelt. Ich sah in diese Augen und sah ein Alter, wie ich es, aus dem Rauschen des Meeres, der Stille der Gipfel kannte nur, dass dieses Alter nun Gestalt bekam. Die Haut und Bewegung des Ältesten erinnerten mich an eine Schildkröte. Aber dem Körper fehlte eine Kontur, um den Vergleich greifbar zu machen.
Schrecklich war die Luft: ein Gestank aus Fäulnis und Verwesung. In die Luftfeuchtigkeit der Höhle hatte sich ein, mit der Zunge tastbarer, Geruch gefressen, wie einem Wasser dem Gift beigemengt ist.
Lily hinter mir war erstarrt, wie ich. Ich fühlte, wie es sie nach draußen drängte, wie ihr die grundsätzliche Platzangst und der furchtbare Anblick und der Gestank alle Kraft nahmen. Aber sie wollte nicht aufgeben, diesmal nicht.
„Wang!“ Sagte ich heiser und merkte erst, als ich meine Stimme hörte, wie vollkommen überfordert ich war.
Wang schien mich nicht zu hören.
Seine Finger trommelten unwillkürlich auf die Trommel vor ihm, als versuche er noch einen Morse-Code abzusetzen, während der Krieg längst verloren war.
Ich wandte mich zu Lily.
„Warte, bitte.“
Dann ging ich näher zu Wang. Gleichzeitig konnte ich mir Brendan und Moorer näher ansehen. Sie sahen tatsächlich aus, als hätten sie mit einem Atompilz gekuschelt.
„Er stirbt“, schluchzte Wang, als sei es mit meinem Näherkommen, unausweichlich geworden, dass er mit mir sprach. „Die Medizinmänner wissen es und sie wissen, dass ihr Weg mit ihm stirbt. Ich dachte“, er schluchzte wieder, „ich könnte ihn retten.“
Ich sah ehrfürchtig zum Ältesten der mich mit seinen Glasaugen gleichgültig beobachtete.
„Was ist mit Brendan und Moorer geschehen?“
Wang schüttelte den Kopf, als wolle er es nicht sagen. Aber er sprach doch: „Es ist in seiner Haut. Es ist ein Gift, ähnlich wie bei Pfeilgiftfröschen.“
Nur etwas heftiger, dachte ich.
„Ich wollte, dass sie ihn raustragen. Ich wollte ihn, in meiner Kiva gesund pflegen, aber er will es nicht.“
Wang senkte den Kopf.
Aber nur einen Moment, dann sprang er, wie besessen auf und schrie den Ältesten an, wie ein Kind, dass einen Wunsch nicht erfüllt bekommt. „Wieso?“ Schrie er. „Wieso redest du nicht mit mir?“
Die Augen des Ältesten verrieten es mir. Auf bizarre Weise, war es der gleiche Effekt, den ich bei Ladys schon mehrfach erlebt hatte. Ein Kumpel nahm Blick mit einer Frau auf und wunderte sich, weshalb sie ihn nicht bemerkte, aber ich bemerkte, dass sie währenddessen meinen Blick suchte.
„Vielleicht sollten wir es hiermit versuchen?“
Ich nahm die Flöte heraus.
Wang starrte sie an, wie wahnsinnig, als wäre er Gollum und ich hätte den Ring in die Höhe gehalten.
„Sie haben auch ein Instrument?“
„Ja.“
„Dann geben Sie es her.“
„Nein Wang, hören Sie!“
„Wie viel wollen Sie?“
„Nichts! Sie sollten.“
Wang verlor die Beherrschung.
Er stürzte sich auf mich, um mir die Flöte zu entreißen, aber Wang wäre nicht mal ein Gegner für mich gewesen, hätte ich im Tiefschlaf gelegen.
Ich schoss ihm eine Grade mitten in die Fresse und traf mit gefühlt 250 Km/h. Wang wurde erst in der Vorwärtsbewegung gebremst und wie bei Implosion nach hinten geschleudert. Das hatte ich nicht bedacht.
Er taumelt drei, vier, fünf und dann immer mehr Schritte nach hinten und landete, als würde er sich auf seinen Schoss setzen wollen auf dem Ältesten.
Was immer der ausschwitzte: Es war verdammt scharfes Zeug. Wang wurde gegrillt, wie ein Würstchen auf einem viel zu heißen Rost.
Aber auch der Älteste nahm Schaden. Er stieß etwas aus, etwas, wie Schallwellen, dass mich in den Ohren traf. Er wirkte, wie ein Feuer, dass mit jedem Stück Holz, welches es verzerrt auch sich selbst auflöst.
Mit einer Bewegung wie Wackelpudding, stieß der Älteste Wang von sich, der vor ihm zu Boden fiel.
Die Nase die ich ihm gebrochen hatte, war nun Wangs geringstes Problem.
Ich drehte mich um.
Lily stand noch immer da.
„Spiel die Flöte“, forderte sie, mit einer erschütternd dünnen Stimme.
„Was?“
„Spiel schon!“
Ich sah nach dem Ältesten und nahm alle Kraft, allen trotzigen Widerstand zusammen, den ich über die Jahre gesammelt hatte.
Ich spielte und der sterbende Älteste, offenbarte mir seine Geschichte.

10/20 PGF

49.

This inner section of Danger Cave was illuminated almost as bright as day thanks to two site spotlights, so that the whole grotesque scenery could be seen, like an exposed human being whose blemishes are revealed:
In the middle of the chamber, Wang, the drum on his thighs, knelt in front of him and muttered some incomprehensible gibberish. A good distance away from him, even further inside the cave, if their distorted grimaces did not deceive me, Brendan and Moorer, with yellow faces, as if after a devastating liver failure and steaming, crippled hands that looked as if they had been forced to take an acid bath. But behind them, sitting or standing or lying, I couldn’t tell the difference, the strange mass of a foreign organism, looking at us through glass eyes, like fish do when you take them off the hook: threatening and desperate. I looked into those eyes and saw an age, as I did, from the murmur of the sea, the silence of the peaks knew only that this age was now taking shape. The skin and movement of the elder reminded me of a turtle. But the body lacked a contour to make the comparison tangible.
The air was horrible: a stench of decay and putrefaction. In the humidity of the cave, a smell had eaten into the air, palpable with the tongue, like water mixed with poison.
Lily behind me was frozen, like me. I felt it push her outside, how the basic claustrophobia and the horrible sight and smell took all her strength. But she wouldn’t give up, not this time.
„Wang!“ I said hoarsely and only realized when I heard my voice how completely overwhelmed I was.
Wang did not seem to hear me.
His fingers involuntarily drummed on the drum in front of him, as if he was trying to play a Morse code while the war was long lost.
I turned to Lily.
„Wait, please.“
Then I went closer to Wang. At the same time, I could take a closer look at Brendan and Moorer. They actually looked like they were cuddling with a mushroom cloud.
„He’s dying,“ Wang sobbed, as if it had become inevitable with my approach that he would talk to me. „The medicine men know it and they know that their way dies with him. I thought,“ he sobbed again, „I could save him.“
I looked in awe at the elder who was watching me indifferently with his glass eyes.
„What happened to Brendan and Moorer?“
Wang shook his head as if not wanting to say. But he said, „It is in his skin. It is a poison, similar to poison dart frogs.“
Only a little harder, I thought.
„I wanted them to carry him out. I wanted to nurse him back to health in my Kiva, but he wouldn’t have it.“
Wang lowered his head.
But only for a moment, then he jumped up, obsessed, and yelled at the elder, like a child not getting his wish. „Why?“ He shouted. „Why won’t you talk to me?“
The eyes of the elder told me. In a bizarre way, it was the same effect I had experienced on ladies several times before. A buddy took a look with a woman and wondered why she didn’t notice him, but I noticed that she was looking for my gaze in the meantime.
„Maybe we should try this?“
I took out the flute.
Wang stared at it like mad, as if he was Gollum and I had held the ring up.
„You have an instrument too?“
„Yes.“
„Then give it to me.“
„No, Wang. Listen.“
„How much do you want?“
„Nothing! You should.“
Wang lost his temper.
He pounced on me to snatch my flute, but Wang would not be my opponent if I was in a deep sleep.
I shot him a jap in the middle of his face and hit him at a felt 250 km/h. Wang was only braked in the forward movement and thrown backwards as if by implosion. I had not considered that.
He staggered three, four, five and then more and more steps backwards and landed on the oldest one as if he wanted to sit on his lap.
Whatever he sweated out, it was damned hot stuff. Wang was grilled like a sausage on a much too hot griddle.
But even the elder was damaged. He ejected something, something, like sound waves, that hit me in the ears. He acted like a fire that dissolves with every piece of wood that it distorts.
With a movement like Jell-O, the elder pushed Wang away, who fell to the ground in front of him.
The nose I had broken was now the least of Wang’s problems.
I turned around.
Lily was still standing there.
„Play the flute,“ she demanded, in a shockingly thin voice.
„What?“
„Play it!“
I looked for the elder and gathered all the strength, all the defiant resistance I had collected over the years.
I played, and the dying eldest revealed his story to me.

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (DeepL pro)
Note: Subsequent corrections in inverse front

10/20 PGF

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