Der Regen prasselt gegen die Scheibe / The rain pelted against the window

Der Regen prasselte gegen die Scheibe, als wolle jemand herein – irgendein Verzweifelter, ein in der Welt Verirrter der auf der Suche nach Schutz vor Kälte und Regen ist. Einer der sich die Welt gar nicht ausgesucht hat, sondern hinein gerutscht ist, ganz ahnungslos und gar nicht die Gefahr sieht, an einem Fenster zu klopfen und um Einlass zu bitten. Weil doch dahinter, wo das Licht brennt und die Wärme ist und ein Dach sich schützend gegen den Himmel stemmt, niemand böses wohnen kann.
Immer wieder versucht der Verzweifelte sein Glück. Jedes Tropfen ein zartes und doch energisches Klopfen, welches um Einlass bittet. Aber es bleibt still und es bleibt Nacht und alles was in der Dunkelheit zurückbleibt ist das monotone Rauschen und Klopfen, dass nicht erhört wird. Weil drinnen, drinnen ist es gar nicht warm und sicher und vertrauensvoll. Drin ist es hell, ängstlich hell, drin ist es warm, aufgeregt, warm unsicher warm, drin ist das Lauschen in die Nacht, die Gefahr und das Ungewisse.
Der Regen – der Regen gibt nicht auf, noch stundenlang versucht er sein Glück, ohnmächtig tastet er über das kalte Glas. Fließt und rauscht und strömt, als wäre er unerschöpflich, als würde es gar keinen Sinn machen, sich ihm zu verwehren, ihn auszusperren in die Nacht, wo er wartet, aber nicht geht. Aber er geht. Spätestens in den Morgenstunden wird er sich erschöpft haben und still werden und schließlich stumm – und dann wird die Stille allumfassend sein und kein Morgen ist geboren.

10/20 PGF

The rain pelted against the window pane as if someone wanted to come in – some desperate man, a man lost in the world who was looking for protection from the cold and rain. Someone who didn’t choose the world at all, but slipped into it, completely unaware and not even aware of the danger of knocking on a window and asking to come in. Because behind it, where the light burns and the warmth is and a roof is protecting the sky, no one can live evil.
Again and again the desperate man tries his luck. Every drop is a gentle yet energetic knocking that asks to be let in. But it remains silent and it remains night and all that remains in the darkness is the monotonous hissing and knocking that is not heard. Because inside, inside it is not at all warm and safe and trusting. Inside it is light, fearfully light, inside it is warm, excited warm uncertain warm, inside it is the listening into the night, the danger and the uncertain.
The rain – the rain does not give up, for hours he tries his luck, unconscious he gropes over the cold glass. Flowing and rushing and streaming as if it were inexhaustible, as if it would make no sense at all to deny him, to lock him out into the night, where he waits but does not leave. But he goes. In the morning hours at the latest he will have exhausted himself and become quiet and finally mute – and then the silence will be all-encompassing and no tomorrow is born.

10/20 PGF

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