Unbemerkte Zeiten / Unnoticed Times

Wenn Historiker von großen Ereignissen, von wichtigen Epochen erzählen, dann denken wir schnell, dass die Menschen dieser Zeit sich vermutlich in großer Aufregung und in einem absoluten Ausnahmezustand befunden haben. Dass während der französischen Revolution alle die Fahne der Freiheiten schwenkten, während der Kreuzzüge, alle ins Morgenland ritten und zu Zeiten der Pest, es nur noch die gab, die auf Leichenwagen lagen und die die sie schoben.

Aber die Menschen haben vielleicht, schon immer, einfach nur versucht weiterzuleben und festzuhalten an dem, was sie für das Leben hielten. Nicht ihr Leben, sondern die Normalität des Lebens. Sie wurden alle eines Besseren belehrt. Die einen trieb dies in Weltuntergangshysterie mit kruden Ideen und die anderen entzündeten die Hexenfeuer der Inquisition. Aber dazwischen lebte die große Zahl, im Ringen um das was war.

Manche historischen Ereignisse, wie die Deutsche Wiedervereinigung wurden groß inszeniert, als historisch. Aber ich glaube, der wirkliche Epochenwandel vollzieht sich unmerklich, unaufhaltsam, sodass man seinen Beginn nur grob fassen kann und sein Ende erst viele Jahrzehnte später erkennt.

Und so setzte ich mich, jeden Abend, wenn die Stille sich über die Welt senkt und die Welt vor meinem Fenster verschwindet, an meine Geschichten und spinne sie fort, nicht, weil sich damit etwas verändern oder aufhalten ließe. Im Gegenteil, um etwas zu bewahren was der Zeit ausgeliefert ist. Vielleicht etwas vollkommen Unbedeutendes, etwas Unbemerktes – aus unbemerkten Zeiten.

11/20 PGF

When historians tell of great events, of important epochs, we quickly think that the people of that time were probably in great excitement and in an absolute state of emergency. That during the French Revolution everyone waved the flag of liberty, during the Crusades, everyone rode to the Orient, and in times of plague, there were only those who lay on hearse and those who pushed them.

But the people may have, always, simply tried to go on living and holding on to what they thought was life. Not their life, but the normality of life. They were all taught a better lesson. Some were driven by crude ideas in hysteria about the end of the world and others lit the witch fires of the inquisition. But in between lived the great number, struggling for what was.

Some historical events, like the German reunification, were staged on a grand scale, as historical. But I believe that the real epochal change is taking place imperceptibly, unstoppably, so that one can only roughly grasp its beginning and only recognize its end many decades later.

And so, every evening, when the silence falls over the world and the world disappears outside my window, I sit down to my stories and spin them on, not because anything could be changed or stopped by this. On the contrary, to preserve something that is at the mercy of time. Perhaps something completely insignificant, something unnoticed – from unnoticed times.

11/20 PGF

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