Wenn man den Überblick verliert

Ich habe ja schon gelegentlich kund getan, dass ich die Corona-Maßnahmen für notwendig erachte und man kein Experte sein musste, um das Unheil kommen zu sehen.
Aber ich habe auch ein großes Verständnis für die Skeptiker, die Maßnahmen und Freiheitsbeschränkungen hinterfragen, vielleicht auch, weil sie nicht täglich mit den verheerenden Verläufen konfrontiert sind. Die „Frontlinie“ verläuft in den Kliniken und dort findet man selten Skeptiker. Man bezweifelt nicht, was man mit Händen greifen kann.
Aber! Dass die Politik auf Gedanken kommt, wie beispielsweise in Baden-Württemberg, Quarantäne-Verweigerer in Krankenhäuser einzuweisen, dokumentiert zwei Dinge zeitgleich: vollkommener Verlust von Maß und Ziel (So was kann man, wenn man es will mit einer Geldbuße sanktionieren und gut ist. Gerichte werden dann entscheiden, ob es rechtens war) und vollkommenen Verlust der Realität: Als hätten Krankenhäuser aktuell Zeit und Muße sich mit Querulanten zu beschäftigen, die den Klinikbetrieb stören.
Wenn Menschen diese komplizierte Zeit mittragen und ertragen sollen, brauchen sie zwei Dinge: greifbare Zusammenhänge und die unverrückbare Gewissheit, dass eine gegensätzliche Meinung vertreten werden kann.
Wer in dieser Pandemie helfen will, hält sich an vernünftige Maßnahmen, unqualifizierte Äußerungen schaden vor allem denen die Unterstützung brauchen, nachdem der Balkonapplaus verstummt ist und die Prämien ausgeblieben sind …

12/20 PGF

4 Kommentare zu „Wenn man den Überblick verliert

  1. Erfrischend, was du hier schreibst. Und die recht abgewogenen Worte gefunden!
    Mir gehen die Details langsam auch etwas weit, selbst wenn ich verstehe, was man versucht über Politik und Regeln zustande zu bringen. Und die Verantwortlichen nicht beneide um ihre Aufgaben. Maß und Ziel scheinen in der Tat langsam verloren zu gehen.

    Was mir persönlich noch fehlt – und das mag der Pietät geschuldet sein – ist, dass man über die Medien auch von den Toten mitbekommt. Es sind einfach Zahlen. Aber solange man so etwas nicht hautnah mitbekommt, ist es ziemlich irreal. Und macht es total schwer, die Motivation für die Regeln aufzubringen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, die Zahlen sind abstrakt, aber nimmt man die ~450 pro Tag in Deutschland und rechnet 50 wegen Mehrfacherkrankung weg, stehen wir nach einem Jahr bei 146000, während die Maßnahmen wirksam sind und ein Gesundheitssystem die schweren Verläufe abfedert. Wie würde es wohl aussehen hätte der Virus freie Fahrt?

      Gefällt 2 Personen

  2. An der „unverrückbaren Gewissheit, dass eine gegensätzliche Meinung vertreten werden kann“, fehlt es schon länger, und das ist es, was Angst macht, die Gesellschaft könnte sich in einer Weise verändern, wie es sich wahrscheinlich niemand wünscht.

    Gefällt 3 Personen

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