Rundgang / Round (7)

7.
Wir erreichten das Dorf noch weit vor Mittag und obwohl, zwei Tage vorm Vollmond, immer Markttag war, sahen wir kaum jemand in den Gassen. Ein paar Katzen streunten auf dem Weg und nahmen Reißaus, wenn sie ein Hofhund entdeckte und zornig zu bellen begann.
„Wo sind denn alle?“ Fragte der Schmetterling und ich war überrascht, dass sie das nicht wusste, obwohl sie so viel über diese Welt und andere Welten zu wissen schien.
„Sie verstecken sich in ihren Häusern. Weil eine Krankheit umgeht, vor der sich alle fürchten.“
„Und ist die schlimm?“
Ich nahm mir, da ich gleich welchen nachkaufen konnte, etwas Kautabak aus einem Holzkästchen indem ich meine Vorräte aufbewahrte und formte ihn zu einer kleinen Kugel, die ich in meiner Wangentasche verschwinden ließ.
„Schlimm ist alles Sterben, schlimm und völlig belanglosen. Aber, weil sie am Leben hängen und so soll es ja wohl sein, ist es keine Dummheit sich zu schützen.“
„Aber du schützt dich nicht.“
Ich kaute ein wenig auf dem Tabakknäul.
„Doch, wenn ich hier bin schütze ich mich . Aber in meiner Hütte gibt es keinen Grund dazu. Den Dörflern hier, geht es, wie ihrem Stallvieh, dass sie viel zu eng zusammengepfercht haben und, dass ihnen auch in Massen stirbt, wenn es erkrankt, weil es zu dicht gedrängt leben muss.“
„Und du meinst, wenn alle Abstand halten, bleiben alle gesund?“
Ihr Missverstehen ärgerte mich.
„Nein, nein gar nicht! Es geht nicht um Abstand. Es geht um Würde. Wenn ihr Vieh in Würde leben dürfte, in großen Ställen und auf offenen Weiden, dann würde keine Krankheit, wie ein Feuer um sich greifen. Wenn sie die Welt nicht mit ihrem Kot und Unrat verschmutzen würden, dann wären die Bäche klar und die Erde fruchtbar und alle Krankheit wäre ein Teil des Lebens und nicht die Folge von Dummheit.“
„Aber sie wollen doch nur, wie du, leben. Nur tun sie es lieber, dicht beieinander und nicht so fern von allem, wie du.“
Ich schüttelte den Kopf. Sie verstand nicht. Wenn man die Welt nur träumte war alles leicht und gut, aber, wenn man sich in ihr verantworten und ihr gerecht werden wollte, kam man, um die bitteren und schweren Wahrheiten nicht herum.
„Ich muss zum Schmied“, erklärte ich, um das Thema zu wechseln.
Die Schmiede lag nördlich im Dorf, dort, wo sich der Fluss, an den Häusern vorbei schlängelte.
Aus der Schmiede war der schwere Hammer zu hören, der auf dem Amboss sein Werk verrichtete. Ich hatte nicht gezweifelt, dass der Schmied arbeiten würde. Das tat er immer, von früh bis spät.
Er war so tief in sein Werk vertieft, dass er uns nicht bemerkte.
„He! Hansen“: rief ich und er sah auf.
„Hallo Jakob. Was treibt dich denn ins Dorf?“
Ich wartete, wie er auf die Schmetterlingsfrau reagierte, aber er tat so, als sei sie gar nicht da.
„Ich brauche die Klinge für mein Beil, die ich dir gebracht habe. Ist sie fertig?“
Hansen nickte.
„Ja klar.“
„Und einen Lederbeutel Tabak, wenn du noch welchen hast.“
„Sicher. Hol ich dir. Habe ich alles hinten.“
Der Schmied verschwand.
„Er ignoriert dich.“ Meinte ich zu meiner Begleiterin.
Aber sie, die durch die Schmiede geflattert war, um alles zu betrachten, schüttelte den Kopf. „Nein, er sieht mich nicht. Nur du siehst mich. Jeder hat seine eigenen Dämonen und Zauberwesen.“
Hansen kam zurück.
„Mit wem sprichst du?“
Ich musterte ihn, ob er sich einen Spaß mit mir erlaubte.
„Mit meiner Begleiterin.“
Hansen schüttelte den Kopf.
„Deine Frau ist doch schon lange tot.“ Er sah mich mitleidig an. „Vielleicht ist es doch irgendwann Zeit, dass du zu uns ins Dorf ziehst. Du siehst schon Geister.“
Er legte die Beilklinge und den Tabakbeutel vor mich.
„Du hast noch Guthaben vom letzten Mal. Nimm die Sachen einfach.“
Er legte mir seine mächtige Hand auf die Schulter.
„Alles in Ordnung mit dir? Du bist gerade ganz schön blass um die Nase aus.“
Ich sah nach der Schmetterlingsfrau, die wie der Rauch aus der Esse durch die Schmiede schwebte.
„Ich denke, schon Hansen. Danke Hansen und bis zum nächsten Mal.“

12/20 PGF

7.
We reached the village well before noon and although, two days before the full moon, it was always market day, we saw hardly anyone in the alleys. A few cats strayed onto the path and took to their heels when a farm dog spotted them and began barking angrily.
„Where is everyone?“ Asked the butterfly, and I was surprised she didn’t know, even though she seemed to know so much about this world and other worlds.
„They are hiding in their houses. Because there’s a disease going around that everyone’s afraid of.“
„And is it bad?“
I took some chewing tobacco, since I was about to buy some, from a small wooden box in which I kept my supplies and formed it into a small ball, which I let disappear in my cheek pocket.
„Bad is all dying, bad and completely trivial. But, because they hang on to life, and that’s the way it’s supposed to be, it’s not foolishness to protect yourself.“
„But you’re not protecting yourself.“
I chewed a little on the ball of tobacco.
„Yes I do, when I’m here I protect myself . But in my hut, there is no need. The villagers here, are like their stable cattle, that they have crammed far too closely together and, that also dies to them in masses when it falls ill, because it must live too closely packed.“
„And you mean that if everyone keeps their distance, everyone will stay healthy?“
I was annoyed by her misunderstanding.
„No, no not at all! It’s not about spacing. It’s about dignity. If their livestock were allowed to live in dignity, in large barns and open pastures, then no disease, like a fire would spread. If they didn’t pollute the world with their excrement and filth, then the streams would be clear and the earth fertile and all disease would be a part of life and not the result of stupidity.“
„But they, like you, just want to live. Only they prefer to do it close together and not so far from everything, like you.“
I shook my head. She didn’t understand. If one only dreamed the world everything was easy and good, but, if one wanted to answer for oneself in it and do justice to it, one could not avoid the bitter and heavy truths.
„I have to go to the blacksmith,“ I explained, changing the subject.
The smithy was located north in the village, where the river, meandered past the houses.
From the forge could be heard the heavy hammer doing its work on the anvil. I had no doubt that the blacksmith would work. He always did, from morning till night.
He was so deeply engrossed in his work that he didn’t notice us.
„Hey! Hansen“: I called out and he looked up.
„Hello Jakob. What brings you to the village?“
I waited to see how he reacted to the butterfly woman, but he pretended she wasn’t even there.
„I need the blade for my axe that I brought you. Is it ready?“
Hansen nodded.
„Yeah, sure.“
„And a leather pouch of tobacco, if you have any left.“
„Sure. I’ll get it for you. Got it all in the back.“
The blacksmith disappeared.
„He’s ignoring you.“ I said to my companion.
But she, who had fluttered through the forge to look at everything, shook her head. „No, he doesn’t see me. Only you see me. Everyone has their own demons and magical creatures.“
Hansen came back.
„Who are you talking to?“
I eyed him, wondering if he was having a joke on me.
„With my companion.“
Hansen shook his head.
„Your wife is long dead, isn’t she?“ He looked at me pityingly. „Maybe it’s time for you to join us in the village after all. You’re already seeing ghosts.“
He put the axe blade and tobacco pouch in front of me.
„You still have credit from last time. Just take the things.“
He put his mighty hand on my shoulder.
„Are you all right? You look pretty pale around the nose right now.“
I looked after the butterfly woman who floated through the forge like smoke from the forge.
„I think so Hansen. Thanks Hansen and see you next time.“

12/20 PGF

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