Gestra (4)

4.
Sie fuhr ein schwedisches Auto und ich brauchte gut zehn Minuten, um zu akzeptieren, dass es nicht aus Holzbrettern zusammengezimmert war und tatsächlich über einen Verbrennungsmotor verfügte. Okay, die Schweden hatten ein paar gute Eishockeyspieler, aber dass die mehr machten, als Elche jagen und durch die Wälder streifen überraschte mich.
»Wie viel schluckt der?« Fragte ich und hoffte keine Antwort zu erhalten wie: »Nicht mehr als du.« Aber die Antwort war nicht viel besser.
»Der schluckt gar nichts mehr, der fährt vollelektrisch.«
Okay, die Schweden wurden mir unheimlich.
Ich merkte, dass ich nicht mehr lange bis Kennebunk gebraucht hätte. Wir kamen schnell an einem Bed&Breakfast vorbei, an der Kennebunk Elementary, einem großen Rastplatz der rechts und links des Highway 95 lag und waren dann im Zentrum der Stadt, durch die sich der Mousam schlängelte.
Es war ein nettes, kleines Örtchen mit ein paar schönen alten Gebäuden, im englischen Stil, ausgedehnten Waldstücken, sodass ich bald den Eindruck hatte, eher in einem Flickenteppich von kleinen Dörfern unterwegs zu sein und nicht in einer Stadt.
»Es ist schön hier.«
Jezebel sah zu mir herüber und lächelte.
»Ja, ich lebe gern hier. Es ist friedlich, man hat viele Möglichkeiten, aber auch viel Natur.«
»Du sagst, wo wir gut frühstücken können.«
»Ich würde gerne mit dir rausfahren zum Kennebunk Port. Ich denke ein bisschen Atlantik-Luft schadet dir nicht. Bei »Mike´s All Day Breakfast«, finden wir sicher etwas und, wenn du magst können wir es mitnehmen zum Strand.«
»Das klingt gut.«
Das klang nicht gut, dass klang absolut fantastisch, als hätte mir jemand angeboten, mein verrottetes Leben in Tiefschlaf zu versetzen und einfach ein paar Tage die Welt still zu genießen.«
Wir erreichten das »Mike´s« und das machte, mit großen Pflanzen und einer schönen breiten Veranda einen sehr einladenden Eindruck.
Der Blick auf die Speisekarte mit Himbeersoße auf Waffeln, Speck mit Rührei, Speck auf Omelett, Kartoffeln und Würstchen überzeugte mich, dass es besser war hier zu frühstücken, statt die Sachen mit an den Strand zu nehmen.
»Wie du willst? Ich dachte nur, du hättest vielleicht gerne das Meer gesehen.«
»Kann ich auch nach dem Frühstück. Also, wenn du noch Zeit hast.«
»Ja, die habe ich schon. Aber machst du dir keine Gedanken über dein Auto, wenn es einfach an der Straße steht?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Nein, hier irgendwie nicht.«
Ihr Nicken sagte: »Ja, in Kennebunk ist die Welt noch in Ordnung.«
»Okay, dann lass uns einen Tisch suchen.«
Wir setzen uns und bestellten Frühstück und Kaffee.
Einen Moment wurde es still. Dieser Moment Stille zwischen zwei Fremden, in denen sich entscheidet, ob sie etwas miteinander anfangen können oder rascher wieder auseinandergehen, als es im Moment den Eindruck macht.
»Du willst also schon bald weiter?« Nahm Jez das Gespräch wieder auf und stocherte mit ihrem Strohhalm, in dem Pappbecher, aus dem sie ihren Milchshake trank.
Ich öffnete die Hand, wie jemand der einen Luftballon steigen lässt.
»Ja, ich war eigentlich auf dem Weg nach Norden. Wollte für ein paar Tage nach Kanada. Ich war noch nicht sicher.«
»Du hast Urlaub?«
Das Gespräch neigte sich vorsichtig in Richtung Verhör.
»Nein, kein Urlaub. Ich bin«, ich wusste nicht, ob ich es noch war, aber ich sagte es einfach mal, »Privatdetektiv und Bounty Hunter. Ich habe gerade einen etwas schwierigen Fall hinter mir«, Beth lächelte mich an und verschwand wieder aus meinen Gedanken, »und suche etwas Erholung.«
»Man kann sich auch hier gut erholen. Also«, sie wurde rot, »ich will dich nicht aufhalten. Aber irgendwie – ich kann es dir nicht sagen.«
Sie brach ab.
Jetzt verstand ich den Moment Stille.
»Es würde mir guttun, ein paar Tage hier zu bleiben.«
Sie lächelte und dieses offene und ehrliche Lächeln, unverstellt und eindeutig rührte mich, wie eine Kerze, die man in einem finsteren Zimmer entzündet.
»Ja, viele kommen her, um etwas Kraft zu schöpfen.«
Die Kellnerin brachte unser Frühstück.
»Das glaube ich. Aber ich dachte nicht, dass mein nächstes Ziel Kennebunk heißen würde.«
»Das dachte ich früher auch nicht.«

01/21 PGF

4.
She was driving a Swedish car and it took me a good ten minutes to accept that it wasn’t made of wooden planks and actually had an internal combustion engine. Okay, the Swedes had some good hockey players, but that they did more than hunt moose and roam the woods surprised me.
„How much does it swallow?“ I asked, hoping not to get an answer like, „No more than you.“ But the answer wasn’t much better.
„It doesn’t guzzle anything more, it goes all-electric.“
Okay, the Swedes were getting creepy.
I realized it wouldn’t had take me much longer to get to Kennebunk. We quickly passed a B&B, the Kennebunk Elementary, a large rest area that was to the right and left of Highway 95, and then we were in the center of town with the Mousam winding through.
It was a nice little town with some nice old buildings, English style, extensive wooded areas, so I soon had the impression I was traveling in a patchwork of small villages rather than a city.
„It’s nice here.“
Jezebel looked over at me and smiled.
„Yes, I like living here. It’s peaceful, you have lots of opportunities, but also lots of nature.“
„You say where we can have a good breakfast.“
„I’d love to take you out to Kennebunk Port. I think a little Atlantic air won’t hurt you. At Mike’s All Day Breakfast, I’m sure we can find something and, if you like we can take it to the beach.“
„That sounds good.“
That didn’t sound good, that sounded absolutely fantastic, like someone had offered to put my rotten life into deep sleep and just enjoy the world quietly for a few days.
We arrived at „Mike’s“ and it made a very inviting impression, with large plants and a nice wide porch.
Looking at the menu with raspberry sauce on waffles, bacon with scrambled eggs, bacon on omelet, potatoes and sausages convinced me that it was better to have breakfast here instead of taking things to the beach.
„Suit yourself? I just thought you might like to see the ocean.“
„I can after breakfast. That is, if you still have time.“
„Yes, I already have. But don’t you worry about your car just sitting there by the road?“
I shook my head.
„No, kind of not here.“
Her nod said: „Yeah, all is still right with the world in Kennebunk.“
„Okay, let’s find a table then.“
We sat down and ordered breakfast and coffee.
For a moment, there was silence. That moment of silence between two strangers where it is decided if they can do something with each other or break up more quickly than it seems at the moment.
„So you want to move on soon?“ She picked up the conversation again. Jez poked with her straw, in the paper cup she was drinking her milkshake from.
I opened my hand like someone releasing a balloon.
„Yeah, I was actually heading north. Was going to Canada for a few days. I wasn’t sure yet.“
„You’re on vacation?“
The conversation tilted cautiously toward interrogation.
„No, not a vacation. I’m,“ I didn’t know if I was yet, but I just said it, „a private investigator and Bounty Hunter. I just got off a somewhat difficult case,“ Beth smiled at me and disappeared from my thoughts again, „and am looking for some Vaccation.“
„It’s a good place to get some rest, too. So,“ she blushed, „I don’t want to keep you. But somehow – I can’t tell you.“
She broke off.
Now I understood the moment of silence.
„It would do me good to stay here for a few days.“
She smiled and that open and honest smile, undisguised and unambiguous moved me, like a candle lit in a dark room.
„Yes, many come here to get some strength.“
The waitress brought our breakfast.
„I’ll bet they do. But I didn’t think my next destination would be Kennebunk.“
„I didn’t think so before.“

01/21 PGF

2 Kommentare zu „Gestra (4)

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