Gestra (10)

10.
Das erste was ich hörte war Stöhnen. Das dumpfe Stöhnen eines Mannes und dann begannen die Kinder zu weinen, ob aus Schmerz oder aus Angst war nicht zu unterscheiden. Es klang jedenfalls kläglich. Ich rappelte mich hoch und sah mich um: es lagen alle am Boden, auf dem Rücken, auf dem Bauch, auf der Seite, der Grill war umgefallen und die Glut flackerte, in der Kiesgrube vor dem grauen Häuschen, der Lichtstrahl des Beamers ragte in den Himmel und die Leinwand, lag, wie ein gebrochenes Bein, in der Wiese. Auch das Meade war umgefallen und ich nahm an, dass es den wuchtigen Sturz nicht schadlos überstanden hatte. Wenn das, das Ergebnis einer Sternenexplosion war, wollte ich so was nicht mehr mitmachen.
Ich war der erste der zum Stehen kam und soweit ich das Beurteilen konnte, war ich unverletzt, außer, dass mir vom Sturz der Rücken und der Ellbogen wehtaten und es mir noch immer in den Ohren pfiff.
Ich sah mich um und versuchte zu verstehen was geschehen war. Jez fiel mir ein. Scheiße der Schock! Sie hatte doch neben mir gestanden. Sie war – ich entdeckte sie in der Wiese. Sie lag auf der Seite, ihr Brustkorb bewegte sich – was gut war, aber sie schien nicht bei Bewusstsein.
Ich kniete mich zu ihr. Mit der Entscheidung unzufrieden! Eigentlich musste ich nachsehen, ob noch Gefahr bestand, eigentlich musste ich nach den anderen, musste ich nach den Kindern sehen – eines nach dem anderen!
Ich fasste sie an der Schulter.
»Jez. Jez!«
Sie stöhnte leise.
»Was -?«
Sie setzte sich ruckartig auf.
»Was ist denn geschehen?«
»Das wollte ich dich fragen. Könnte die Sternenexplosion?«
»Blödsinn. Die Sternenexplosion hätten wir mit Glück sehen können, aber niemals spüren. Hier ist etwas abgestürzt.«
Sie hielt mir die Hand hin.
»Hilf mir hoch.«
Das tat ich.
Langsam kamen auch die anderen wieder zum Stehen, das junge Paar kümmerte sich um seine Kinder, mein Vermieter, um seine Enkelin, Mike sah nach Pamela und Helen und Thomas, machte sich ein Bild von dem Schaden der entstanden war.
»Seid ihr denn alle in Ordnung?« Rief er in die Runde, als könnte er mit einer Handbewegung, falls das nötig war, Wunden schließen, Brüche heilen.
»Geht schon.« »Ich hör kaum was.« »Ich habe eine blutende Stelle.« Kam als Rückmeldung.
»Kann mal jemand den Scheinwerfer anschalten, dass wir uns einen Überblick verschaffen.« Bat Thomas.
Aber damit war Jezebel nicht einverstanden.
»Nein, warte noch, vielleicht sehen wir im Dunkeln besser, was geschehen ist.«
»An was denkst du?« Fragte ich.
»Etwas ist abgestürzt, ob ein Meteorit oder ein Stückchen Weltraumschrott, weiß ich nicht. Aber es war groß genug nicht in der Erdatmosphäre zu verglühen und immer noch groß genug, über unsere Köpfe hinweg zu rauschen. Es sollte irgendeine Spur hinterlassen haben.«
Sie sah sich um. Es dauerte nicht lange. Dann zeigte sie in Richtung des kleinen Waldes, der sich ans »Starfield« anschloss.
»Da! Schau! Siehst du das?«
Ich folgte ihrem Finger und sah eine dünne, graue Rauchsäule, die in den Himmel stieg, wie ein heimliches Lagerfeuer, dass zu groß geriet. Aber gerade, als ich es sah, zerstieb der Rauch und es war nicht mehr genau zu erkennen wo er, in die Höhe gestiegen war.

01/21 PGF

10.
The first thing I heard was moaning. The muffled groan of a man and then the children began to cry, whether out of pain or fear was indistinguishable. In any case, it sounded pitiful. I pulled myself up and looked around: everyone was lying on the ground, on their backs, on their stomachs, on their sides, the grill had fallen over and the embers were flickering, in the gravel pit in front of the gray cottage, the beam of the beamer was sticking up into the sky and the screen, like a broken leg, was lying in the meadow. The Meade had also fallen over and I assumed that it had not survived the massive fall without damage. If that was the result of a star explosion, I didn’t want to go through that again.
I was the first to stand, and as far as I could tell, I was unharmed, except that my back and elbow hurt from the fall and my ears were still ringing.
I looked around trying to understand what had happened. Jez came to my mind. Shit the shock! She had been standing next to me after all. She was – I discovered her in the meadow. She was lying on her side, her chest was moving – which was good, but she didn’t seem conscious.
I knelt down to her. Unhappy with the decision! Actually I had to check if there was still danger, actually I had to check on the others, I had to check on the children – one by one!
I grabbed her by the shoulder.
„Jez. Jez!“
She moaned softly.
„What -?“
She sat up with a jerk.
„What happened?“
„That’s what I was going to ask you. Could the starburst?“
„Bullshit. We could have seen the star explosion if we were lucky, but never felt it. Something crashed here.“
She held out her hand to me.
„Help me up.“
I did.
Slowly the others came to a halt, the young couple tending to their children, my landlord, to his granddaughter, Mike checking on Pamela and Helen and Thomas, getting a picture of the damage that had been done.
„Are you all okay?“ He called out to the crowd, as if he could close wounds, heal fractures, with a wave of his hand, if that was what it took.
„I’m fine.“ „I can barely hear anything.“ „I have a bleeding spot.“ Came the response.
„Can someone turn on the spotlight, let’s get an overview.“ Asked Thomas.
But Jezebel didn’t agree with that.
„No, wait a minute, maybe we can see better in the dark what happened.“
„What are you thinking about?“ I asked.
„Something crashed, whether a meteorite or a piece of space junk, I don’t know. But it was big enough not to burn up in the Earth’s atmosphere and still big enough to whiz over our heads. It should have left some kind of trail.“
She looked around. It didn’t take long. Then she pointed in the direction of the small forest that adjoined the „Starfield.“
„There, look! See that?“
I followed her finger and saw a thin column of gray smoke rising into the sky, like a secret campfire that was getting too big. But just as I saw it, the smoke dissipated and it was no longer possible to see exactly where it had risen.

01/21 PGF

12 Kommentare

  1. Starke Story. Und: Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass Jez so schnell wach wurde und unversehrt aufstehen konnte, wie auch die anderen.

    Während ich die Kommentare las, hatte ich einen kurzen Moment mit einem inneren Bild, was da im Wald abgestürzt ist. Ich bin gespannt, was es tatsächlich sein wird 😉

    Bald ist Wochenende auch für dich. Bei mir begann es heute Mittag, Gott sei Dank.

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    1. Danke liebe Marion, das freut mich sehr zu hören.
      Nachdem beim „Ältesten“ Kho so früh starb und ich dafür schon Schelte bekam, dachte ich, dass darf mit Jez nicht so schnell gehen … 😉

      Dann wünsche ich dir schon mal ein schönes Wochenende
      Peter

      Gefällt 1 Person

      Antworten

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