Gestra (15)

15.

Donavan fuhr mit dem Streifenwagen, Ryken in einem schwarzen BMW, in dem er uns mitnahm. Aus den Boxen dudelte Klaviermusik, die klassisch klingen sollte, aber wie Pop klang.
Ryken übte sich im Small-Talk.
»Und Joe – ich darf Sie doch Joe nennen?«
»Klar machen Sie.«
»Schon ein Häuschen hier gefunden?«
Ich sah zum Fenster hinaus, als könnte ich so plötzlich eines entdecken.
»Nein, noch nicht. Aber«, ich warf ihm einen Blick zu, als wären wir beim Pokerspiel, mit einem riesigen Pot und ich hätte ein Royal Flush, »die Gegend gefällt mir. Waren Sie schon am Atlantik?«
Er tat, als konzentriere er sich aufs Fahren.
»Nein, ich kam heute Morgen, in der Früh. Ich habe noch nicht viel gesehen, aber schon viele Gespräche geführt.«
»Wer hat´s gemerkt?«
»Was meinen Sie?«
»Na! Das Ding, das vom Himmel kam. Irgendwo müssen doch die Alarmglocken geschellt haben.«
Er hielt die Antwort vage.
»Ach Joe, ich denke, das wissen Sie: unsere Augen und Ohren sind immer hellwach. Ich bin nicht bei denen die Hören und Sehen, sondern bei denen die sich um die Sachen kümmern.«
»Für unser aller nationale Sicherheit.«
»So ist es zu sehen.«
Wir erreichten den Feldweg zum Starfield und Ryken bog ein.
Der Wagen glitt über die Unebenheiten und Schlaglöcher, als läge er auf glattem Asphalt und brachte uns ohne eine einzige Schaukelbewegung zum Parkplatz des Observatoriums.
Es war mittlerweile Nachmittag, das Sonnenlicht, lag wie ein Schleier aus feinstem Glas auf der Welt, den man kaum zu berühren wagt, damit er nicht bricht.
Wir stiegen aus, während Donavan, mit seinem Streifenwagen eben den Weg hochkam.
»Sieht tatsächlich ganz friedlich aus.« Meinte Ryken. Er warf prüfend einen Blick auf die Umgebung und ich ahnte, wie er in seinem Kopf die Details priorisierte.
»Ich gehe davon aus, dass sie den Ort weder fotografiert haben, noch etwas so ist, wie nach dem Einschlag?«
Jez sah zu mir und ich nahm die Aufforderung an.
»Donavan hat sich ein paar Notizen gemacht.« Erklärte ich Ryken. »Aber wir haben einfach versucht, so schnell es geht, wieder Ordnung zu schaffen. Es waren Kinder anwesend, die waren ordentlich geschockt. Wir wollten«.
»So tun, als hätte nur der Wind etwas umgestoßen.« Ergänzte der Mann von Homeland meinen Gedanken, als würde er, nicht zum ersten Mal, einen Ort besuchen, an dem etwas Vergleichbares vorgefallen war.
Ich machte es direkt: »Ryken, was suchen sie eigentlich? Warum Homeland? Warum nicht die Nasa?«
Der Agent machte sich keine Mühe.
»Sie wissen schon, dass ich nicht antworte.«
Dann wandte er sich Jez zu. Donavan war mittlerweile angekommen und stand schnaufend im Kreis mit uns.
»Miss, Sie sind Teil des Observatoriums. Woraus besteht die Anlage?«
Jez zählte ihm alles fein säuberlich auf, was sie auch mir erklärt hatte und beendete ihre Ausführung mit: »Das meiste haben wir der Versicherung bereits gemeldet. Und ich kann Sie versichern, wir versuchen hier nichts anderes, als Begeisterung für den Weltraum zu schaffen.«
Ryken nickte, etwas abwesend und sah hinüber zum Wald.
»Aber Ihre Google-Suche sagt, dass sie sich erstaunlich intensiv mit Weltraumschrott und Satellitentechnik beschäftigten.«
Das brachte sie wieder aus dem Konzept.
»Sie haben -«.
»Klar! Ihren Rechner gecheckt. Wissen Sie, alle Menschen sind nett. Und alle wollen das Gute. Islamisten wollen das Gute für ihr Kalifat. Die sind auch nett, in gewissem Sinn. Deshalb sind wir immer neugierig, für was sich Menschen interessieren.«
»Es geht nur um Umweltschutz.« Versuchte ich Jez zu helfen.
Aber Ryken schmetterte mich ab.
»Sie sind nicht gefragt. Miss wollen Sie etwas ergänzen?«
Jez verneinte energisch.
»Nein, Joe hat recht. Ich will mich nur engagieren. Ich – ich«.
Ryken sah wieder zum Wald.
»Und dort kam es runter?«
Jez war noch damit beschäftigt, dass man sie ausspioniert hatte. Deshalb mischte ich mich wieder ein.
»So machte es den Eindruck. Hier hat ja nix eine Schmauchspur, wenn man so will. Aber im Wald ist nichts.«
Der Agent heftete seinen Blick auf mich.
»Aber Sie sagten doch, Sie hätten nur 2/3 untersucht.«
Ich zuckte, wie beim Kartenspielen mit den Schultern, als könne ich, dank meinem Blatt, ganz entspannt bleiben.
»Das haben wir gesagt, um Ihnen deutlich zu machen, dass Sie uns gestört haben. Das Stück, dass wir noch nicht abgesucht haben, war leicht zu überblicken. Da ist nichts.«
Ryken traute mir nicht. Aber er wusste, dass er Jez eingeschüchtert hatte.
»Miss bestätigen Sie das?«
Sie nickte, wie sie zu allem genickt hätte, was das Verhör beendet hätte.
»Ja, da war nichts. Entweder ist das Objekt noch weitergeflogen oder es ist vollständig verglüht.«
Ryken wog ab zwischen: »die lügen«, »die sagen die Wahrheit«, »mit denen durchs Unterholz klettern« und »ich informiere die Profis, die sollen das per Aufklärungssatellit oder -flug klären«.
Er entschied sich für letzteres.
»Wie Sie meinen.«
Es sah sich nochmal um.
»Donavan, sie behalten mir das ganze im Blick. Ich fahre Heim und erstatte der Zentrale meinen Bericht und in zwei, drei Tagen erhalten Sie neue Order. Verstanden?«
»Ja, Agent Ryken.«
Dann wandte sich Ryken uns zu.
»Für heute sind wir fertig, aber Sie halten sich bitte zur Verfügung.«

01/21 PGF

15.

Donavan drove the patrol car, Ryken in a black BMW, in which he gave us a ride. Piano music, which was supposed to sound classical but sounded like pop, was blaring from the speakers.
Ryken practiced small talk.
„And Joe – you don’t mind if I call you Joe?“
„Sure you do.“
„Found a cottage here yet?“
I looked out the window as if I might so suddenly discover one.
„No, not yet. But,“ I gave him a look as if we were at a poker game, with a huge pot and I had a royal flush, „I like the area. Have you been to the Atlantic?“
He pretended to concentrate on driving.
„No, I came this morning, early in the morning. I haven’t seen much yet, but I’ve had a lot of conversations.“
„Who noticed?“
„What do you mean?“
„Well, that thing that came out of the sky. The alarm bells must have rung somewhere.“
He kept the answer vague.
„Oh, Joe, I think you know this: our eyes and ears are always wide awake. I’m not with those who hear and see, I’m with those who take care of things.“
„For all of our national security.“
„That’s the way to see it.“
We reached the dirt road to the Starfield and Ryken turned in.
The car slid over the bumps and potholes as if it were lying on smooth asphalt and brought us to the observatory parking lot without a single rocking motion.
It was afternoon by now, the sunlight, lay on the world like a veil of the finest glass that one hardly dares to touch lest it break.
We got out while Donavan, with his patrol car was just coming up the path.
„Looks quite peaceful, actually.“ Ryken commented. He glanced searchingly at the surroundings and I guessed how he was prioritizing details in his head.
„I assume you didn’t photograph the place, nor is anything like it after the impact?“
Jez looked to me and I accepted the prompt.
„Donavan took some notes.“ I explained to Ryken. „But we just tried to get things back in order as quickly as we could. There were kids around, they were neatly shocked. We wanted to.“
„Pretend it was just the wind that knocked something over.“ Added the man from Homeland to my thought, as if he was visiting, not for the first time, a place where something similar had happened.
I made it direct: „Ryken, what are they looking for? Why Homeland? Why not Nasa?“
The agent didn’t bother.
„You already know I don’t answer.“
Then he turned to Jez. Donavan had arrived by now and stood puffing in a circle with us.
„Miss, you are part of the observatory. What does the facility consist of?“
Jez neatly enumerated everything to him that she had also explained to me and finished her elaboration with, „We have already reported most of it to the insurance company. And I can assure you, we’re not trying to do anything here but create enthusiasm for space.“
Ryken nodded, somewhat absently, and looked over at the forest.
„But your Google search says they’ve been amazingly involved with space junk and satellite technology.“
That threw her off again.
„You were -„.
„Sure! Checked your computer. You know, all people are nice. And everybody wants the good. Islamists want good for their caliphate. They’re nice too, in a sense. So we’re always curious about what people are interested in.“
„It’s all about environmentalism.“ I tried to help Jez out.
But Ryken shot me down.
„You’re not asked. Miss do you want to add something?“
Jez replied vigorously in the negative.
„No, Joe’s right. I just want to get involved. I – I.“
Ryken looked back to the woods.
„And that’s where it came down?“
Jez was still preoccupied with the fact that they had been spied on. That’s why I butted in again.
„That’s the impression it gave. Nothing has a gunshot trail here, if you will. But there’s nothing in the forest.“
The agent fixed his gaze on me.
„But I thought you said you only examined two-thirds.“
I shrugged, as if playing cards, as if I could remain relaxed, thanks to my hand.
„That’s what we said to make it clear to you that you had disturbed us. The piece we haven’t searched yet was easy to look over. There’s nothing there.“
Ryken didn’t trust me. But he knew he had intimidated Jez.
„Miss confirm that?“
She nodded, as she would have nodded to anything that would have ended the interrogation.
„Yes, there was nothing there. Either the object was still flying or it completely burned up.“
Ryken weighed between „they’re lying,“ „they’re telling the truth,“ „climbing through the brush with them,“ and „I’ll inform the professionals, let them sort it out by reconnaissance satellite or flight.“
He opted for the latter.
„Whatever you say.“
It looked around again.
„Donavan, they’re keeping me on top of this. I’ll go home and give my report to headquarters, and in two or three days you’ll get new orders. Got it?“
„Yes, Agent Ryken.“
Then Ryken turned to us.
„We’re done for the day, but you please stand by.“

01/21 PGF

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