Gestra (24)

24.

Manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss und die meisten Männer tun, in Bezug auf Frauen, durchaus Dinge, von denen sie wissen, dass sie sich dadurch lächerlich machen.
Ich wandte mich dem Doktor zu, mit dem Ausdruck eines Menschen, der zwar tiefe Scham empfindet, über das was er gestehen muss, aber dies lieber erträgt, also noch länger zu erdulden, in Unwahrheit leben zu müssen.
»Doktor, ich will ehrlich mit Ihnen sein.« Ich machte eine ungemütlich lange Pause, welche den Grad meiner Verlegenheit manifestieren sollte. »Es handelt sich um die Folgen eines Rollenspiels.«
Jez Arzt betrachtete mich mit gehobenen Augenbrauen.
»Bitte?« Seine Stimme klang nach Spott und Warnung.
»Die Hand – wir – es sollte ein Rollenspiel werden: sie die Waldfee, ich der Aqua-Mann, der sie mit geheimnisvollen Handschellen fesselt.«
Seine Augen lasteten, wie ein ganzes Schwurgericht auf mir.
»Ich habe sie bestellt – Feuerquallententakel, per Express, nicht länger, als 24 Stunden haltbar. Wir wollten im Wald ein wenig spielen … Und bei uns darf es auch mal etwas weh tun. Aber sie muss – der Kreislauf – vielleicht doch allergisch …«
Der Doktor sah mich an, als schwanke er noch zwischen: »Blödsinn« und »stimmt wohl«.
Aber ich hatte mich so in die Geschichte hineingesponnen, dass ich sie langsam selbst glaubte.
»Hat ein Schweinegeld gekostet der Spaß. Über 1000 Dollar. Und, wir wollten halt nicht. Wir kamen nach Sanford.«
»Weil Sie in Kennebunk jeder erkannt hätte.«
Ich nickte schweigend, als fiele es mir schwer, nur noch ein Wort zu sagen.
Die Augen des Doktors wechselt zwischen mir in Nahaufnahme und Jez im Zoom. Ich ahnte was er dachte.
»Sir, wenn ich Sie bitten dürfte?«
»Ja?«
»Sprechen Sie sie nicht darauf an. Sie würde sich in Grund und Boden schämen, wir haben diese Geschichte, mit dem Muscheln sammeln, die nach naiv-romantischem Paar klingt, auf dem Herweg überlegt, damit Sie nicht denken, Sie hätten es hier mit Anastasia Steele und Christian Grey zu tun.«
Der Doktor dachte nach.
Er war Schweigepflicht erprobt, er hatte vermutlich, wie jeder Arzt in der Ausbildung, irgendwann in einer nächtlichen Notaufnahme, einen Gegenstand aus einer Körperöffnung gezaubert, der dort nicht hingehört und so würde er auch diese Geschichte in sein Repertoire Anekdoten zum Austausch mit Kollegen übernehmen.
»Ich will noch mit ihr sprechen.«
Ich breitete kurz meine Arme aus, als würde ich ihm mein Leben vor die Füße legen.
Er ging zu Jez.
Ich hörte, wie er sagt: »Miss, ich denke, wenn sie sich besser fühlen, kann Ihr Freund sie mitnehmen. Möchten Sie denn mit ihm gehen?«
Jez sagte Ja, wie jemand, der weiß, wo er sicher ist und nicht, wie jemand der mit flackerndem Blick: »Ja« sagt und: »Rette mich!« meint.
»Gut, dann schreibe ich Ihnen noch eine Salbe auf, wie gegen eine Verbrennung, die bringen Sie regelmäßig auf der Haut auf.«
Ich hoffte, sie war auch wirksam gegen das Gift außerirdischer Invasionspflanzen. Da Jez einen ganz passablen Eindruck machte, nahm ich an, sie schwebte nicht unmittelbar in Lebensgefahr.
Wir verabschiedeten uns.
Ich mit dem Pathos: »Danke Doc, dass wir nicht mehr darüber reden mussten«.
Jez mit dem Pathos: »Entschuldigen Sie, dass wir Sie belügen mussten«.
Und der Doktor mit: »Was für eine verrückte Geschichte«.
Und gingen nach draußen zum Auto.
Während wir auf den Wagen zu liefen, meinte Jez: »Ich kann jetzt fahren.«
Ich war fast enttäuscht, dass sie mir keine zweite Tour zutraute.
»Wie du willst. Ich hoffe Ryken, ist schon zurück.«
»Wieso Ryken?«
Ich missverstand es.
»Er wollte doch, in zwei Tagen.«
»Nein, das meine ich nicht. Ich rede davon, dass wir nicht zu ihm gehen. Der Arzt hat nichts gefunden, also wird es so schlimm nicht sein. Ich will mir das Ding nochmal ansehen.«
»Betula Gestra?«
»Exakt.«
»Ich halte, das für gefährlich. Der Arzt kannte ja nicht mal die halbe Wahrheit.«
»Macht doch nix. Wir sollten die Sache.«
Jez Smartphone klingelte.
Sie nahm genervt den Anruf entgegen.
»Sheriff Donavan. Sie schon wieder. Ich soll? Unverzüglich? Und Joe mitbringen? Aber Sheriff, mir geht es gerade nicht so gut. Mit dem Streifenwagen Zuhause? Nein, das ist mir auch nicht lieber.«
Sie quittierte den Anruf.
»Wir sagen nichts.« Bestimmte sie
Und ich dachte: »Wir werden sehen.«

02/21 PGF

24.

Sometimes a man has to do what a man has to do, and most men, in relation to women, do quite things which they know will make them ridiculous.
I turned to the doctor with the expression of one who feels deep shame at what he must confess, but prefers to bear it, that is, to endure even longer having to live in untruth.
„Doctor, I’m going to be honest with you.“ I paused for an uncomfortably long time, which was meant to manifest the degree of my embarrassment. „We are talking about the consequences of role-playing.“
Jez doctor regarded me with raised eyebrows.
„Please?“ His voice sounded like mockery and warning.
„The hand – us – it was supposed to be a role-play: she the woodland fairy, me the aqua man, tying her up with mysterious handcuffs.“
His eyes weighed on me, like a whole jury.
„I ordered them – fire jellyfish tentacles, express, lasting no more than 24 hours. We wanted to play a little in the woods … And with us, it’s allowed to hurt a little. But she must be – the circulation – maybe allergic …“
The doctor looked at me as if he was still wavering between: „Nonsense“ and „probably true“.
But I had spun myself into the story so much that I was beginning to believe it myself.
„It cost a lot of money, that fun. Over a thousand dollars. And, we just didn’t want to. We came to Sanford.“
„Because everyone in Kennebunk would have recognized you.“
I nodded silently, as if having a hard time saying just one more word.
The doctor’s eyes alternated between me in close-up and Jez in zoom. I guessed what he was thinking.
„Sir, if you don’t mind?“
„Yes?“
„Don’t take her up on it. She’d be mortified, we’ve got this story, with the clam collecting, sounding like a naive romantic couple, all over the way here, so you don’t think you’re dealing with Anastasia Steele and Christian Grey.“
The doctor pondered.
He was sworn to secrecy; he had probably, like every doctor in training, conjured an object from a body orifice at some point in a late-night emergency room that didn’t belong there, and so he would add this story to his repertoire of anecdotes to share with colleagues.
„I still want to talk to her.“
I briefly spread my arms as if I were laying my life at his feet.
He walked over to Jez.
I heard him say, „Miss, I think when they feel better, your friend can take them. Would you like to go with him then?“
Jez said yes, like someone who knows where he is safe, not like someone who with a flickering eye: „Yes“ and means: „Save me!“.
„Good, then I’ll write you another ointment, like for a burn, you’ll apply it regularly to your skin.“
I hoped it was also effective against the poison of alien invasion plants. Since Jez seemed quite passable, I assumed she was not in immediate danger of death.
We said our goodbyes.
Me with the pathos: „Thanks Doc, we didn’t have to talk about it anymore“.
Jez with the pathos: „Sorry we had to lie to you“.
And the doctor with, „What a crazy story“.
And walked outside to the car.
While we were walking toward the car, Jez said, „I can drive now.“
I was almost disappointed that she didn’t trust me with a second tour.
„Suit yourself. I hope Ryken, is back by now.“
„Why Ryken?“
I misunderstood.
„He did want to, in two days.“
„No, that’s not what I’m talking about. I’m talking about not going to see him. The doctor didn’t find anything, so it won’t be that bad. I want to look at this thing again.“
„Betula Gestra?“
„Exactly.“
„I think it’s dangerous. The doctor didn’t even know half the truth.“
„Never mind. We should the thing.“
Jez smartphone rang.
She answered the call, annoyed.
„Sheriff Donavan. You again. You want me to? Immediately? And bring Joe with you? But Sheriff, I’m not feeling so well right now. Take the patrol car home? No, I’d rather not.“
She acknowledged the call.
„We’re not saying anything.“ She determined
And I thought, „We’ll see.“

02/21 PGF

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