Gestra (35)

35.

Ryken schloss die Augen und schwieg, als wäre er taub und hätte die Frage nicht gehört.
»Samuel?«
Er rieb sich mit der Hand über den Mund.
»Ich habe dich schon gehört. Aber es ist schwer nicht zu lügen, nicht zu viel zu sagen und richtig einzuordnen, was wir gesehen haben.«
»Dann versuchen Sie es halt!« Forderte Donavan, dem die Nacht hier draußen noch immer nicht gefiel.
Ryken bewegte den Kopf ein wenig zurück, zwei, drei Mal.
»Es ist naiv zu glauben, dass es bei den Geheimdiensten immer um profane Dinge geht: um den Russen oder den Feind oder die Information. Klar das gibt es auch. Aber das ist Agent sein für Anfänger.«
»Und, wie sieht es für die Profis aus?«
»Nun, wir erhalten nach unserem Briefing keine Einladung von Miss Moneypenny, Q zu treffen, damit der uns die neuen Superwaffen verteilt, mit denen wir den Superschurken jagen. Die Agency beschäftigt ganz andere Fragen.«
»Und die wären?«
»Philosophische Fragen: Gibt es mehr Leben, als das irdische? Gibt es einen Sinn? Gibt es Zeit? Wie ist der Raum aufgebaut? Grundlegende Fragen, die darüber entscheiden, ob wir Menschen, wie wir es gewohnt sind, leben können. Wir wehren ab, was die Normalität und den Wohlstand gefährdet.«
»Du willst sagen, ihr wehrt, im kommerziellen Sinn, falsche Ideen ab?« Wollte ich wissen.
Er schüttelte den Kopf.
»Nein, wir wollen verhindern, dass unsere Normalität zu sehr erschüttert wird. Ob, dass der Börsencrash ist, der alles in den Abgrund treibt oder fremdes Leben, welches bei uns strandet. Es würde das Denken und die menschliche Identität zu sehr verändern.«
»Ist Gestra so etwas?« Hakte Jez dazwischen.
Ryken sah sie offen an.
»Das könnte sein.«
»Und bist du, wie damals ein Helfer des Papstes, der verhindern will, dass wir den Glauben an das geozentrische Weltbild verlieren?«
Ryken schüttelte entschieden den Kopf.
»Nein, ich bin nur zum Beobachten da. Ich berichte wahrheitsgemäß.«
»Und nimmst dafür in Kauf, dass es verschwiegen wird?«
Er schwieg kurz.
»Aliens, Zeitreisen, endlose Universen, das ist nicht unser Ding. Die Welt beruht auf Produktion und Konsum und wer spielt da noch mit, wenn da draußen das Chaos tobt? Die Ordnung sorgt dafür, dass manche arm und manche reich sind und so ist das perfekt in Balance.«
»Was haben wir da entdeckt?« Fragte Jez. Ihre Stimme klang nach mühsam unterdrücktem Zorn.
»Wir sollten essen.« Erwiderte Ryken matt.
Er machte noch eine Pause.
Dann fuhr er fort: »Mehr kann ich euch, für den Moment nicht sagen.«

02/21 PGF

35.

Ryken closed his eyes and remained silent, as if he were deaf and had not heard the question.
„Samuel?“
He rubbed his hand over his mouth.
„I heard you already. But it’s hard not to lie, not to say too much, and to correctly classify what we saw.“
„Try it, then!“ Demanded Donavan, who still didn’t like the night out here.
Ryken moved his head back a little, two or three times.
„It’s naive to think that intelligence is always about mundane things: the Russian or the enemy or information. Sure there’s that. But that’s being an agent for beginners.“
„So, what’s it like for the pros?“
„Well, we don’t get an invitation from Miss Moneypenny after our briefing to meet Q so he can hand out the new superweapons we use to hunt the supervillain. The Agency is dealing with entirely different issues.“
„And what are those?“
„Philosophical questions: is there more life than the terrestrial? Is there meaning? Is there time? How is space constructed? Fundamental questions that determine whether we humans can live as we are accustomed. We reject what threatens normality and prosperity.“
„You’re saying you guys are in the commercial sense, fending off false ideas?“ I wanted to know.
He shook his head.
„No, we want to prevent our normality from being shaken too much. Whether that’s the stock market crashing everything into the abyss or alien life stranding with us. It would change thinking and human identity too much.“
„Is Gestra that kind of thing?“ Hooked Jez interjected.
Ryken looked at her frankly.
„It could be.“
„And are you, like then, an aide to the Pope who wants to prevent us from losing faith in the geocentric worldview?“
Ryken shook his head decisively.
„No, I’m just there to observe. I report truthfully.“
„And take it for granted that it will be kept quiet?“
He was silent for a moment.
„Aliens, time travel, endless universes, that’s not our thing. The world is based on production and consumption, and who’s going to play along when there’s chaos out there? Order ensures that some are poor and some are rich, and so it’s perfectly balanced.“
„What have we discovered there?“ Jez asked. Her voice sounded like laboriously suppressed anger.
„We should eat.“ Replied Ryken wanly.
He paused for another moment.
Then he continued, „That’s all I can tell you, for now.“

02/21 PGF

2 Kommentare

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