Gestra (36)

36.

Als ich wach wurde, dachte ich zum ersten Mal seit Tagen, an ein gutes, bernsteinfarbenes Glas Bourbon. Dachte an das Brennen, wenn er mir die Kehle hinabrann und an das starke, sichere Gefühl, wenn er wirkte. Wie ein Zaubertrank, der jede Angst nimmt.
Ich stemmte mich in meinem Rucksack hoch und sah mich um: Donavan lag da, wie ein Walross auf der Seite und schnarchte, wie er es die ganze Nacht getan hatte. Von Jez waren nur die Haare zu sehen, die sich aus ihrem Schlafsack herausstreckten, wie Grashalme aus der Erde. Ryken Schlafsack lag tadellos zusammen gerollt in der Ecke.
Ich stand auf, was keinen der Schlafenden irritierte – nur Jez stöhnte kurz auf und ging nach draußen.
Samuel stand an der Feuerstelle, mit einer Tasse Kaffee in der Hand.
»Wie bist du an den gekommen?«
Er zeigte auf eine kleine Holzbox.
»Habe ich da drin gefunden. Aber freue dich nicht zu früh. Ist so ein Instantzeug, das wie ein Placebo wirkte und nur, weil es bitte schmeckt, an Kaffee erinnert.«
Er hatte sich am Feuer heißes Wasser gemacht.
Ich nahm mir auch eine Tasse, etwas Pulver und goss es auf. Da mir ein Löffel fehlte, schwenkte ich die Tasse.
»Wir müssten langsam los – oder?«
Ryken trank seine Tasse leer und stellte sie ab.
»Ich sollte los, Joe. Ich sollte euch nach Hause schicken und die Sache allein erledigen.«
Er schwenkte seine Tasse mit Wasser aus und stellte sie zurück ans Feuer, damit sie dort trocknen konnte.
Ich ahnte was er dachte.
»Aber du weißt, dass du uns brauchst, wenn du zurück in den Wald gehst.«
Mit einem knappen Neigen seines Kopfes stimmte er zu.
Deshalb war er nicht losgegangen. Der Tag dämmerte bereits und es würde, zumindest am Vormittag, ein bedeckter Herbsttag werden, der die Farben aus der Welt löschte und alles in trübes Grau tauchte.
»Wann sollen wir los?« Fragte ich.
»Eine Viertelstunde können wir den anderen noch lassen, aber dann ist es Zeit.«
Der Tür des Observatoriums öffnete sich und Donavan schwankte heraus.
»Scheiße! Wie spät ist es? Man ihr redet viel zu laut.«
»Haben wir Sie geweckt Sheriff?«
»Es gibt Kaffee?«
»Ja.«
»Dann lohnt es sich wenigstens.«
»Freuen Sie sich nicht zu früh.«
»Ich habe Zeiten mit Getreidekaffee hinter mir. Mir schmeckt alles.«
Wir lachten.
»Ich gehe Jez wecken«, schlug ich vor. »Wir sollten los, wenn wir drei schon mal wach sind.«
»Was denn? Das Ding jagen?« Der Sheriff wirkte nicht begeistert. »Da hole ich erst mal noch ein paar Leute.«
»Das geht leider nicht.« Widersprach Ryken.
Donavan schien langsam entnervt von Rykens Vorgaben.
»Wieso soll das nicht gehen? Das Ding hat Miss Dorsets Hund gefressen. Ich geh da, mit einem Flammenwerfer rein und fackele alles ab.«
Ryken schüttelte den Kopf.
»Nein, das werden Sie nicht.«
»Na, ihr klärt das miteinander. Ich sehe nach Jez.« Warf ich ein und ging.
Jez lag noch immer in ihren Schlafsack eingehüllt und schien uns nicht gehört zu haben.
Ich ging zu ihr.
»Jez. Zeit zum Aufstehen.« Sagte ich sanft.
Aber sie reagierte nicht.

02/21 PGF

36.

When I woke up, for the first time in days, I thought about a good, amber glass of bourbon. Thought of the burn as it ran down my throat and the strong, sure feeling when it kicked in. Like a magic potion that takes away all fear.
I braced myself in my backpack and looked around: Donavan was lying there, like a walrus on his side, snoring as he had done all night. All that could be seen of Jez was her hair, sticking out of her sleeping bag like blades of grass from the earth. Ryken’s sleeping bag lay immaculately rolled up in the corner.
I got up, which didn’t irritate any of the sleepers – only Jez gave a short groan and went outside.
Samuel was standing by the fireplace, a cup of coffee in his hand.
„How did you get that?“
He pointed to a small wooden box.
„Found it in there. But don’t get too excited. It’s some instant stuff that acted like a placebo and only because it tastes like coffee, please.“
He had made himself some hot water by the fire.
I also took a cup, some powder and poured it. Lacking a spoon, I swirled the cup.
„We’d have to get going – wouldn’t we?“
Ryken finished his cup and set it down.
„I should get going, Joe. I should send you guys home and handle this thing on my own.“
He swirled out his cup of water and set it back by the fire to dry.
I guessed what he was thinking.
„But you know you’ll need us when you go back to the woods.“
With a curt tilt of his head, he agreed.
That was not why he had gone. The day was already dawning and it would be an overcast autumn day, at least in the morning, blotting out the colors from the world and bathing everything in murky gray.
„When should we leave?“ I asked.
„We can leave fifteen minutes for the others, but then it’s time.“
The door of the observatory opened and Donavan staggered out.
„Shit! What time is it? Man you guys are talking way too loud.“
„Did we wake you Sheriff?“
„There’s coffee?“
„Yes.“
„Then at least it’s worth it.“
„Don’t get too excited.“
„I’ve had times with grain coffee. I like everything.“
We laughed.
„I’ll go wake Jez,“ I suggested. „We should get going while the three of us are awake.“
„Do what? Hunt that thing?“ The sheriff didn’t look thrilled. „I’ll get some more people first.“
„I’m afraid we can’t do that.“ Ryken objected.
Donavan was beginning to seem unnerved by Ryken’s stipulations.
„Why wouldn’t it work? That thing ate Miss Dorset’s dog. I’m going in there, with a flamethrower, and torching everything.“
Ryken shook his head.
„No, you won’t.“
„Well, you guys work it out. I’ll check on Jez.“ I interjected and left.
Jez was still wrapped in her sleeping bag and didn’t seem to have heard us.
I walked over to her.
„Jez. Time to get up.“ I said softly.
But she didn’t respond.

02/21 PGF

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